Wette verloren, Hoffnung verloren

Es hat keine 24 Stunden gedauert, da bin ich rückfällig geworden. Ich brauche diesen Blog zu sehr, um keine Nierensteine, keine Gallenchronik zu bekommen von dem, was diese Mannschaft von Eintracht Frankfurt liefert. Das ist FDP’esk, armselig, erbärmlich, abstiegswürdig. Das alles ist nur die sportliche Betrachtung. Würde ich noch die 200 Kilometer Anfahrt, das Geld, die Zeit etc. hinzurechnen, die einem Außenstehenden das alles abverlangt …

Eine biedere, phasenweise schlechte Hoffenheimer Truppe hat die SGE dominiert, hat ihr non chalant zwei Tore eingeschenkt, drei weitere liegenlassen (Volland an den Pfosten, Modeste zwei Mal frei vor Trapp), dazu schenkt die Frankfurt eine Bude her. Mit nichts weiter als auch auf dem Platz zu stehen. Das Groteske: Trotz allem war das nicht mal die schlechteste Partie der SGE in den vergangenen Monaten. Immerhin, und das hat in der Tat Seltenheitswert, kam man mal zum Abschluss. Vier, fünf Torschüsse, die den Namen verdienen, verzeichnete man. zwar gegen die dünnste Abwehr der Liga, aber so wenig muss dem Eintracht-Fan heute schon Halt geben …

Das Niveau, die Qualität von Eintracht Frankfurt ist schon derart gering, dass man meinen sollte, es gehe gar nicht mehr schlechter. Und dann kommt die jeweils nächste Woche, das jeweils nächste Spiel. Mittlerweile habe ich das so oft geschrieben, dass so eine Erkenntnis überhaupt keinen Nachrichtenwert mehr besitzt. Achselzuckend in den Abstieg.

Wer noch nach Parallelen zum „Abstieg der Schande“ suchen will, bitteschön, diese Geisteshaltung entspricht so ziemlich genau dem, was damals Niedergangsbeschleuniger war. Was damals über Wochen und Monate abzusehen war, nachdem die Normalität das Glück ablöste, die spielerische Talfahrt (alles auf Gekas, solange es funkltionierte) zumindest phasenweise noch von Ergebnissen verschleiert werden konnte, wiederholt sich aktuell. Anno 2013 dienen irgendwelche drittklassigen Europagegner und Zweitligisten im Pokal als Ablenkungsmanöver, diese Ergebnisse sind nun der Nebel, der sich 2011 in der Bundesliga auch noch dann und wann, aber immer seltener lichtete. Und wie auch damals schon gibt es eine Masse der Ewigtreuen, die aus einem Mix von Gewohnheit, Unbelehrbarkeit und Unwissen jede Floskel durchgehen lassen, jeden neuen Tiefschlag stoisch erdulden, die Geschehnisse relativieren, die Totschlagargumente („Wer soll es denn sonst machen?“) auspacken.

Die Antwort auf Letzteres ist dabei denkbar simpel: Es ist völlig egal, wer es (stattdessen) macht. 2013, allen voran seit August bis jetzt, rauscht diese Mannschaft ins Tal. Punktetechnisch, spielerisch, mental. Die Durchhalteparolen, die Beschwichtigungen, die Pfeile aus dem Köcher sind verschossen. Man hat alles probiert, nichts ist geglückt. Die Tendenz: Es wird immer schlechter. Der Kredit, den sich Armin Veh zurecht erarbeitet hat, ist aufgebraucht. Die Rede ist nicht von 4,5 Spielen, die in die Binsen gegangen sind. 2013 im ganzen betrachtet läuft schlecht, mittlerweile miserabel. Drei Monate liegt der letzte Bundesligasieg zurück, bald ein Dreivierteljahr ist seit dem letzten Heimsieg vergangen.  Der Koch rührt, aber es passiert im Topf nichts mehr. Die gleiche Soße immer und immer wieder aufzukochen – was soll das bringen?

Der Markt an Trainern ist schon schlechter bestückt gewesen. Entweder hat man den Arsch in der Hose und gibt Alexander Schur seine Chance im Profitrainerbereich (VfB Stuttgart lässt erfolgreich grüßen) oder man bindet sich den bislang kurz- bis mittelfristig stets recht erfolgreichen Bruno Labbadia ans Bein. Thomas Schaaf wäre noch zu nennen, wobei das im Abstiegskampf die wohl schlechteste Lösung wäre.

Aber all das ist Theorie, Gewäsch eines Enttäuschten. Denn in Frankfurt wird sich nichts tun, nichts ändern, gar nichts. Der Trainer bleibt, komme was wolle. Ruhe, so Axel Hellmann gegenüber der „Frankfurter Rundschau“, sei die Stärke der Eintracht. Vor jeder Entlassung, vor jeder Veränderung steht in der Regel eine Debatte. Eine, die nicht nur Fans, die nicht nur Außenstehende führen. Internes brodeln wird vorausgesetzt. Stattdessen Stille, bald Grabesruhe bei Eintracht Frankfurt. Von daher kann man sichs schenken, über Trainerwechsel zu philosophieren.

Es bleibt nur noch ein Bild übrig, das mir im Kopf herum schwirrt. Dem gefrorenen Boden entwächst ein zartes Pfänzchen, es strebt an die Oberfläche, noch zu schüchtern, um überhaupt ans Blühen zu denken. Dann kommen Funktionäre, Trainer, Spieler von Eintracht Frankfurt mit den dicken Schuhen, trampeln auf ihm herum. Sie packen den Flammenwerfer aus, radieren den Funken Leben aus. Mit Flag-Geschützen schießen sie Salve um Salve auf den Quadratmeter Hoffnungsboden, um sicherzugehen, dass der Keim, die Saat tot ist, das kein Leben mehr wächst.

Um es weniger kryptisch auszudrücken: Da war mal Euphorie, nach der Häutung des Abstiegs 2011, dem Wiederaufstieg, der Sensations-Hinrunde und des geglückten Über-die-Linie-nach-Europa-zitterns. Mit Verve hat man in Frankfurt dafür gesorgt, das alles zu vernichten. Nacktes Überleben? Selbst das scheint im Dezember 2013 ausgeschlossen, zu grundlegend die Probleme, zu wenig Qualität vorhanden, zu wenig Punkte in zu vielen Spielen geholt.

Ich weiß: Wir werden alle sterben. Und das Tragischkomische daran ist, dass wir es aller Voraussicht nach sportlich auch tun werden.

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