Eine schöne Bescherung

Als sich die Massen in den Minuten nach dem Abpfiff des blamablen Frankfurter Heim-Auftritts über den Trampelpfad im Wald in Richtung S-Bahnen schoben, mangelte es nicht an symbolkräftigen Bildern. Links und rechts des Weges rannten einige besonders Agile an den Vorderleuten vorbei, wollten schneller am Gleis sein als die eine oder andere Hundertschaft in rot-schwarz, doch ehe sie sich versahen, stolperten sie, rutschten aus, blieben in Wurzeln hängen und knallten teilweise böse auf den Boden. Manche Gesichtsbremse wurde männlich souverän ignoriert, andere Aufgeschlagene wurden von der Natur regelrecht ausgeknockt.

Die Szenen passten sehr gut zu dem, was in den 105 Minuten zuvor im Stadion passiert war. Ein zähes Geschiebe zwischen rot-schwarz und weiß, Erstere offensiv struktur- und ideenlos, zweitere ungläubig und untätig ob der Schwäche der Heimmannschaft. Und Letzere war es, die – dank hilflosem Quergeschiebes – ziemlich auf die Fresse flog. Nur das, was in der 85. Minute geschah, das Unvermögen des Augsburger Angreifers gepaart mit der Verve und Klasse Kevin Trapps und dem Willen Carlos Zambranos bewahrte Eintracht Frankfurt vor dem absoluten Fiasko. Es ist nicht schwarzgemalt zu sagen, dass der FCA die bessere Mannschaft war, jene, die eine Idee für dieses Spiel hatte und der letztlich – neben jener Riesen-Doppelchance in der 85. Minute – nur vorzuwerfen ist, dass sie dem Gegner zu viel Qualität beigemessen hat. Man darf behaupten, dass die bayerischen Schwaben dieses Spiel eher gewinnen hätten können, wenn nicht müssen, als die Eintracht. Alleine die Tatsache, dass die Eintracht in Halbzeit zwei nicht einen Torabschluss zustande brachte, reicht als Indiz für die These aus.

Es waren fünf, vielleicht zehn Minuten des Auflehnens, dessen, was man Fußball nennt, die Frankfurt dieses Remis bescherten. Zwei Mal scheiterte man am in diesen wenigen Minuten  überragenden Marvin Hitz im Augsburger Tor. Dann netzte Jan Rosenthal – der zwischen Ballsicherheit und Schludrigkeit im Sekundentakt wechselte – ein. Danach war die Luft aus dem Eintracht-Boot im Nu wieder raus und wurde nie wieder hineingepustet.

Man kann jetzt vortrefflich über die strittige (Hand)elfmeterszene in der Schlußminute reden. Wenn, dann müsste man auch Schweglers Foul im 16er an Altintop in der 5. Minute mit-debattieren. So oder so ist es egal: Nie war die SGE obenauf, schon gar nicht in Reichweite eines Sieges.

Das Vertrackte: Man hatte ja schon die vielzitierten Schweinesiege, gegen Bordeaux, gegen Leverkusen. Man riss die Partie gegen Schalke 04 rum. Alles waren mögliche Knotenplatzer, aus allem hätte man in der Folgewoche, in den Folgewochen etwas ziehen können – resultierend in Punkten. Stattdessen folgte und folgt immer neue Tristesse. Das Schlimme: Man hat als Zuschauer das Gefühl, es wird im Zweifel eher stets schlimmer als in Trippelschritten besser.

Stephan Schröck, der lange verschmähte, entpuppt sich nicht nur aufgrund der spielerischen Düsternis als Gewinn. Überall auf dem Platz war er zu finden, wenn defensiv oder offensiv eine prägnante Szene auf den Rasen gelegt wurde, war er beteiligt, maßgeblich. Auch Constant Djakpa – bis auf eine Situation, wo er den Ball drei Mal binnen 10 Sekunden verliert – stellt Bastian Oczipka in den Schatten, wirkt wesentlich dynamischer, agiler, durchdachter und defensiv robuster. Joselu? Der fällt jedenfalls nicht (mehr) ab als Kadlec das tat/tut. All das hätte man früher haben können, diese Elemente, Impulse wären vor Wochen schon sinnvoll und vor allem nötig gewesen. Gut, müßig darüber zu spekulieren, ob man dann mehr Punkte geholt hätte. Jedenfalls scheint es dieser Tage so, als ob die Chance darauf deutlich höher hätte sein können.

Was bleibt? 15 Punkte aus 17 Spielen, je nach Ausgang der Partien der direkten Abstiegs-Roulette-Mitspieler (3 aus 4) ist es ein Polster zwischen einem und vier Punkten. Ein Polster nach unten zu haben ist angesichts des Rückrundenauftakts (Bayern, Dortmund …) eminent wichtig. Da wird man nämlich aller Vorrausicht nach verkacken – die anderen ziehen ggf. vorbei. Doch das alles, das einträchtliche Leid nur, um dann furios in Richtung 20, 21, 22 Punkte-Rückrunde zu starten. Es sei denn, die Kicker haben wieder Kopfweh, wenn aus den ersten drei, vier Spielen zwischen 0 und 2, 3 Zählern herausgesprungen sind. Aber wer kann schon in die Zukunft blicken?

Ich freue mich jedenfalls bereits auf die Parallelen zur Augsburger-Aufholjagd (9 Punkte nach 17 Spielen). Da wird dann natürlich galant verschwiegen werden, dass man in Münchens Nachbar(Fugger!)stadt von Beginn an auf Abstiegskampf geeicht war und einen Plan (!) hatte, die nötigen Spieler dafür. In Frankfurt ist das alles nicht so, da war keinem klar, dass der Sturz so weit nach unten geht. Und dementsprechend ist das Personal auch (nicht) aufgestellt. Waren wir ab, wen die Eintracht in der Winterpause verpflichten wird. Baustellen gibt es genug. Stürmer und Linksverteidiger, Außenmittelfeldspieler und Standardschützen, Kopfballspieler … Schreibt euch noch etwas auf den Wunschzettel, irgendwann nach Weihnachten wirds dann einen Namen geben. Frohes Fest!

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