Nix da, Ausrutscher

Freiburg (keine Kopfprobleme, offenbar) schlägt Hannover 96 (gegen die haben wir verloren). Braunschweig (keine Kopfprobleme, offenbar) schlägt Hoffenheim (gegen die haben wir verloren). Beide Kellerkinder spielten/gewannen zu Hause, übrigens. Hertha BSC Berlin mischt nach Rückstand Dortmund auf (gegen beide haben wir verloren) und Bremen schlägt Leverkusen (die Übermächtigen, gegen die nun offenbar jeder gewinnt) während Nürnberg gegen Schalke (gegen beide spielten wir Remis) zwar „nur“ einfach punktet, aber S04 80 der 90 Minuten beherrschte, auch gefährlich (!) aufs Tor schoss.

In Frankfurt ist man indes semi-zufrieden mit einem Heimpunkt gegen biedere, blasse Augsburger (Veh: „Wir sind mit dem Punkt zufrieden, das müssen wir in unserer Lage auch sein“). Auch mit den insgesamt drei passablen Abschlüssen in 90 Minuten. Tja. Man bleibt über dem Strich. Hossa! Ob es irgendwann in den Birnen der Leute da in Frankfurt mal klingelt? Also derart, dass sie Worten mal Taten folgen lassen? Dass diese Dauerbestürztheit nach den regelmäßig tristen Auftritten mal in einer echten, sichtbaren und zählbaren Reaktion mündet, dass die Phrasendreschmaschinen mal abgeschaltet und stattdessen Gras gefressen, der Vorwärtsgang nicht erst nach und nicht nur bis zum Teilerfolg – nennen wir es Ausgleichstor vor heimischem Publikum – eingelegt wird? Alles vergebene Liebesmüh, denn dann liest man so etwas:

„Es ist wichtig, dass wir Weihnachten alle abschalten und uns dann richtig gut auf die Rückrunde vorbereiten. Wenn meine Mannschaft es schafft, drei Mannschaften hinter sich zu lassen, dann hat es wirklich was gebracht“ (Armin Veh nach dem 1:1 gegen Augsburg).

Bruno Hübner äußerte sich beim Hessischen Rundfunk im Radio Stunden später darüber, dass ja nicht alles schlecht sei, immerhin werde man „in Europa wahrgenommen“ und mit Porto, Dortmund und Bayern stünde ein Top-Februar an. Was will man da als hilfloser Zuschauer noch entgegnen? Es bleibt nur zu mutmaßen, dass man in anderen Berufsfeldern für so etwas eine Abmahnung kassieren würde. Sicher eine Krankschreibung wegen verzerrter Realitätswahrnehmung.

Zur Abwechslung mal nacktes Zahlenmaterial was vielleicht erklärt, wieso Leute wie ich so fuchsig sind und die Dauer-Relativiererei und der Zweckoptimismus sie zur Weißglut treiben. Hier ein Vergleich der Lizenzspieler-Etats (in Klammern die BuLi-Platzierung im Geld-Ranking):

Eintracht Frankfurt: 30 Millionen Euro (11.)
FC Nürnberg: 24 Millionen Euro (14.)
SC Freiburg: 16,1 Millionen Euro (17.)
Eintracht Braunschweig: 15 Millionen Euro (18.)
(FC Augsburg: 17 Millionen Euro, 16.)

Uns wird seit Jahren vorgebetet, wie wichtig das mit dem Geld, mit dem TV-Ranking, das mit den finanziellen Mitteln, Eigenkapital und so ist. Und dann haben die mit 15 und die 16 Millionen Etat irgendwie doch exakt so „viele“ Siege eingefahren wie die mit 30 Millionen. Und die Torverhältnisse sind – in der Defensive – fast gleich. Nur offensiv haben wir sage und schreibe drei bis vier Tore mehr geschossen als die mit 16 und die mit 24 Millionen. Klartext: Hier konkurrieren nicht 30 mit 29 oder 28 Millionen, sondern ein Verein, der im Gros das doppelte an Mammon zur Verfügung hat wie diejenigen, mit denen er sich in den untersten Tabellenregionen misst. Und selbst diesen Vergleich droht er zu verlieren. Anstatt Rang 11 ist es Rang 15 mit Tendenz nach unten sowie eine meilenweite sportliche Distanz zu etwa dem Geld-Rankings Sechzehnten.

Welche Schlüsse lässt so eine Entwicklug zu? Wie kann man da irgendetwas beschönigen, den Architekten dieses Trends so vehement die Stange halten? 15 von 51 möglichen Punkten bei dieser (finanziellen wie sportlich-euphorischen) Ausgangslage sind mies. Völlig egal, wie man es zu relativieren versucht, ist da sportlich, spielerisch grotesk schlecht gearbeitet worden in Frankfurt. Und das wird kaschiert mit Geschwätz über Druck, Kopfprobleme, Ryhtmus, Europa-Doppel- und Pokal-Dreifachbelastung etc. Wie man es auch dreht: Entweder sind a) Fehlentscheidungen getroffen worden, die jemand zu verantworten hat, b) ist es sportlich schludrig vorbereitet, falsch trainiert worden, was jemand zu verantworten hat oder aber c) jemand, der verantwortlich ist, bekommt die Situation nicht in den Griff, hat – offenkundig – keine erfolgreichen Konzepte gegen die Talfahrt. In allen Szenarios – und auch bei einem Mix von diesen – kann es doch keine Lösung sein, einfach immer und immer weiter genau so weiterzumachen. Das ist wie das Gleichnis mit dem Kind und der heißen Herdplatte. Nur eben mit dem entscheidenden Unterschied, dass das Kind es eben nicht lernt, die Hand immer wieder auf die heiße Herdplatte legt. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen wundert sich das schmerzgekrümmte Kind nach 34 stoischen Handauflege-Ritualen, wieso die Hand ein für alle mal verbrannt ist.

Ich stelle nun noch eine Frage an meine Blog-Leser. Eine, die mich seit langem beschäftigt. Und zwar: Ist die 1:6 Niederlage am 1. Spieltag in Berlin nicht doch aussagekräftig, wegweisend, der frühstmögliche Fingerzeig für den Saisonverlauf, für eine verfehlte Einkaufspolitik, eine schlechte Vorbereitung, eine laxe Herangehensweise, ein falsches Selbstverständnis gewesen?

Ein Ausrutscher soll es gewesen sein, hieß es in den Folgewochen. Sporadisch, wenn auch brotlos (Bayern/Dortmund) konnte man gar an diese These glauben. Doch vom Ende, von der Entwicklung her gesehen muss man konstertieren, dass die überlegene Hertha BSC den späteren Gegnern nur eine Kleinigkeit voraus hatte: Sie hatten mehr Bock, sie wollten drauf gehen, sie wollten viele Tore schießen und taten das auch. Überlegen waren in der Folgezeit viele andere Gegner, von Mainz über Gladbach bis hin zu Wolfsburg. Nur verwalteten diese die Eintracht clever in die Niederlage.

Hinweis: Zum Zeitpunkt des Berlinspiels war noch nichts mit Doppelbelastung, mit Kopfproblemen etc. Und doch erkenne ich in diesem Auftritt in mancher Hinsicht ein (Warn)Signal für den Saisonverlauf. Offensiv völlig harmlos, defensiv wackelig, kein Konterspiel, keine Standardgefahr, dafür Standardanfälligkeit – das Resultat sind 15 von 51 Punkten (36 Zähler im Kalenderjahr 2013, kein Heimsieg seit Frühjahr 2013) und die Frage, ob Abstand, ob die Winterpause reicht um all die Versäumnisse, die Schlechtigkeit aus der Mannschaft zu treiben. Um das zu bejahen, muss man einen beinahe schon fundamentalistischen Glauben in die Truppe haben.

Den Trainerwechsel – zu einem sinnvollen Zeitpunkt, nämlich vor der weichenstellenden Winterpause – kann man sich ab jetzt jedenfalls schenken. Doch ob Vehs Ansporn, es nicht alleinverantwortlich zu vermasseln, reichen wird um die eklatanten Schwächen abzustellen? Nein, 1000 prozentig nicht. Neuzugänge (Plural!) wird es geben müssen. Zwei oder drei, einer für jeden Mannschaftsteil – die Torwartposition ausgenommen. Dazu wird es Geld benötigen, mehr als konservative 1,5 Millionen Euro. Mehr als Ausleihen von Zukunftshoffnungen oder Personaldiebstahl bei Teams auf gefühlter Augenhöhe.

Ist man nicht willens, in einem gewissen Volumen zu investieren, ist man nicht in der Lage endlich mal Leute mit der Spielerfindung zu betreuen die so etwas können, geht es in die zweite Bundesliga. Da lege ich mich in diesen Vor-Weihnachtstagen fest.

Ich gehe dann schonmal die Offensichtlichen scouten. Der Gabentisch wird reich mit DVDs gedeckt sein in der SGE-Geschäftsstelle. Da werden sich Hölzenbein und Co. wieder bei Chips und Cola die Einsendungen der ganz Großen, von ihren Beratern zurecht geschnittenne Szenen ansehen. Am Ende holen die den Caio nochmal und würden nicht mal bemerken, dass sie den schonmal verpflichtet haben.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Nix da, Ausrutscher

  1. Herr Schnitzelmann

    Ich geb dir mal wieder Recht, im Ausreden finden sind die Frankfurter unangefochten Erster!
    Eigentlich hätten sämtliche Alarmglocken schrillen müssen, nachdem ein 4 Ligist (Illlertissen) es fast geschaft hätte uns aus dem Pokal zu kicken.
    Schon bei diesem „kick“ konnte man sehen, dass die Jungs keine Lust auf Ihre Arbeit haben. Wenn man dann auch noch 6:1 gegen einen Aufsteiger untergeht, spätestens dann hätte das ein Warnsignal sein müssen.
    Aber in Frankfurt werden 2 Niederlagen gegen Bayern u. BVB zu Siegen schöngeredet und alle in Verantwortung stehenden freuen sich, dass die Dummen wieder etwas haben, an das Sie glauben können. Was auch immer das sein soll, wenn man verliert.
    In der gesamten Hinrunde hat man es lediglich einmal geschafft, ein Team richtig zu beherrschen und das war beim Spiel gegen Bremen, die man ja eh in der eigenen Wahrnehmung längst sportlich abgehängt hat.
    Das die aber einige Punkte vor einem in der Tabelle stehen, das wird einfach wieder ignoriert.

    Ich sags nicht gern, aber die Selbstzufriedenheit und Arroganz von Herrn Veh und auch die seltsame Einfaufspolitik eines Bruno Hübner schlagen langsam aber sicher voll durch.
    Das Team findet immer neue Ausreden, warum nun wieder nicht gewonnen werden konnte, der Kader tut sein übriges, dass auch wirklich niemals frischer Wind reinkommt.

    Der Wille, ein Spiel zu gewinnen, ist einfach nicht da, und das gilt es zu ergründen. Man nehme das Beispiel FCA, die haben weisgott nicht bessere Fussballer in ihren Reihen, aber die haben einen verdammt guten Teamgeist u. eben diesen Willen Dreck zu fressen und den Gegener kaputt zu laufen – und das machen die dann auch Spiel für Spiel für Spiel für Spiel…mit erfolg mittlerweile!

    • Find dich damit ab: Kopfprobleme 😉 Was ich ja reichlich amüsant in diesem Zusammenhang finde, ist, dass Christoph Daum damals belächelt und an die Wand genagelt worden ist für sein Fabulieren über das dritte Bein. Jetzt ist ein ganz ähnliches Geschwätz (kritiklos hingenommene) Vereinsdoktrin.

      Illertrissen – du sprichst da etwas an. Ich erinnere mich an ein Pokalerstrundenspiel gegen Wilhelmshaven vor drei, vier Jahren. Damals haben wir uns in die nächste Runde gegraupt, beim Stand von 0:0 hat uns Wilhelsmhaven zwei Mal einen einschenken müssen, taten sie nicht. Da wurde mir damals schon ganz anders im Hinblick auf die bevorstehende Saison. Mir ging das bei dem Illertissen-Kick ähnlich. Dann die Episode in Berlin. Ich hätte es besser wissen müssen, damals hier schon trommeln sollen wie ein Irrer. Stattdessen habe ich mich eben von den Auftritten gegen noch nicht in Form befindliche Bayern und Dortmunder blenden lassen, habe diese Hoffnung, diesen Glauben auch kultiviert. Für was? Für einen Sieg gegen 10 Bremer und einen gegen ein Braunschweig, das jetzt erst peu a peu ankommt in der Liga, damals noch meilenweit weg war vom Rest (selbst von uns 😉

      Mich regt es tierisch auf, dass dieser Verein es wieder mal geschafft hat, das Fundament einzureißen. Da war Euphorie, Glaube, Zuversicht. Und dann kicken die sich selbstherrlich wieder in die nächste veritable Krise.

      • Herr Schnitzelmann

        ich hab ja schon damals geschrieben, dass ich glaube, dass es diese Saison mit Mühe und Not auf Platz 15 hinausläuft, das war allerdings aus der Hüfte geschossen… das man nun wirklich dorthin kommt steht nun allerdings in den Sternen! Es wird wohl nicht so sein, dass die 3 unter uns, uns noch lange den Gefallen tun, und weiter brav die Punkte dem Gegener schenken.
        D.h. wird man selber mal wieder ein Spiel gewinnen müssen. Ich hoffe das kommt so langsam mal in den Köpfen der Verantwortlichen an.
        Ohne Kampf u. bedingungslosen Siegeswille, so viel sollte klar sein, geht es auf jeden Fall wieder eine Etage nach unten.

        Man sollte die Winterpause also wirklich sehr sehr gut nutzen u. damit meine ich nicht diese unsäglichen Winterquatiere in Dubai, der Türkei oder sonst wo, sondern hier, im kalten Klima trainiern u. wieder am Spielsystem arbeiten.

  2. Bachelor of Disharmony

    Ich verfolge deine Beiträge ja schon seit Jahren (studiVZ Zeiten). Oftmals war ich der Meinung, dass Du zu sehr schwarz malst. Aber nach dem letzten Abstieg und dem tatenlosen zusehen, gebe ich dir meistens recht. Gerade jetzt. Die Parallelen sind offensichtlich, aber das einzige worüber geredet wird, ist eine Vertragsverlängerung von A.V. Ich mag ihn auch, aber ich weiß nicht ob er hier noch der Richtige ist. Allem voran seine Einwechselpolitik jeden Spieltag. Inwieweit Hübner ein Vorwurf bzgl. Einkaufspolitik zu machen ist, kann ich nur schwer beurteilen. Angeblich hat Veh ja genau die geholten Spieler gefordert. Das ein Flum und Rosenthal dermaßen unterirdisch spielen, war ja nicht vorauszusehen. Warum man ein Joselu holt, statt den deutschen Rooney (Lasogga) kann ich nicht nachvollziehen. Ich könnte jetzt hier noch zig weitere Beispiele anführen. Meine Angst ist nur, dieselbe wie bei Dir, es wird nicht gehandelt und am Ende geht’s so aus wie 2011.

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