Die Kandidaten

Uns wurde ja erklärt, dass so ein Abstieg aus der Bundesliga sehr teuer sei. 10 Millionen Euro waren es zuletzt mindestens, und da gings nach einem Jahr darben wieder hoch. Diesmal würden wir ziemlich sicher länger im Unterhaus verschwinden. Wer weiß, wie lange. Von daher lasse man das Geld-Gequatsche, das ich ja auch weiß Gott jahrelang unterstützt habe, dieses Mal bitte bei Seite. Kein negatives Eigenkapital etc. Es geht darum, ob man die Perspektive, eine mal angefangene Entwicklung aufrecht erhalten, ggf. in Bundesliga 1 ausgebenes Geld wieder verdienen kann. Schweinejahr überstehen, um es floskelhaft auszudrücken.

Das gesagt, anbei einige Kandidaten (aus der Bundesliga) für die verschiedenen Mannschaftsteile, wo Not herrscht – und die nicht zu den 13, 14, 15 Profis ihrer jeweiligen Vereine zählen, die am häufigsten eingesetzt werden. Vorab: Das ist nur eine schnell erstellte Übersicht über die augenscheinlichsten aller Profis. Das heißt keinesfalls, dass es a) die Besten, b) die von mir Gewünschen oder c) vom Verein beobachteten sind. Wobei, ich glaube fast, dass c) bei einigen zutreffen wird.

Offensive (Sturm und Außenbahn):

Luuk de Jong (Mönchengladbach)
Bas Dost (Wolfsburg)
Mohammed Abdealloue (Stuttgart)
Artjoms Rudnevs (Hamburg)
Peniel Mlapa (Mönchengladbach)
Robbie Kruse (Leverkusen)
Jan Schlaudraff (Hannover)
Christian Clemens (Schalke 04)
Chinedu Obasi (Schalke 04)
Dong-Won Ji (Ex-FC Augsburg, jetzt AFC Sunderlang)
Jo-Chol Koo (VfL Wolfsburg)

Defensive (Mittelfeld):

Gojko Kacar (Hamburg)
Robert Tesche (Hamburg)
Jan Kirchhoff (Bayern München) —> Update: Geht zu Schalke

Defensive (Linksverteidiger):

Michal Kadlec (Ex-Leverkusen)
Diego Contento (Bayern München)
Christian Molinaro (Stuttgart)
Sebastian Pocognoli (Hannover 96)
Konstantinos Stafylidis (Leverkusen)
Malik Fathi (Mainz 05)

——–

Die Frage wird sein, wie man sich für die Rückrunde und die Mission „Irgendwie-Klassenerhalt“ aufstellen mag. Fragen in der Offensive (außerhalb des AM14-Phänomens): Traut man dem lange verletzten und davor in so la la-Form befindlichen Stefan Aigner einen deutlichen Leistungssprung zu? Ist Takashi Inui außerhalb der Hyper-Form zwischen Augusut und November 2012 Hilfe oder in Normalform nicht viel mehr Last? Entpuppt sich Vaclav Kadlec etwa doch als Martin Fenin 2.0? Wie verlässlich ist die fleischgewordene Sport-Achterbahn Joselu, wo Srdjan Lakic keinerlei Zukunft haben wird? Ist Jan Rosenthal in der Lage, dauerhaft mehr als die Nummer 12 des Teams zu sein?

In meinen Augen ein wahrscheinlicher Kandidat für die Offensive – wenn man nur die Bundesligisten sieht –  ist Jan Schlaudraff, da dieser im Sturmzentrum, hinter dem Stürmer und auf der Außenbahn spielen kann. Also überall dort, wo es mächtig drückt. Davon abgesehen, dass man den vor Jahren schon mal an den Main locken wollte (was ich persönlich ja wehement ablehnte). Zudem tauchen stets die Koreaner Ji (eine Halbserie beim FC Augsburg) sowie Koo (ebenfalls Ex-Augsburg, jetzt wieder Wolfsburg) in der Gerüchteküche auf. Abgesehen von der Frage, ob sie wirklich ad hoc weiterhelfen würden, sind auch größere/erfolgreichere Vereine wie Dortmund oder Mainz offenbar an denen interessiert. Schwerlich zu realisieren, dementsprechend.

In der Defensive sind die Fragen und qualitativen Nöte noch offenkundiger: Während man Constant Djakpa monatelang verschmähte und ihm eine Rolle aus Stammspieler nicht zutraut, ist Bastian Oczipka seit mittlerweile rund einem Jahr (!) ein Ärgernis. Er profitiert von einem famosen Vierteljahr zwischen August und November 2012 – seitdem ist sogar statistisch belegbar kaum noch etwas gekommen.: Am 5. Spieltag gegen Werder Bremen bereite er sein einziges Tor der Saison vor, davor am 27. Spieltag gegen Fürth, davor am 19. Spieltag gegen Hoffenheim. Drei Torvorlagen in fast einem Jahr – da wackelt die These der Offensivgefahr aber gehörig.

Auf der Linksverteidigerposition ist also drigender Handlungsbedarf. Dort ist die Auswahl von Spielern, die einem sofort weiterhelfen und/oder bezahlbar (Leihe) sein könnten, gering. Konstantions Stafylidis ist ein Unbekannter, aber die Frankfurt-Leverkusen-Deals waren selten die Schlechtesten. Molinaro, der in Stuttgart nicht mit ins Wintertrainingslager reist und von dem sich die Schwaben trennen wollen, kann an guten Tagen eine Verstärkung sein, meistens ist er ein Sicherheitsrisiko. Contento wird, obwohl er quasi nie spielt, nicht von Frankfurt zu überzeugen sein (Pep-Faktor) und Malik Fathi ist eben Mali Fathi. Bleibt der Belgier Sebastien Pocognoli (Hannover 96), der wohl von seinem Verein einen Wechsel nahegelegt bekommen hat. Spielte 13 Mal in der aktuellen Saison, so lala. Diese Kaderstelle könnte wohl eher von einem Spieler besetzt werden, der aus einer anderen Fußballliga, aus dem Ausland stammt – und zwar (ginge es nach mir) Michal Kadlec, der Ex-Leverkusener und jetzige Bankdrücker von Fenerbahce Istanbul. 128 von 170 möglichen Bundesligaspielen absolvierte er zwischen 2008 und 2013, acht Tore (als Linksverteidiger) und vor allem ein guter Freistoßschütze.

Einer, der a) die Qualität und b) Standards kann ist Michal Kadlec, der Ex-Leverkusener (Infos: http://www.transfermarkt.de/de/michal-kadlec/profil/spieler_21042.html ). Der Linksverteidiger spielt bei Fenerbahce Istanbul so gut wie gar nicht und ist zuletzt mehrfach in Verbindung gebracht worden mit Bundesligisten (Suttgart, Bremen, auch Dortmund)

Zurück zur Verteidigung: Mit Zambrano, Anderson und Russ stehen drei Innenverteidiger im Kader, die allesamt ihre Sache soweit ordentlich gemacht haben in der Hinrunde – und das war bisweilen weiß Gott nicht leicht angesichts der 0-Torgefahr, des Dauerdrucks auf die Defensive. Rein hierachisch wäre es so gut wie unmöglich, einen vierten guten Innenverteidiger nach Frankfurt zu locken. Am Stammduo Zambrano/Anderson gibt es im Normalfall kein Vorbekommen und dass Marco Russ mehr als nur Notnagel ist, sogar eine Art Kampf-Retter, ist spätestens seit dem Leverkusenspiel jedem klar. Womit also die potentielle Nummer 4 locken? Da wird man im Fall eines Falles wieder auf den – allerdings sichtbar und extrem wackelnden – Marc-Oliver Kempf setzen (müssen).

Bleibt der zentrale Defensivbereich im Mittelfeld. Da wird Gojko Kacar, an dem man schon zwei drei Mal dran war, auf der Liste stehen falls man sich entscheidet, auf der Sechserposition zu handeln (immerhin kann der sich gut verletzten, selten bis nie spielen … in Frankfurt eine Schlüsselqualifikation). Jan Kirchhoff, den Ex-Mainzer, der eigentlich sogar eher Innenverteidiger ist, wechselt zu Schalke. Wobei ein Transfer auf dieser Position nach Genesung von Schwegler unwahrscheinlich ist, angesichts der prinzipiellen Personaldichte in der defensiven Zentrale (Schwegler, Rode, Flum, Lanig, Bakalorz). Sollte man – was höchst unwahrscheinlich ist – Rode in der Winterpause noch zu Geld machen wollen (Vertrag liefe aus zum Saisonende, also ablösefrei), würde man vermutlich eher im U23-Segment nach einem Ersatzmann schauen. PS: Marc Stendera kehrt zudem nach Kreuzbandriss zurück, ein junger Mann, der im Mittelfeld zentral, wenn auch offensiver spielt. Ergo: Für die 6 wird nicht eingekauft werden, es wäre sogar völlig absurd, dort das Geld zu investieren.

Ein persönliches Wort zum Schluss: Bei manchem Namen in der oben stehenden Liste schmerzte mir übrigens schon beim tippen die Hand.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

2 Antworten zu “Die Kandidaten

  1. Herr Schnitzelmann

    Björn, du setzt die Scouting-Abteilung der Eintracht aber gehörig unter Druck! Die haben doch noch gar nicht begonnen, sich auch nur umzusehen.
    Und überhaupt, man wartet doch eh immer erstmal ab, bis alle guten einen Verein gefunden haben und dann, erst dann schaut man mal, was noch so übrig ist! Das hat Tradition, dass drückt die Preise, das ist wichtig, Geiz ist Geil, auch bei der Eintracht. Lieber 5 Pflunzen für lau als 2 Gute für Geld!!!
    Dann kann man auch hinterher wieder schön die Leier vom kleinen Verein, der ja soooo arm ist und überhaupt keine Möglichkeiten hat, mal nen Guten zu verpflichten, weil alle anderen ja immer viel viel mehr Geld böten und somit die Eintracht ja auch gar keine Chance niemals nicht hat, auch nur im Ansatz nen Guten zu bekommen. Das aber wirklich alle anderen Vereine einfach nur ein um Welten besseres Scouting haben als die Eintracht, dass blendet man wieder gekonnt aus.

    Spass bei Seite: Die beiden Koreaner die letzte Rückrunde bei Augsburg gekickt haben, sind beide maßgeblich an der Superrückrunde des FCA beteiligt gewesen. Wenn man da einen haben könnte, dann bitte zugreifen.
    Super wäre natürlich auch ein Contento, aber die Bank-Bayernspieler haben alle das gleiche Problem, die wollen lieber für viel Geld auf der Bank sitzen als für weniger Geld Fussballspielen.

    Und mal ehrlich, wenn man Seppl jetzt noch zu Geld machen könnte, dann bitte machen!!!

    Michal Kadlec, Konstantinos Stafylidis u. Robbie Kruse wären noch interessant, aber ansonsten ist die Liste, die du zusammengestellt hat ein Who is Who der Versager und alternden Veteranen, von denen ich wirklich nicht wünsche, dass einer nach Frankfurt kommt.
    So wie ich aber das Scouting der Eintracht einschätze, wird man nicht mal so viele Namen auf dem Zettel haben u. folglich wir halt der Rest der Hoffenheimer Resterampe noch auf Leihbasis verpflichtet, da sich der Armin diese Spieler allesamt gewünscht hat, ne is klar!

    • Scouting-Abteilung? Du meinst das Stallgeruchs-Gespann Hölzenbein/Weber? Da setze ich in der Tat keine Hoffnungen rein. Zu Sportplätzen fahren, Bratwurst und Schnittchen essen, mit den ewig gleichen Gesichtern Schwätzchen halten um dann ergebnislos heimzukehren – und wenn einer verpflichtet wird, krepiert er im Rohr. Nach maximal einem Dutzend guter Spiele (siehe Inui).

      Ich frage mich ernsthaft, wie amateurhaft man da in Frankfurt „arbeitet“. Anderswo zaubern die Vereine Nonames aus dem Hut – gerne auch aus der eigenen Jugend (angeblich haben wir ja so eine moderne Talentschmiede) – und irgendein Zweibeiner, den keiner auf der Rechnung hatte, packt den Sprung in die Stammelf. Wie hießen diese drei Granden doch gleich, die vor rund drei Jahren als Zukunftshoffnungen in den Profikader gespült wurden? Hien, Wille und Dudda? Yo. U23. Reifeprozess. Regionalliga. Da werden die aber geformt, mein lieber Mann!

      In Frankfurt arbeitet man konsequent die Liste der Ausgemusterten von Mittelklassevereinen akribisch ab. Hoppenheimer Resterampe, Wolfsburger Wühltisch, Leverkusener Leihwaren. Alternativ zur Jugendabteilung eine (Halb)Granate irgendwo zwischen Tundra und Tiber aufzutreiben, scheint unmöglich. Für mich wirkt das in Frankfurt wie Ehrenamt auf manchen Ebenen. Guter Wille? Ja. Bemühen? Ja. Qualität? Nein. Und die Quittung für die Schwächen im sportlichen Gestaltungs- und Entwicklungsbereich ist eben das Label der zu gut für die 2., zu schlecht für die 1. Liga-Mannschaft.

      Bin gespannt, welche zwei Neuen wir im Januar präsentiert bekommen. Ich könnte fast drauf wetten, dass einer wie Michal Kadlec es nicht sein wird. Zu teuer. Und wir eh chancenlos. Vielleicht gibts ja noch einen Freiburger? 😉

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s