Monatsarchiv: Januar 2014

Wumpe

Da wurde uns der Kopf nochmal aus der Schlinge gezogen. Das Freitagsspiel dieser anderen Keller-Eintracht gegen Dortmund war eines, wo Braunschweig ohne Weiteres einen Punkt hätte holen können, nein, müssen. Sie waren lange die bessere Mannschaft, hätten drei, vier Tore machen können. Ebenso wie Dortmund in der stärksten Phase. So oder so: In einer Woche, wenn es zum Duell in Frankfurt kommt, steht da eine andere Braunschweiger Mannschaft auf dem Rasen als in der Hinserie.

Alleine dieser Havard Nielsen, frech und flink, wird dafür sorgen, dass bei manchem Frankfurter die Alarmsirenen klingeln. Ich befürchte das jetzt einfach mal. Der Typ hat gegen Dortmund ganz stark gespielt – und keine Flum-Kadlec-Rosenthal Millionen gekostet. Nunja, auch der muss das erstmal ein paar Spiele halten, diese Form. Jedenfalls reift in mir schon jetzt wieder der Opportunismus, auch zu den Truppen zu halten, die ich so gar nicht abkann, wenn es unserer Eintracht dienlich ist. Immer dieses nach-unten-Geschaue, diese permanente Anspannung. Würden die doch mal dafür sorgen, nicht immer gerade so im Milimeterbereich über dem Wasser zu bleiben (oder meterweit drin zu stecken) … Meine Nerven, ich werd doch nicht jünger, Leute!

Bevor ich es vergesse: Das Bayernspiel am Sonntag ist mir recht wumpe. Das gibt im Normalfall ein gepflegtes 0:2, 0:3 und keiner wirds merken. Wobei, eintrachtesk wäre ja ein ärgerliches 1:2 oder ein 0:5 Debakel. Irgendetwas, wo man sich dann doch wieder tagelang totärgern können wird.

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Bastion Bastian

Aller Erleichterung nach dem Heimerfolg gegen Berlinzum Trotz, sollte niemand die Unzulänglichkeiten im Spiel der Eintracht wegwischen. Da war wirklich wenig, nach vorne sah das hinrunde’sk, also schlimm aus. Aus der Zentrale kam nichts, die Flügel lagen brach. Und da das so ist, verwundert die Aussage von Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner, keinen Transfer mehr zu tätigen in der Winterpause.

Gut, dass die Verbindlichkeit von dessen Aussagen gen null tendiert, haben wir in der Vergangenheit  bemerkt. Nimmt man die Ankündigung aber mal für bare Münze, kommt man doch (wieder mal) ins grübeln. War das etwa so etwas wie eine Leistung, die Takashi Inui da im linken Mittelfeld fabriziert hat? Schmiss Stephan Schröck plötzlich den Offensivmotor an? Ist Stefan Aigner positiv aufgefallen? Konnte Tranquillo Barnetta seit seinen ersten zwei, drei Spielen überzeugen? Ist Vaclav Kadlec nicht schon im Sturm überfordert genug? Kurzum: Kann man nicht zum Fazit gelangen, dass alle (potentiellen) Flügelspieler im Kader dem Team nicht helfen? Es ist doch schon bezeichnend genug, dass Jan Rosenthal, der zwar lief wie ein Irrer, aber auch abermals Pässe spielte wie ein Sebastian Rode, zuletzt noch der tauglichste auf der Außenbahn war.

Klar, es ist legitim die Hoffnung zu haben, dass zumindest Stefan Aigner sich wieder an eine Normalform herantastet. Dann wäre die rechte Seite – so er denn gesund bleibt – erstmal runter vom Baustellen-Plan. Doch links hat man die Wahl zwischen dem Sicherheitsirikos Larifari-Inui, Fehlpass-König Rosenthal, Mitläufer Barnetta und dem gleichsam positionsfremden wie  formschwachen Kadlec. Das sind nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine Mannschaft, die um ihr Überleben in der Bundesliga kickt. Denn diese Analyse ist gleichbedeutend damit, dass man quasi mit neun anstatt zehn Feldspielern agiert.

Es gibt eine alternative Variante, wenn man sich schon nicht zum Kauf eines neuen Linksfußes in In- und Ausland entscheidet: Bastian Oczipka zu stellen, und zwar vor Constant Djakpa, der aber auch erstmal eine Halbserie, ach was, eine Halb-Halbserie unfallfrei hinlegen (woran man zweifeln darf/sollte). Doch selbst wenn man sich auf dem Reißbrett für diese Möglichkeit entscheidet, das eine Idee des Trainers gewesen sein sollte – Oczipka ist verletzt, würde nach Genesung auch noch ein paar Wochen brauchen bis zur Formfindung (und eben diese Form ist bei ihm ja seit zwölf Monaten vollends dahin, um meine These von „der hat eine Weile einmalig und extrem weit über seine Verhältnisse gespielt“ nicht wiederholen zu müssen).

Und Wochen hat die Eintracht eben nicht. 18 Spieltage sind vorbei, das Bergfest ist vorüber, und spätestens wenn der Horror-Spielplan im Februar vorüber ist und die Tabelle Frankfurt auf einem Abstiegsplatz führen sollte, ist das mit der Ruhe und dem Zeit lassen, das mit der Formfindung vorüber. Wobei auch das wieder theoretisches Gewäsch ist: Gewinnt man gegen Braunschweig nicht, wird es mitunter perspektivisch finsterer als dass das Fußballspiel eines Inui, Oczipka oder wem auch immer überhaupt aussehen kann.

Zurück zu den angeschlossenen Sendeanstalten.

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Eingrooven für die Pep-Show

Da zuckte mein linkes Augenlid gestern kurz, als der Name Marco Caliguri in der Transfergerüchte-Küche aufploppte. Das war dann wieder einer dieser zuletzt häufig erläuterten Kopfschüttel-Momente, die mir bei der Eintracht-Einkaufspolitik zu häufig vorkommen. Caliguri, ewig bei Mainz zwischen mitlaufend und ganz gut dabei gewesen, dann die starke Saison, der Wechsel zu – na wem wohl? – Wolfsburg. Von dort, wo der Mann nicht wirklich Stammspieler ist, bedient man sich als Eintracht Frankfurt ja wahrlich immer wieder gerne. Nun gut, es hat nicht sollen sein mit dem nächsten Transfer der Kategorie Kicker-Sonderheft – aber die Personalie ist doch aufschlussreich, immerhin bestätigte die Eintracht ja das Interesse, aber die Kosten sind dann mal wieder der Knackpunkt …

Wir wissen jedenfalls immer mehr, in welcher Spielerkategorie wir uns künfig finanziell (nicht) herumgerüchten dürfen. Leute der Kategorie Koo / Caliguri – Bank- und Tribünendrücker im Bereich von Ablösesummen +/- 2 bis 3 Mio. Euro – können wir vergessen, die sind offenbar unerschwinglich. Es bleiben uns die aufgeblähten Kader der Investorenklubs, die Trainingsgruppen II bis III von manchem Bundesligisten und Kicker aus dem Vertragslosen-Camp des VdV. Manchmal schickt es noch für einen Leihvertrag von One-hit-wondern. Der Fairness halber: Angeblich war man schon vor Sommer, wo er dann den Millionenvertrag in Wolfsburg unterschied, an Caliguri interessiert.

Und weil das alles so schwierig zu realisieren ist mit den Transfers, fragt man sich umso mehr, wieso man a) nicht massiv auf die paar Jugendspieler setzt, die man hat (Vermutung: Die sind einfach wirklich viel schlechter als ihre Altersgenossen anderswo) und/oder b) nicht in der 2. / 3. Liga bzw. Ausland sucht/findet (Vermutung: Man ist dazu nicht professionell genug aufgestellt, wie der dann doch maue Kadlec-Transfer einmal mehr beweist).

Nun gut, ich habe mich in den vergangenen Monaten zu häufig zu dem Thema ausgelassen, die Analyse und Essenz bleibt dieselbe. Am Ende ist das alles sowieso strukturelles, theoretisches Geschwätz, das mit dem Spiel Fußball selbst erstmal nichts zutun hat. Auch Eintracht Frankfurt beginnt gegen Bayern München und alle anderen bei 0:0 und hat 90 Minuten Zeit, etwas mit dem Leder anzufangen. Das es einfach wird, hat nie jemand behauptet. Aber es ist eben nicht per Naturgesetz unmöglich, etwas mitzunehmen.

Sollte es dann nach 10 Minuten 1:0 für München stehen, ist der Käse früh genug gegessen – er muss es ja aber noch nicht vor dem Anstoss sein. Trotzdem: Zambrano und Schwegler sollte man im Hinblick auf das Heimspiel gegen Braunschweig schonen, nicht Rode – der muss sich ja ohnehin eingrooven für die Pep-Show ab Juli 2014.

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Die ewigen Stützen

Im schnelllebigen und von Wanderarbeitern geprägten Fußballgeschäft sind Spieler wie Alexander Meier und Marco Russ schon alleine wegen ihrer langen Vereinszugehörigkeit außergewöhnlich. Meier spielt seit zehn Jahren, Russ – mit kurzer Unterbrechung – fast genauso lange für Eintracht Frankfurt.

Sie stammen aus der Kein-Geld-Epoche Eintracht Frankfurts, aus der Friedhelm Funkel Fußballschule. Wie keine anderen Spieler stehen Meier und Russ Pate für das Eintracht Frankfurt nach den 90ern. Sie repräsentieren jene Generation, welche die anfangs heiteren, später immer grauenvolleren Jahre des Vereins miterlebt haben, die Kummer als selbstverständlichen Teil des Frankfurtfanseins begriffen haben. Das, die Unvollkommenheit, das ewige Damoklesschwert ist so etwas wie der Markenkern geworden. Das trotzige Selbstverständnis, lieber mit so einem geplagten und geschundenen Klub zu leiden, als mit sonnenscheinverwöhnten Vereinen zu feiern – das könne ja jeder, dazu bedürfe es keiner Leidensfähigkeit, keiner wöchentliche Liebesbeweise. Beweise, wie bei Grottenkicks und minus 2 Grad im Stadion zu bleiben um diesen Funken Erfolg, diesen ersehnten Etappensieg mitzuleisten. Jeder auf seine Weise: Schweigend und zitternd oder brüllend und fiebernd.

Und so stellt sich dann auch die Frage, ob es Zufall ist, dass Alexander Meier und Marco Russ die Spieler von Eintracht Frankfurt sind, die den Karren aus dem Dreck zogen – und schon seit geraumer Zeit ziehen, Alex Meier zumal. Den Dreck darf man als Begriff ruhig weiter fassen, im Sinne von wer prägt das Spiel, wer bringt die Qualität, den Unterschied ins Spiel? Über Alexander Meier, der von allen Fans – bis auf die Fundamental-Verbitterten – seit zwei Jahren zurecht „Fußballgott“ gerufen wird, muss man kaum mehr sprechen. Er ist der Anthony Jay-Jay Bein der Post-2000-Eintracht.

Es lohnt sich aber über Marco Russ zu sprechen. Der Hanauer Verteidiger ist und wird gerne belächelt, es wird gerne auf seine technischen Schwächen (der Mann geht an die 1,90 Meter!) verwiesen, gewitzelt über die Starksigkeit. Doch so peu a peu dämmert es auch den Kritikern, dass es ohne diesen Mann, genau diesen, richtig finster aussehen würde. Da darf man das Berlinspiel nennen, da muss man seine wochenlange Aushilfstätigkeit als Schwegler-Ersatz im Mittelfeld nenne – denn die löste er gut, stellte den hochgelobten Sebastian Rode leistungstechisch oft in den Schatten.

Russ ist einer, der die klaren Worte wählt. Er ist keine Floskelmaschine, er ist vielmehr ein Pirmin Schwegler ohne Kapitänsbinde. Das Ying zum Yang, das Grobe gegen die feine Klinge. Das bereichert diese Mannschaft. Sie braucht so Typen, die nicht zurückstecken, die geil auf den Zweikampf sind, die dazwischengehen. Ein Zeichensetzer ist Russ – und ein Zeichensetzer ist Alex Meier. Sie sind die Stützen von Eintracht Frankfurt. Heute, damals. Das sagt mehr über die Einkaufspolitik des Vereins aus, als alle Statistiken und Beurteilungen zusammen.

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Kein Befreiungsschlag

Als es dann geschafft, irgendwie das 1:0 über die Ziellinie gewürgt war, nach Abpfiff, irgendwo zwischen Hexenhäuschen und Gitarrist, habe ich eine Wette abgeschlossen. Irgendjemand würde am Montag, respektive Sonntag die Evergreen-Zeile „Aufstand der Kellerkinder“ dichten. Jener eine Spieltag pro Saison, an welchem die Abstiegskandidaten der Belle Etage der Bundesliga die Punkte streitig machen – ihn gibt es immer, und die Zusammenfassung des Geschehenen resultiert immer in so einer Überschrift.

Jedoch: Was wie David-gegen-Goliath-Charme anmutet, ist aus Sicht von Eintracht Frankfurt einfach nur kacke gelaufen. Sicher, man hat den Heimfluch verjagt. Man hat ein Schmutzspiel gewonnen. Vor allem hat man mit diesen drei Punkten niemanden an sich vorbeiziehen lassen, hat aus einem Mini-Vorsprung keinen Rückstand werden lassen – das war überlebenswichtig. Denn zwischen 15.30 Uhr und 18.30 Uhr sah es wahrlich finster aus für Frankfurt. Da ging alles schief, was nur schiefgehen konnte. Nürnberg knallt Hoffenheim ab, Freiburg drückt dem Tabellenzweiten Leverkusen die Niederlage rein, Hannover siegt in Wolfsburg. Schlimmer hätte die Ausgangslage nicht sein können vor Anpfiff im Stadtwald. Und die Spieler werden das gewusst haben. So abgeschottet, so sehr im Tunnelmodus kann man gar nicht sein.

Dennoch: Die Hoffnung, die Rechnung vor dem Spieltag war, das man selbst gewönne und zumindest Freiburg 0 Punkte holt. Plötzlich hätte man dieses eine Freischuss-Spiel in München gehabt, das ohne tabellarische Konsequenz geblieben wäre. Das ist perdu, schiefgegangen.

Trotzdem bürdet das der SGE nicht auf, bei den Bayern etwas holen zu müssen. Im Gegenteil, es stellt sich viel mehr die Frage, ob man die Gelbsperre-Gefärdeten Zambrano, Schwegler und Rode nicht draußen lassen sollte um sie für das Heimspiel gegen Braunschweig garantiert dabei zu haben. Denn dann geht es um was, da ist dann so richtig Musik drin – wobei das ohnehin die gesamte Rückrunde so sein wird. Aber gegen Braunschweig geht es eben um friss oder stirb, für beide.

Beunruhigend ist trotz des Sieges die Tatsache, dass man keine Verbesserung in der Spielanlage erkennen konnte. Das Offensivspiel war keinen Deut besser als in 2013, gerade das Mittelfeld fand überhaupt nicht statt, weder zentral noch auf den Außenbahnen. Defensiv war das in Ordnung, war das gut – aber trotz der anderslautenden Einschätzungen von Armin Veh und Co. erschien mir die Abwehr nie das Hauptproblem zu sein. Die stand eben ständig unter Druck, weil nach vorne nichts ging. So war es die meiste Zeit am Samstagabend ja auch. Die Berliner Ungenauigkeit im Aufbauspiel war es, die diesen Eitnracht-Sieg maßgeblich möglich machte. Dafür muss sich niemand entschuldigen. Aber ein Befreiungsschlag war das so gar nicht – weder tabellarisch noch optisch.

Immerhin der Sonntag lief wie gemalt für die Eintracht. Vielleicht, aber auch nur vielleicht gelang die Wende ja irgendwann zwischen Samstagabend 19 Uhr und Sonntag 19 Uhr. Da schlug das Pendel erstmals wieder spürbar zugunsten Frankfurts aus.

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