Ein Hauch von Strategie

Jetzt, nach den Erschütterungen der vergangenen Tage, ploppen die Namen auf, die bei der Eintracht für den Sturm in Frage kommen. Peniel Mlapa hält sich hartnäckig. Cacau ist ins Spiel gebracht worden. Der Eine ein verglühtes Talent mit Treterqualitäten (wir erinnern uns an Maik Franz), der andere dauerverletzter Über-den-Zenitler. Aber: Armin Veh kennt den Cacau. Das ist ja heute beim für Transfers das Notizblock durchblättern offenbar das entscheidende Kriterium. Allerdings dürfte der Brasilia…´tschuldigung, deutsche Ex-Nationalspieler unbezahlbar sein für die Abstiegs-und-dann- Europa-Eintracht, so rein gehaltstechnisch. Bei Mlapa passt das finanziell schon eher. Das Sportliche mal außen vor gelassen (das haben wir ja in der Wintertransferperiode auch konsequent so durchgezogen): Kennt ein Veh denn einen Mlapa? Wie schwer das wohl wiegt?

Nun gut, jetzt legen wir uns mal schaumgebremst hin und therapieren uns selbst. Nach dem Motto „ruhig weiterarbeiten“ und „Ergebniskrise“  versuchen wir mal die Strategie hinter den Neuzugängen Madlung / Weis zu entlarven. Es könnte sich durchaus so verhalten, dass die Eintracht auf diesen beiden Positionen Spieler verlassen werden. Dementsprechend verpflichtete man Leute, die künftige Löcher stopfen sollen, die die Ersatz-Lückenbüßer geben. Zwei Spieler würden in diesem Szenario den Verein verlassen: Marc-Oliver Kempf (18, eigene Jugend) und Marvin Bakalorz (24, Ex-BVB-U23). Zwei Spieler also, die einem vor kürzester Zeit noch als Top-Talente verkauft worden sind. Nun: Gewogen, für zu leicht befunden. Also werden zwei Perspektivspieler von unter 23 gegebenenfalls durch einen 31- und einen 28-Jährigen ersetzt – für wie lange/dauerhaft auch immer.

Das ruft einem doch gleich wieder Armin Kraaz, Leiter der Jugendabteilung des Vereins in den Sinn, der erst vor wenigen Monaten davon sprach, dass man die erste Garde der Jugendspieler gar nicht in Frankfurt halten könne. Wie ich damals schon urteilte, bedeutet das nichts anderes, als dass man offenbar bestenfalls die zweite, wohl eher die dritte Talente-Garnitur bei der Eintracht ausbildet und ggf., in Richtung Profis schicken kann. Die causa Kempf, sofern dieser wechselt – und bei Madlungs Vertrag bis 2015 ist das wahrlich kein sureales Szenario – , ist jedenfalls das neueste Indiz für diese These. Wie sonst will man erklären, dass aus dem Jugendbereich kein Spieler eine realistische Chance überhaupt erhält?Und wenn, aus der Not geboren, diese Spieler dann so viel mauer auftreten als ihre Generations-Genossen in anderen Vereinen? Was läuft da schief? Ein 18-Jähriger aus Frankfurt ist doch nicht naturgemäß nervöser und wackeliger als ein 18-Jähriger etwa aus Hamburg. Ich will von Dortmund gar nicht reden. Bis heute findet man im offiziellen Eintrachtprofikader Namen wie Wille oder Hien. Dudda. Kempf. Dazu noch Kittel, bei dem man zumindest die schweren Verletzungen als einen Hinderungsgrund ausmachen kann. Doch seit gestern wissen wir auch um die Sorgen, Ängste und den Umgang mit Luca Waldschmidt, dem nächsten angeblich so talentierten Überflieger.

Wie wollen wir als Eintracht-Fans mit dem Fakt umegen, dass in Frankfurt Spieler um Spieler verpflichtet wird, 35 Profis in zweieinhalb Jahren? Vor allem in Bezug darauf, dass unter diesen Neuzugängen viel Breite, wenig Klasse, kaum Perspektive, schon gar keine regionale Verflochtenheit vorhanden ist? Wie soll man als leidenschaftlicher Eintracht-Fan und Ein-bisschen-Fußballkenner jenen Leuten zujubeln, ihnen das Geforderte zutrauen, die man bis zum Tag des Transfers noch für die größten Trümmerlotten weit und breit hielt? Alles vergessen, wegwischen, weil sie jetzt schwarz-rot tragen? Weil man treu ergeben jede Kröte schlucken muss, das sich als Fan so gehört? Das muss jeder für sich beantworten und jeder muss seine Schlüsse aus Entwicklungen ziehen. Mir fällt das, mir fällt das Mittragen dieses Kurses schwer.

Man mag geteilter Auffassung über das sein, was transfertechnisch passiert ist, passiert und passieren muss. Die einen erkennen keinen Plan hinter dem, was personell geschieht, die anderen rücken die Not des Abstiegskampfs ins Zentrum der Rechtfertigung. Dass die Not extrem ist – und das dürfte Konsens sein – das erkennt man an den zwei bisher namentlich bekannten Transfers. Immerhin sind das Spieler, für die man nicht zwingend die Winterpause hätte abwarten müssen. Madlung war vertragslos, bei Weis – TSG-Trainingsgruppe II – hätten sich ziemlich sicher auch Vertragswege gefunden. Jedenfalls ist auch das ein Hinweis darauf, dass noch jemand, dann vielleicht mal einer „der uns sofort hilft“ (Armin Veh) verpflichtet wird. Was Peniel Mlapa ausschließen würde. Und was ihn deshalb zu einem der Transfer-Favoriten macht, würden böse Zungen schreiben.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Ein Hauch von Strategie

  1. Cexaldor

    Wie ich gerade gelesen habe sei Transfer des Koreaners Dong-Wong Ji nicht möglich gewesen aus welchem Grund weil WAHRSCHEINLCIH man sich gesagt hat der kostet zu viel und er hat ja mit Veh noch nicht zusammen gearbeitet also lassen wir es obwohl es WAHRSCHEINLICh gebracht hätte aber das ist ja nur meine Meinung.

  2. Cexaldor

    Ich sehe das ähnlich wenn man auf Masse anstatt auf Qualität setzt kauft man doppelt oder dreifach dann haste dein Geld effektiv zum Fenster raus geworfen also wenn wir so weiter machen sind wir in 2 Jahren ein etablierter 2.Liga Verein für den es eine Sensation ist wenn er mal wieder den Aufstieg packt.

    • Dass man als BuLi-Mittelklasseverein – wenn wir das denn überhaupt wirklich sind – auch einige gute, solide, verlässliche Spieler braucht, ist ja unbenommen. Aber so ganz ohne die zwei, drei Stützen ist es eben gerade offensiv nicht möglich, voran zu kommen. Alex Meier – danach gibt es im Vorwärtsgang nichts weit und breit. Defensiv ist einiges ja in Ordnung, da habe ich bspw. mit Jung/Bamba/Zambrano sowie Trapp im Tor keine Sorgen. Schwegler ist ein guter Abfangjäger, auch Rode kann Zerstören zumindest gut. Aber mit den fünf, sechs Leuten hinten gewinnst du eben halt nur mal dieses eine von zehn Spielen, weil sie es sind, die ein Ergebnis über die Zeit mogeln. Aber das ist keine Dauerlösung. Doch dafür braucht es eben offensive Rädchen – und an denen mangelt es. Daran ändern Madlung und Weis gar nichts, rein positionstechnisch schon nicht.

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