Noten für die Sängerknaben

Katar wird eine Winter-Weltmeisterschafts-Lachnummer, Thomas Hitzelsberger outet sich als schwul und die Eintracht jetet zum Trainingslager nach Arabien – ist das nicht eine schöne Themenklammer? Einmal von Arabien über Homsexuelle zurück nach Arabien, und das an nur einem Tag.

Nun gut, jetzt hat man ihn also, seinen Prominenten, der den Fußball in puncto Toleranz revolutinert haben wird. Ob das indes wirklich so kommt, ob so ein Schritt an der Vorurteils-Realität am Kreisligasonntag, wenn der 1. FC Hinterheuchelshausen beim SC Bananenheim antritt, etwas ändern wird? In Zeiten, in denen jeder öffentlich vorgibt um den Stellenwert von Migration, von Völkerverständigung, von Toleranz und Akzeptanz zu wissen, aber in Provinz wie Großstadt weiter über Ausländer gehetzt, Parteien mit Stichworten wie Armutseinwanderung, Ehrenmord und Co. ungestraft davon kommen können, darf an einer Hitz-The-Hammer-Wirkung gezweifelt werden. Es ist die Schere zwischen Öffentlichkeitsrealität und dem, was in den Köpfen von Otto-Normal-Menschen vorgeht. Diese Behauptung wage ich einfach mal, womit der politisch-gesellschaftliche Blog-Komplex auch geschlossen wäre.

Denn für den Fan ist dieser Tage viel wichtiger, wie das mit dem Abstiegskampf so ausgehen wird in Frankfurt. Die „Frankfurter Rundschau“ wagt in diesem Kommentar die These, dass man aus temporären Strategie-Änderungsgründen sich der Kampfwaffen der Bundesliga bedient hat. Überspitzt ausgedrückt: Man verpflichtet für ein paar Monate Kerle mit Eiern als Scharfmacher für eine Sängerknaben-Truppe. Das die Transfers diesen Sinn haben und daher Sinn machen, kann man so sehen.

Allerdings fußt es auf einem Missverständnis, von einem nun erkannten und nun nötig werdenden veränderten Fußball-Konzept – mehr Kampf, weniger Spielerisches – auszugehen. Denn die Eintracht spielt schon seit spätestens Anfang 2013 nicht mehr jene feine, aber eben gleichsam brachiale Klinge wie im Anfangsvierteljahr nach dem Aufstieg. Man sollte mittlerweile endlich mal erkannt haben, was Ausnahme und was Regel ist bei der schwarz-roten Sportgemeinde. Einem Dutzend Spiele der Kategorie „weit über den Verhältnissen“ stehen mehr als zwei Dutzend maue(re) Auftritt gegenüber. Starke 30 Halbserien-Punkte stehen erst passablen 21, nun 15 Punkten gegenüber.

Von daher, und hier ändere ich die These aus dem FR-Kommentar, ändert man durch die besagten Transfers nicht seine schon lange beerdigte Philosophie, holt Spieler, die etwas können, das andere nicht können. Vielmehr verpflichtet man Halb-Klone von Akteuren, die man schon im Kader hat: Tobias Weis als Sebastian Rode mit Nebenposition auf der rechten, statt der linken Außenbahn und Alexander Madlung als (schwache) Innenverteidiger-Kopie von Marco Russ.

Wenn’s hilft. Ich bin jedenfalls uneitel genug um bei einem geglückten Klassenerhalt allen, die ich hier kritisiere, hart anfasse, zuzujubeln und meine Irrtümer einzugestehen. Tue ich sogar gerne jetzt schon, wenn mir jemand garantiert, dass Eintracht Frankfurt in der ersten Bundesliga bleibt.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Noten für die Sängerknaben

  1. Rick

    Ein Funke Hoffnung und mal fernab von Details:

    Das einzige Positive ist, wenn wir schon mit 2.Liga würdigem Spielermaterial anfangen, dass unsere direkten Abstiegskonkurrenten auch nicht gerade den Anschein erwecken, dass sie die Lage absolut im Griff haben. Nürnberg verpflichtet einen Low-cost Kadlec und redet sich (ausgenommen Verbeek – „Die Truppe ist gut genug“) selber schlecht, Freiburg ist grundsätzlich der Meinung, dass die Bundesliga zu stark für sie ist und Braunschweig meldet sich zu dem Thema lieber gar nicht zu Wort…

    Im direkten Vergleich ist unser Kader mit Sicherheit nicht schlechter als der jeweilige Kader der oben genannten Vereine und somit geht es letztenendlich nur darum den minimalen Punktevorsprung zu verteidigen gegenüber diesen 3 Vereinen zu verteidigen…Auch mit Weis und Madlung (und Mr. X?) haben wir nach wie vor verschwindend geringe Chancen , bei gleichbleibender Form irgendjemandem aus der oberen Hälfte großartig Punkte abzunehmen. Dennoch tragen wir ein Großteil der wichtigen Spiele zu Hause aus – vielleicht tun wir gut dran, die Zukunft ein bisschen mehr grau als schwarz erscheinen zu lassen… Fakt ist, der Transfermarkt gibt aktuell eh nichts her, d.h. es liegt nur an der Eigenmotivation der Spieler, ob sie wollen oder eben nicht…

    Unterm Strich: Wenn wir die Klasse halten, dann tun wir das möglicherweise mit wenig Überzeugung und am letzten Spieltag (rund um die 36 Punkte), können uns aber glücklich schätzen, dass andere diese Saison noch schlechter waren… So ist Wolfsburg Meister geworden, so ist Stuttgart Meister geworden und wir halten damit vielleicht einfach mal die Klasse, wenn eben kein anderer oben bleiben will!

  2. Herr Schnitzelmann

    man glaubt es kaum, es ist wirklich so, dass die Eintracht nur noch die ausgemusterten anderer Vereine verpflichtet.
    Über was wir uns hier noch lustig gemacht haben, das wird bei der Eintracht wirklich bierernst umgesetzt.
    Kriterien: Billig, Bankdrücker, Zenit überschritten!!!
    Das passt dann irgendwie zur momentanen Lage der Eintracht… ich wills nicht verschreien, aber so rücke ich langsam von der These ab, dass wir noch 15 werden können! Mit dem Spielermaterial gehts steil Richtung Liga 2.

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