Sieg, und doch nicht gewonnen

Ein schlechtes Fußballspiel muss auch erstmal gewonnen werden. Eintracht Frankfurt ist das geglückt, beides, eine miese Partie abzuliefern und zu siegen. Es war ein furchtbarer Kick im Stadtwald bei minus 1 Grad. Wobei die Kälte schnell und immer wieder vergessen gemacht wurde – von Takashi Inui. Er ließ den Puls der 41 000 im Stadion im Minutentakt unters Stadiondacht schießen.

Die prompte Auswechslung nach seiner verdaddelten Großchance in 50. Minute darf man ruhig als Strafauswechslung werten. Es war einer von vielen Tiefpunkten der abermals unterirdischen Leistung des Japaners. Dass er noch viele Spiele machen wird in dieser Saison, darf zumindest bezweifelt werden. Wer derart wenig zeigt, umso teilnahmsloser auf dem Grün steht und die paar Aktionen, die er hat, fahrig verspielt, hat im Team nichts verloren. Nicht, dass mit Stephan Schröck das Spiel leichtfüßig ins Ziel gefahren worden wäre, aber die Körpersprache ist eine andere, der zeigt Biss, macht und tut. Da verzichtet man doch liebend gern auf einen Steilpass in 90 Minuten á la Inui.

Das Gegenteil von Inui ist Marco Russ. Der verlor keinen Zweikampf, gab keine Kugel verloren und sprang in der ersten Halbzeit immer wieder als Spielmacher ein, weil kein anderer sich dazu imstande sah, offenbar. Wer hätte gedacht, dass der Rückkehrer sich zur Schlüsselfigur im Eintrachtspiel mausern würde? Als Schwegler-Ersatz im Normalfall besser als Rode, in der Innenverteidigung sogar stärker und vor allem mit weniger Mätzchen als Zambrano.

Dazu Constant Djakpa, der anfangs fünf, 10 Minuten schwamm, dann aber keine Probleme mehr auf seinem Flügel hatte. In dieser Form, mit solchen schnörkelosen Auftritten, hat Bastian Oczipka ausgedient.

Und dann ist da eben noch der Alex Meier. Ohne ihn, ist Eintracht Frankfurt nichts wert. Im zehnten Jahr der beste Fußballer weit und breit, im zehnten Jahr der einzige, der dauerhaft hohe Qualität garantiert.

Doch unabhängig von Personalien: Was war das für ein Auftritt, den man da hinlegte? Selbst im Vergleich zu grauenvollen Hinrunde war da vieles schwächer. Keine Bewegung im Mittelfeld, kein besetztes Sturmzentrum, keiner, der das Spiel versuchte zu gestalten – nicht auf dem Flügel, nicht im Zentrum. Marco Russ, Innenverteidiger, verdingte sich mehrfach als Spielmacher, trieb den Ball mit drei, vier langen Schritten nach vorne und suchte – vergebens – nach einem Anspielpartner. Stefan Aigner war wie vom Erdboden verschlucht, zu Inui ist alles gesagt. Sebastian Rode glückte nichts und Pirmin Schwegler hatte einen ständigen Bewacher, so dass er nach vorne nichts ausrichtete, kaum einen Ball nach vorne spielte. Das war Zufallsfußball, vor allem war es passiv.

Am Ende stehen drei Punkte, das Ende des Heimfluchs. Und trotzdem reicht es nur, um den status quo zu halten. Gewonnen hat man mit diesem Sieg tragischerweise nichts. Alle Konkurrenten haben ebenfalls gewonnen, eindrucksvoll sogar (Freiburg gegen Leverkusen, Nürnberg mit Mühelos-Fußball gegen Hoffenheim, Hannover in Wolfsburg). Jetzt müssen sich Braunschweig und Bremen die Punkte klauen, Remis, und Hamburg gegen Schalke verlieren. Dann wäre der Sieg doch etwas mehr wert als „nur“ drei Punkte. Denn in den kommenden Bundesligapartien muss man mit 0 Punkten rechnen, ein Absturz auf etwa Rang 17 wäre aber fatal. Wenn jetzt alle da unten ins Rollen kommen – und die Konkurrenz wird, wie wir jetzt sehen – uns den Unfähigkeits-Gefallen nicht länger tut, werden 33,34 Punkte für den Klassenerhalt doch nicht reichen. Die 36er-Marke würde zur Schallmauer. Noch 18 Punkte bräuchte es dafür ab jetzt.

Das wird ein langer Weg. Hoffen wir, dass die Spielweise, wie heute gesehen, nicht das Maximum dessen ist, was man zu abrufen in der Lage ist. Denn das war arg wenig. Aber wenn es denn zu noch sechs, sieben Siegen reicht – dann akzeptiere ich auch noch schlechtere Spiele!

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12 Kommentare

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12 Antworten zu “Sieg, und doch nicht gewonnen

  1. Oliver P.

    Inui war eine absolute Frechheit. Schade das wir Djakpa hinten links brauchen – der war der Lichtjahre bessere Inui an diesem Abend. Die Dribblings sahen aus der Fankurve auch eher nach Selbstmordkomando aus, aber auf wundersame Weise kam er meist als Sieger raus und hat dabei 2-3 Berliner ausgeschaltet. Und dann kamen (meist unglückliche) Flanken und Abspiele. Daran würde Inui nicht mal im Schlaf denken. Wenn der den Ball hat, dann will er den wie Messi oder Maradonna von der Mittellinie bis in Tor dribbeln. Djakpa hatte seine Seite im Griff – aber wie immer in einem Stil, der für Herzrasen und -stillstand sorgt.
    Und Rode …. den würde ich gerne den Münchner noch bis Monatsende schenken. Kostenlos, ohne Ablöse. Dann sparen wir uns wenigstens dem sein Gehalt.
    Zumde die erste halbe Stunde. Die Anzahl von Fehlpässen – vor allem kurze in der Defensive – war desaströs. Zum Glück konnte die Hertha das nicht nutzen. Da mussten sehr viele Rettungsaktionen der Abwehrspieler her. Nächste Woche gegen Bayern wirds bei so ner Spielweise am Ende zweistellig.
    Unser Tor viel dann aus dem nichts und dann haben wir bis zur Halbzeit wirklich gut gespielt. Die zweite Halbzeit hätte man bis auf wenige Szenen nicht spielen brauchen.
    Insgesamt waren wir etwas besser, aber es ist ein dreckiger Sieg ohne spielerische Klasse. Gegen Braunschweig wirds damit wohl auch noch reichen, vielleicht noch Bremen oder Hamburg. Aber es braucht noch etwas mehr Punkte bis zum Saisonende.
    Der Sieg war notwendig und wichtig. Viel Hoffnung hat mir das Spiel aber nicht gemacht.

  2. Na_ich

    Warum spielen wir nicht gleich mit 11 Madlungs…

    Keine Ahnung, wer so kurzfristig denkt, von wegen Abstand vergrößern. Mir geht es um das Mittelfristige, also am Ende genug Punkte zu haben, um den Abstieg zu verhindern. Da brauchen wir jeden Punkt und ich bin da über jeden Punkt froh.
    Da lass ich mir den Sieg auch nicht durch solch kurzfristige Scheisse madigreden.

    • Na_ich

      Ach, weil ich den Namen Rode gerade lesen muss. Nach Inui das nächste, offensive Ärgernis.
      Der Mann soll doch bitte an der Mittellinie bleiben und sich von Offensivaktionen fernhalten. Defensiv ist er wirklich kein Schlechter, aber offensiv und deshalb auch insgesamt total überschätzt. Als der Effenberg gestern was von Riesentalent brabbelte, musste ich erstmal kräftig lachen…

      • Ich bin wirklich gespannt, wie Rode sich bei Bayern – bzw. dem Verein, zu dem er von dort ausgeliehen wird – entwickelt. Er hat in seiner ganzen Zeit in Frankfurt das Pingpong-Spiel gepflegt, irrwischte von Balleroberung zu Ballverlust. Ich habe das im Blog mal Nullsummenspielweise genannt: Ball gewinnen um ihn dann zu verlieren ist letztlich dasselbe wie ihn erst gar nicht zu erobern.

        Rode macht mit Schwegler das, was das ganze Team mit Meier macht: Irgendwie den Ball zu ihm bugsieren, denn der wird damit schon was Gescheites anfangen. Und wenn Schwegler dann, wie zuletzt immer und vor allem gestern, dauerhaft vom Gegner zugestellt wird – ergo die Aufbauarbeit an Rode hängt – liegt das Mittelfeld lahm. Um das zu erkennen braucht es keinen Trainerschein.

        Es wird spannend sein zu beobachten, ob Tobias Weis – was ich nicht glaube – an Rode vorbeiziehen wird können. Bei Rode ists halt wieder so typisch Eintracht: Ein Spieler voller Konjunktive. Es hätte was werden können – und am Ende versinkt vieles im Durchschnitt oder darunter.

  3. Jermaine Jones Junior

    Sieg, und doch nicht verloren

    Ich gewinne dem Spiel in erster Linie positives ab. Es ist besser gestern gewonnen und in den letzten Minuten keine 2 Punkte durch einen Ausgleich verloren zu haben. Es war ein Sieg in vielerlei Hinsicht.
    1) Der Heimfluch wurde überwunden,
    2) Das Trainingslager zeigte sich als effektiv; wir sind in den letzten 10 Minuten nicht drastisch eingebrochen
    3) Inui ist im Stressfall aktuell (vorerst) keine Alternative

    Nach meinem Geschmack ist Schröck auch keine langfrisitige Lösung. Er geht zwar mutig in die Zweikämpfe, aber der Ball landet in Sekunden wieder beim Gegner. Das ist für mich keine Effizienz, die ich auf Bundesliga-Niveau erwarte. Kein Wunder, dass er bei Hoffenheim durchgefallen ist.
    Ich würde sehr gerne Oczipka (!) auf der Inui-Position sehen. Er würde (wieder) öfters zum Flanken kommen, ist dynamischer und kämpfen kann er grundsätzlich auch. Ich erinnere mich noch an das Werder-Spiel, als er sehr schön einen Pass in den Rücken der Abwehr spielte. LOM liegt ihm wohl eher als LA. Die Position wär‘ doch was für ihn!

    • Jermaine Jones Junior

      Ergänzung: „…in den Rücken der Abwehr spielte und ein Tor vorbereitete.“

    • Prinzipiell gebe ich dir recht was Schröck anbelangt. Langfristig – wer weiß aber in welcher Liga – muss man sich für die Flügel anders aufstellen. Allerdings der Vollständigkeit halber: Sebastian Rode schleppen wir seit Jahren mit dieser Ping-Pong-Spielweise mit durch, da sollte man Schröck jetzt nicht als ersten zum Vorwurf machen, dass er nicht jeden Ball sauber zum Mitspieler bringt. Inui hat jetzt, genau wie Oczipka, Monate über Monate seine Chancen bekommen. Aber es kommt nichts, es ist eher ein Vorteil für den Gegner, die aufzustellen.

      Oczipka nach vorne zu ziehen wäre eine Möglichkeit. Aber sinnvoller ist es, mit Rosenthal oder Schröck jemanden vor Djakpa zu stellen, der auch nach hinten arbeitet, der viel läuft und Zweikämpfe sucht. Das tun weder Inui noch Oczipka, und wenn, verlieren sie sie.

  4. Adlerschnabel

    Schröck hat nicht wirklich viel bewirken können, weil nichts und niemand zu seiner Unterstützung vorhanden war und er es bei Ballbesitz daher gleich mit gefühlt mehr als 3 Herthanern zu tun bekam. Er hatte es daher schwerer als sonst. Dennoch hat er die Bälle – im Gegensatz zu Inui, der in der ersten Hälfte total ausfiel und zu Beginn der zweiten Hälfte gleich zwei Konterchancen versiebte, bevor ihn (und mich) Veh dann endlich erlöste – nicht weggeschenkt und das Spiel belebt.
    Russ wird immer wichtiger. Er und Meier sind die Matchwinner. Russ hat auch mit seinem Ball auf Meier das Tor eingeleitet.
    Selbst die wenigen verbliebenen Funkel-Buben sind offensichtlich immer noch das Herz der Mannschaft. Das hat das Funkel-raus-Pack, welches die Stirn hat Meier nunmehr als Fussballgott zu feiern, nachdem es ihn jahrelang auspfiff, gar nicht verdient.

  5. Sebastian Weber

    Naja im Prinzip ist es ja schon richtig, Man gewinnt, steht aber am Ende genau da wo man vor der Winterpause stand. Ich konnte das Spiel leider nicht Live sehen deswegen werde ich mich dazu nicht äussern. Aber ich habe heute mal das Profil von Maximilian Oesterhelweg angeschaut da er ja beim Vfr Aalen im Probetraining war und vermutlich dahin wechseln wird. Warum spielt er bei uns überhaupt keine Rolle im Profikader? er ist Linksaussen, unsere Problemposition, 23 Jahre alt und hat bei unserer U23 in 19 Spielen 8 Tore geschossen und 7 vorbereitet. Der kann doch nicht so schlecht sein? Oder Sonny Kittel hat in der U19 Nationalmannschaft auf Linksaussen gespielt schlechter als Inui können die doch wirklich nicht sein.

  6. Na_ich

    Bevor ich den absolut nutzlosen Schröck nochmal sehen muss, lass ich lieber wieder den Inui ran. Der lenkt wenigstens ab und an den Gegner ab, Schröck ist einfach nix.

    Und deine Meinung dazu, dass wir nix gewonnen haben..nunja, die haste ganz exklusiv.
    Was würdest stattdessen sagen, wenn wir nicht gewonnen oder gar verloren hätten???

    • Der Inui braucht halt mal 5,6 Spiele am Stück, gelle? Der Typ ist nicht nur ein Ärgernis, er ist ein Hochsicherheitsrisiko. Trabt über den Platz, gewinnt nicht einen (!) Zweikampf, bringt keinen (!) Pass an den Mann und vertendelt eine fast baugleiche Kontersituation, die der 50 Zentimeter größere Meier non chalant verwandelt. Der Schröck soll (!) diese Nichtsnutzigkeit gar nicht kopieren, der soll rennen, machen, tun – das Gegenteil von all dem, was der Japaner macht. Nee, sorry, Inui ist exakt das, was Friedhelm Funkel vor 1,5 Jahren sagte: Ein Risiko für jedes Team, ein Ballverlust-Produzierer.

      Steht übrigens nirgendwo, dass es nicht gut gewesen ist, dass wir gewonnen haben. Aber die Idee und Hoffnung, die jeder hatte, war doch, dass mit einem Auftaktsieg der Abstand zu den Konkurrenten vermehrt wird für die kommenden 0-Punkte-Wochen. Und was ist passiert? Nichts, Status quo gehalten. Von daher trifft das glaube ich sehr wohl zu.

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