Die ewigen Stützen

Im schnelllebigen und von Wanderarbeitern geprägten Fußballgeschäft sind Spieler wie Alexander Meier und Marco Russ schon alleine wegen ihrer langen Vereinszugehörigkeit außergewöhnlich. Meier spielt seit zehn Jahren, Russ – mit kurzer Unterbrechung – fast genauso lange für Eintracht Frankfurt.

Sie stammen aus der Kein-Geld-Epoche Eintracht Frankfurts, aus der Friedhelm Funkel Fußballschule. Wie keine anderen Spieler stehen Meier und Russ Pate für das Eintracht Frankfurt nach den 90ern. Sie repräsentieren jene Generation, welche die anfangs heiteren, später immer grauenvolleren Jahre des Vereins miterlebt haben, die Kummer als selbstverständlichen Teil des Frankfurtfanseins begriffen haben. Das, die Unvollkommenheit, das ewige Damoklesschwert ist so etwas wie der Markenkern geworden. Das trotzige Selbstverständnis, lieber mit so einem geplagten und geschundenen Klub zu leiden, als mit sonnenscheinverwöhnten Vereinen zu feiern – das könne ja jeder, dazu bedürfe es keiner Leidensfähigkeit, keiner wöchentliche Liebesbeweise. Beweise, wie bei Grottenkicks und minus 2 Grad im Stadion zu bleiben um diesen Funken Erfolg, diesen ersehnten Etappensieg mitzuleisten. Jeder auf seine Weise: Schweigend und zitternd oder brüllend und fiebernd.

Und so stellt sich dann auch die Frage, ob es Zufall ist, dass Alexander Meier und Marco Russ die Spieler von Eintracht Frankfurt sind, die den Karren aus dem Dreck zogen – und schon seit geraumer Zeit ziehen, Alex Meier zumal. Den Dreck darf man als Begriff ruhig weiter fassen, im Sinne von wer prägt das Spiel, wer bringt die Qualität, den Unterschied ins Spiel? Über Alexander Meier, der von allen Fans – bis auf die Fundamental-Verbitterten – seit zwei Jahren zurecht „Fußballgott“ gerufen wird, muss man kaum mehr sprechen. Er ist der Anthony Jay-Jay Bein der Post-2000-Eintracht.

Es lohnt sich aber über Marco Russ zu sprechen. Der Hanauer Verteidiger ist und wird gerne belächelt, es wird gerne auf seine technischen Schwächen (der Mann geht an die 1,90 Meter!) verwiesen, gewitzelt über die Starksigkeit. Doch so peu a peu dämmert es auch den Kritikern, dass es ohne diesen Mann, genau diesen, richtig finster aussehen würde. Da darf man das Berlinspiel nennen, da muss man seine wochenlange Aushilfstätigkeit als Schwegler-Ersatz im Mittelfeld nenne – denn die löste er gut, stellte den hochgelobten Sebastian Rode leistungstechisch oft in den Schatten.

Russ ist einer, der die klaren Worte wählt. Er ist keine Floskelmaschine, er ist vielmehr ein Pirmin Schwegler ohne Kapitänsbinde. Das Ying zum Yang, das Grobe gegen die feine Klinge. Das bereichert diese Mannschaft. Sie braucht so Typen, die nicht zurückstecken, die geil auf den Zweikampf sind, die dazwischengehen. Ein Zeichensetzer ist Russ – und ein Zeichensetzer ist Alex Meier. Sie sind die Stützen von Eintracht Frankfurt. Heute, damals. Das sagt mehr über die Einkaufspolitik des Vereins aus, als alle Statistiken und Beurteilungen zusammen.

Advertisements

3 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

3 Antworten zu “Die ewigen Stützen

  1. Pingback: #Link11: Langeweile und charmates Chaos | Fokus Fussball

  2. Olli

    Wars dir im Stadion am Samstag eigentlich kalt … die Temperatur geht mit jedem Beitrag ein Grad runter 😉

    • Seit ich – und dafür musste ich älter als 30 werden – zwei Paar Socken anziehe, geht es eigentlich mit der Kälte im Stadion. Mein Vorteil: Ich hab einen Platz, wo mir der Waschbeton als Rückenlehne den Wind etwas vom Körper hält.

      Und das Spiel war ja an sich auch kein Aufwärmer. Erleichterung hab ich noch nicht in Grad Celsisus gemessen 😉

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s