Kein Befreiungsschlag

Als es dann geschafft, irgendwie das 1:0 über die Ziellinie gewürgt war, nach Abpfiff, irgendwo zwischen Hexenhäuschen und Gitarrist, habe ich eine Wette abgeschlossen. Irgendjemand würde am Montag, respektive Sonntag die Evergreen-Zeile „Aufstand der Kellerkinder“ dichten. Jener eine Spieltag pro Saison, an welchem die Abstiegskandidaten der Belle Etage der Bundesliga die Punkte streitig machen – ihn gibt es immer, und die Zusammenfassung des Geschehenen resultiert immer in so einer Überschrift.

Jedoch: Was wie David-gegen-Goliath-Charme anmutet, ist aus Sicht von Eintracht Frankfurt einfach nur kacke gelaufen. Sicher, man hat den Heimfluch verjagt. Man hat ein Schmutzspiel gewonnen. Vor allem hat man mit diesen drei Punkten niemanden an sich vorbeiziehen lassen, hat aus einem Mini-Vorsprung keinen Rückstand werden lassen – das war überlebenswichtig. Denn zwischen 15.30 Uhr und 18.30 Uhr sah es wahrlich finster aus für Frankfurt. Da ging alles schief, was nur schiefgehen konnte. Nürnberg knallt Hoffenheim ab, Freiburg drückt dem Tabellenzweiten Leverkusen die Niederlage rein, Hannover siegt in Wolfsburg. Schlimmer hätte die Ausgangslage nicht sein können vor Anpfiff im Stadtwald. Und die Spieler werden das gewusst haben. So abgeschottet, so sehr im Tunnelmodus kann man gar nicht sein.

Dennoch: Die Hoffnung, die Rechnung vor dem Spieltag war, das man selbst gewönne und zumindest Freiburg 0 Punkte holt. Plötzlich hätte man dieses eine Freischuss-Spiel in München gehabt, das ohne tabellarische Konsequenz geblieben wäre. Das ist perdu, schiefgegangen.

Trotzdem bürdet das der SGE nicht auf, bei den Bayern etwas holen zu müssen. Im Gegenteil, es stellt sich viel mehr die Frage, ob man die Gelbsperre-Gefärdeten Zambrano, Schwegler und Rode nicht draußen lassen sollte um sie für das Heimspiel gegen Braunschweig garantiert dabei zu haben. Denn dann geht es um was, da ist dann so richtig Musik drin – wobei das ohnehin die gesamte Rückrunde so sein wird. Aber gegen Braunschweig geht es eben um friss oder stirb, für beide.

Beunruhigend ist trotz des Sieges die Tatsache, dass man keine Verbesserung in der Spielanlage erkennen konnte. Das Offensivspiel war keinen Deut besser als in 2013, gerade das Mittelfeld fand überhaupt nicht statt, weder zentral noch auf den Außenbahnen. Defensiv war das in Ordnung, war das gut – aber trotz der anderslautenden Einschätzungen von Armin Veh und Co. erschien mir die Abwehr nie das Hauptproblem zu sein. Die stand eben ständig unter Druck, weil nach vorne nichts ging. So war es die meiste Zeit am Samstagabend ja auch. Die Berliner Ungenauigkeit im Aufbauspiel war es, die diesen Eitnracht-Sieg maßgeblich möglich machte. Dafür muss sich niemand entschuldigen. Aber ein Befreiungsschlag war das so gar nicht – weder tabellarisch noch optisch.

Immerhin der Sonntag lief wie gemalt für die Eintracht. Vielleicht, aber auch nur vielleicht gelang die Wende ja irgendwann zwischen Samstagabend 19 Uhr und Sonntag 19 Uhr. Da schlug das Pendel erstmals wieder spürbar zugunsten Frankfurts aus.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Kein Befreiungsschlag

  1. Oliver P.

    Was meinst du was die anderen da unten geflucht haben, als wir am 16. Spieltag in Leverkusen gewonnen haben. Jetzt gewinnt Freiburg gegen Bayer und alles kommt unerwartet? Hannover konnte keiner ahnen nach 8 Niederlagen von 8 Spielen auswärts. Nürnberg war überfällig und verdient – die stehen deutlich schlechter als sie spielen. Hoffen wir einfach mal, das der BVB seine Heimschwäche noch 2 weitere Spiele behält.
    Immerhin sind jetzt 7-9 Mannschaften im Abstiegskampf vertreten (je nachdem, ob man Bremen und Hannover schon dazu zählen möchte). Anfang Dezember hieß die Gleichung da noch 3 aus 4.

    Ja, die Defensive war sehr ordentlich und unter Dauerbeschuss – vor allem bis zum 1:0. Viele Rettungsaktionen weil Fehler im Spielaufbau und viele leichtsinnig verlorerene Bälle in der eigenen Hälfte oder in der Nähe vom eigenen Strafraum – Berlin hat aber auch ordentlich Pressing gespielt.

    Was mich an der Aufstellung gewundert hat … wie sah eigentlich unser Sturm aus, bis Joselu mal ins Spiel kam? Meier/Aigner?
    Veh sollte langsam begriffen haben, das ohne richtigen Stürmer das Spiel nach vorne nicht stattfindet. Schon mehrfach bewiesen.

    Und München …. da darf gerne die Mannschaft aus dem letzten EL Gruppenspiel auflaufen. Blos nix riskieren, die Stammkräfte schonen und Kondition boltzen lassen / Laufwege einstudieren / Kurzpassspiel trainieren.

  2. Herr Schnitzelmann

    …ehrlich gesagt, sowas von egal, wie man dieses Drecksspiel gewonnen hat, Hauptsache ist erstmal, wie du ja auch schon im Vorfeld festgestellt hast, das man es gewonnen hat!!!

    Ich hoffe, dass nun eine Art Ballast von der Mannschaft fällt. Zum einen weil der erste Heimsieg geschafft wurde und weil die Vorbereitung in einen erfolgreichen (wenn auch nicht spielerisch guten) Rückrundenauftakt umgesetzt werden konnte.

    Lieber dreckig gewonnen und schlecht gespielt, als gut gespielt und wieder nur unentschieden oder noch schlimmer, die Berliner gewinnen das Ding!

    Und das die Konkurrenz gewonnen hat ist zwar irgendwie doof, aber es war ja auch nicht zu erwarten, dass die ständig so glücklos aggieren und uns den Gefallen tun, die Punkte ebenfalls liegen zu lassen.
    Diese Saison wird es darauf hinauslaufen, dass es 2 oder 3 evlt. sogar 4 Teams gibt, die einfach noch schlechter / glückloser sind als wir!

    Und nun kommen erstmal die Bayern und gegen die kann man, wegen deren abartiger Dominanz, eigenltich nur gut aussehen.
    Blöd ist allerdings, dass wir aus sicht der Schiris (und der Medien) nun unser komplettes Fehlpfiffglück für die Rückrunde in einem Spiel aufgebraucht haben, d.h. Alex darf wieder im Bayernstrafraum umgeremplet werden ohne das man nachher unbedrängt Richtung Manuel schießen darf.
    Geb dir auch recht in Punkte Saisiontaktik, man sollte die von dir angesprochenen Spieler lieber gegen die Bayern schonen, als das sie ne Woche drauf Zwangspause haben.

    Trotz allem, ich seh wieder etwas Sonne über Frankfurt scheinen…

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