Das Pfund der Abstiegserfahrung

Für eine Stadionuhr wird eben auch mal die Seele verkauft: Wo Geld keine Rolle spielt, wo das Investoren-Modell gepflegt wird, da ist Felix Magath nicht weit. Klaus-Michael Kühne und der Giftzwuckel beim Hamburger SV – eine Liaison, wie sie bilderbuchiger nicht sein könnte. Wenn sie denn kommt, mag der Leser entgegen. Ich sage: Sie wird kommen. In ein paar Tagen, in ein, zwei Wochen – oder nach Saisonende, in welcher Liga auch immer.

In sportlicher Hinsicht ergießt sich dieser Tage ja durchaus eine Menge Häme, auch aus Frankfurt in Richtung Hamburg. Ganz schön gewagt, so eine breite Brust zu haben, wenn man nicht minder tief im Morast des Abstiegs(kampfs) steckt.

Es ist, wie so vieles, reine Spekulation ob die Eintracht oder Hamburg den geeigneteren Kader für die aktuelle Situation haben. Fakt ist, dass beide Teams nicht darauf eingestellt waren derart hartnäckig im Tal festzustecken. Ähnlich wird es Werder Bremen gegangen sein und gehen, auch Stuttgart. Die Schwaben haben allerdings – die Niederlage gegen das starke Augsburg tut da nichts zur Sache – den qualitativ hochwertigsten Kader, spielen auch den mitunter am besten Fußball.

Zurück zur Eintracht: Ihr Vorteil, da sind wir auf der mentalen Ebene, ist das Wissen um die Tücken, Wirkungen und Automatismen in der unteren Tabellenregion. Es sind, sicher zu ihrem Leidwesen, wichtige Spieler in der Stammelf, die kaum etwas anderes kennen als das Strampeln gegen den Abstieg: Alex Meier, Sebastian Jung, Pirmin Schwegler, Marco Russ, Kevin Trapp (mit Kaiserslautern), Johannes Flum (mit Freiburg). Auch Carlos Zambrano (mit St.Pauli) sowie Jan Rosenthal (mit Freiburg) und – wenn auch keine Stammspieler – Stephan Schröck, Tobias Weis und Joselu (mit Hoffenheim, da aber aussortiert in der Phase) und Felix Wiedwald (mit MSV Duisburg in der zweiten Liga) mussten schonmal das Zittern in den eigenen sowie den Fan-Herzen erleben. Das, diese Erfahrung wird nichts Schlechtes sein um im Abnutzungskampf der kommenden Monate zu bestehen.

Denn schaut man, was und wen die andere namhafte (no offense, Nürnberg!) Konkurrenz so mitbringt in puncto Abstiegskampf-Erfahrung.

Hamburger SV:

Dennis Diekmaier (2009/2010 mit Nürnberg in die Relegation)
Lasse Sobiech (2012/2013 mit Greuther Fürth, Abstieg)
Marcell Jansen (2004/2005 und 2006/2007 mit Mönchengladbach; Abstieg ´07)
Pierre-Michel Lasogga (2011/2011 mit Hertha BSC Berlin, Abstieg)

—> Ist es Zufall, dass ausgerechnet Lasogga der beste Spieler des HSV ist derzeit?

Werder Bremen:

angesichts der Saison 2012/2013 (14. Platz, 3 Punkte vor dem 16.) ein Großteil des Kaders. Spieler wie
Aaron Hunt, Nils Petersen, Zlatko Junuzovic, Mehmet Ekici, Eljero Elia, Clemens Fritz … plus
Cedric Makiadi (2006/2006 mit Wolfsburg und 2009/2010 mit Freiburg)

VfB Stuttgart:

Trotz der regelmäßigen Halbserien-Krisen (vor allem Hinrude), war die schlechteste Schwaben-Platzierung der vergangenen 13 Jahre zwei Mal ein 12. Rang – 2010/2011 sowie 2012/2013. Ergo kann man wenigen der VfB-Spieler die Abstiegs(kampf)erfahrung zuschreiben. Nur:

Sercan Sararer (mit Greuther Fürth 2012/2013, Abstieg)
Karim Haggui (mit Hannover 96 2009/2010)

… und was lernen wir Frankfurter daraus? Dass wir ein Pfund haben, mit dem wir wuchern können. Unsere Jungs spüren, wissen mehr als die meisten anderen. Ob das manchen individuellen Qualitätsunterschied aufwiegt? Man wird es sehen.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Das Pfund der Abstiegserfahrung

  1. Oliver

    Für Bremen ist das nix neues, die kennen das aus den letzen Jahren irgendwie. Stuttgart war auch immer mal dabei – aber jetzt 5 Spiele ohne Ibisevic. Nürnberg ist Dauergast unten, aber jetzt auch zwei Langzeitverletzte. Freiburg ist die Situation auch nicht neu.
    Hamburg muss das Ruder rumreißen. Es macht keinen Sinn eine Lizenz für die zweite Liga zu beantragen. Gehts runter führt der Weg direkt zum Insolvenzverwalter. Und selbst wenn sie drin bleiben, viel Spaß die nächsten Jahre.

    Von daher. Viel Vorteil ist da nicht. Braunschweig wird noch den einen oder anderen Achtungserfolg holen aber den Platz am Ende nicht mehr verlassen. Bei Hamburg hängt es davon ab, wann sie den Trainer feuern und Magath kommt. Und was er bewirken kann (außer sie noch mehr finanziell ruinieren).

    ABER, wir haben in der Winterpause die Einsicht bekommen, dass die Vorbereitung mit Europa nicht die ideale war. Bei uns wurden schon Dinge geändert bevor andere gemerkt haben, wie tief sie in der Scheiße drin stecken. Außerdem kommen jetzt einige eher „leichte“ Spiele: Bremen, Stuttgart, Hamburg, Freiburg & Nürnberg. Eigentlich Schade das wir uns da mit Europa wieder zusätzlich belasten müssen. Die Liga ist nach Dortmund eigentlich wichtiger als Porto.

    • Das ist so nicht ganz richtig.

      Stuttgart stand nie bis zuletzt mit unten drin. Sie hatten häufig Schwierigkeiten in der Hinrunde, standen im unteren Tabellendrittel, unter den letzten 4/5 Teams. Bis zum Schluss, also im richtigen Abstiegskampf, waren sie quasi nie.

      Für Bremen gilt das, mit Ausnahme der vergangenen Saison, ähnlich: Es gibt seit Jahren eine Abwärtstendenz, aber tief drin waren sie nur letztes Jahr. Und viele der aktuellen Stammspieler waren letzte Saison eben nicht dabei, sind dementsprechend auch unerfahren was die Situaiton angeht.

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