Das stärkste Spiel seit einem Jahr

Nach dem Pokalspiel von Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund stellte sich nur noch eine Frage. Ist Steffen Siemon, der ARD-Kommentator, eine größere Fußball-Flitzpiepe als ZDF-Kollege Bela Rethy, oder sind sie in ihrer öffentlich-rechtlich gesponsorten Unqualifiziertheit vereint? Ergebnisse eines solchen Abstimmungsergebnisses sind nicht überliefert. An die Nachwelt weitergegeben wurde nur das Spielresultat – und das entsprach nicht mal dem, was man vor diesem ungleichen Duell erwarten durfte: eine knappe 0:1 Last-Minute-Niederlage …

… als keinesfalls schlechtere Mannschaft! Denn die Eintracht, deren gesamter Etat den Beinen dieses komischen Armeniers entspricht (absurd, ohne jedes Verhältnis), schlug sich wacker. Nein, mehr als wacker: Sie stand vor allem in der ersten Halbzeit dem millionenschwereren Gegner lange in nichts nach. Die Tor-Schüsschen, die besagter Steffen Siemon dem Publikum für Dortmunder Dominanz verkaufte, kommen gegen jeden Gegner vor. Ein Konter samt Torschuss nach einer unglücklich am eigenen Mann abgeprallten Ecke, eine Kopfballkerze und drei, vier bisweilen sehr stark verteidigte Offensiv-Situationen – das war es dann auch schon mit der angeblich drückenden Überlegenheit des BVB. Und wenn Sebastian Rode so etwas wie einen Schuss, einen Funken Offensivkönnen hätte, wenn er bei Bayern München wenigstens Joker der U23 sein möchte, dann erzielt er das 1:0 nach starker Jung- bzw.  später Rosenthal-Hereingabe – und Steffen Siemon muss vor lauter Überforderung aus dem Ü-Wagen die nächsten Sätze in die Kopfhörer diktiert bekommen.

Der Mikrofon-Maradonna war ohnehin, neben Knut Kircher, der Robert Lewandowski alles durchgehen ließ, und Vaclav Kadlec der schwächste Akteur an diesem Abend.

Das Hätte, das Wäre, das Wenn – es zählt im Normalfall nichts. Auch diesmal nicht faktisch, jedoch gereichte der Auftritt der Eintracht als ein stimmungsaufhellender Fingerzeig in eine noch mutmachendere Richtung: Da ist Leben drin, Mut vorhanden, Galligkeit im Leib. Und Fußball kehrt in die Füße des Teams zurück. Es reicht gegen Dortmund nicht zu flüssigem Kombinationsspiel, aber trotzdem blitzte immer mal wieder die Spielidee auf. Das war in Ordnung, weil sie den Ball nach vorne trugen, nach Möglichkeit flach. Und sobald sie das taten, forsch und aktiv draufgingen, sah das nach etwas aus. Und dann muss, dann kann auch nicht alles gelingen.

Was aber gelingen wird, wenn das Team diesen Stil beibehält, diese Kraft investiert, diese Intensität gegen alle Gegner von der ersten Minute an abruft – dann wird sie im Abstiegskampf bestehen, in der ersten Bundesliga bleiben.

Nein, heute gräme ich mich nicht. Niederlage hin, Pokalaus her – nach so beherzten Auftritten verzeihe ich meiner Eintracht in Sekundenschnelle. Ja, das Ausscheiden ist traurig, ja die Chance auf die Sensation war da, ja, es gibt wieder keinen Titel oder ein Europa-Revival für die SGE. Aber soll das jetzt, wo wir ungeachtet aller abendlichen Lobeshymnen im tiefen Morast des Abstiegskampfes stecken, unsere Messlatte sein? War es vor dem Spiel nicht, darf es nach dem Spiel nicht sein – allen Wahrscheinlichkeiten, Entwicklungen und Möglichkeiten zum Trotz. Ich habe das stärkste Spiel von Eintracht Frankfurt seit mehr als einem Jahr gesehen – und dafür zolle ich den Spielern und dem Trainer Respekt!

… und gute Besserung an Pirmin Schwegler, der – nach typischer Eintracht-Fehldiagnose – nun doch einen Rippenbruch hat und vier Wochen ausfällt, wie die Frankfurter Rundschau am Mittwoch mitteilen wird.

Advertisements

3 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

3 Antworten zu “Das stärkste Spiel seit einem Jahr

  1. Pingback: #Link11: Stell dir vor, es ist Pokal und keiner geht hin | Fokus Fussball

  2. Der Kommentator bei Sky war bzgl. Zambrano ähnlich drauf.
    Er würde ja nicht viel spielen, weil er dauernd vom Platz flöge. Was seit 2009 genau EIN Mal passiert ist.
    Er muss durchaus hier und da weniger aufbrausend werden, aber ansonsten macht er nix falsch.

  3. Herr Schnitzelmann

    Geiles Spiel und wie du schon schreibst, Sieg hin oder her, dieses Spiel macht mut im Abstiegskampf. Die Mannschaft lebt und das genau zum richtigen Zeitpunkt.

    Schön auch, wie der Kommentator das ganze Spiel über konstant sein Zambrano-Bashing beibehalten konnte.
    Das muss man auch erstmal so hinbekommen, dass man Bilder derart uminterpretieren kann oder konsequent, wenn z.B. ein Lewandoofski mit beiden Knien (natürlich NICHT mit Absicht) in Zambranos Rücken fällt, einfach darüber hinweg sieht.
    Gratulation an die ARD dafür, für dieses völlig Sinnfreie gelaber. Nun ist Zambrano, obwohl er das ganze Spiel über nicht einmal unsportlich war, weiter gebranntmarkt worden. Für sowas zahl ich gern meine Fernsehkommunismusabgabe!

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s