Das Rode-Problem

Hinlänglich bekannt ist es, dass Sebastian Rode seine liebe Mühe und Not beim Torabschluss hat. Für einen zentralen Mittelfeldspieler, der in Rautenformationen auch mal auf dem Flügel offensiv zum Einsatz kommt, ist das ein Makel. Bisweilen ist dieses Manko ärgerlich, es kostet im schlimmsten Fall Tore. Es kostet Punkte. Es kostet Siege. Es kostet Pokalqualifikationen.

Sebastian Rode bekam im Pokalviertelfinale gegen Borussia Dortmund zwei 100-prozentige Chancen vor die Füße gespielt, er vergab sie kläglich. Er versemmelte sie in Manier eines Kreisliga-Liberos mit 25 Kilogramm zu viel Gewicht am Leib. Beim Stand von 0:0 in einer Partie, die Spitz auf Knopf steht, in einem KO-Spiel, das man drauf und dran war als Sensationssieger verlassen zu können. Die Halbfinal-Millionen, sie hingen am Stiefel von der Nummer 20 – und der Stiefel schüttelte sie lästig ab.

Man kann witzeln darüber, dass Sebastian Rode am besten Strafraum-Verbot erhalten sollte. Dass er einfach seine Defensivaufgaben erledigen und dann am Saisonende zu Bayern München II wechseln und dann von dort ausgeliehen werden soll. Jedoch kann man auch die Frage stellen, was Sebastian Rode noch dazu befähigt, in der Startformation zu bleiben. Er wird im Frühsommer einen anderen Verein haben. Er verbessert sich in Frankfurt sportlich nicht mehr. Er vergibt (die spärlich herausgespielten) Großchancen, er macht selbst nach Ausfällen von Schwegler, Flum oder sonstwem nicht den Unterschied im SGE-Spiel. Man könnte sagen: Es fällt nicht auf, wenn Sebastian Rode nicht auf dem Feld steht.

Ja, er krallt sich defensiv in Zweikämfe. Ja, er macht Meter. Ja, er ist flink. Ja, er ist agil. Ja, er lässt sich nicht hängen – aber nach vorne ist das einfach komplett zu wenig, zu inkonsequent. Vor allem dann, wenn er als Dynamischer den Antreiberpart übernehmen, sein Nebenmann den Strategen mimen soll. Ein torungefährtlicher Pirmin Schwegler und ein noch torungefährlicherer Sebastian Rode im zentralen Mittelfeld? Das wird immer mehr zum Ärgernis, und das liegt eben nicht am Kapitän.

Während man Johannes Flum, bei allen Wacklern, mittlerweile eine Steigerung attestieren muss, bleibt beim Anblick Rodes dieses tinitusartige Genervtsein, dieses Wissen, was passiert, noch bevor es passiert. Welcher Eintracht-Fan verbindet bei Pässen von oder auf Rode denn schon diesen Impuls-Gedanekn „da wird schon was Gescheites bei rum kommen“? Er hatte gegen Dortmund eine blitzsaubere, gescheite Offensiv-Aktion, als er den Ball schnell annahm und um Sokratis herumlegte, dann gefoult wurde und den Freistoß herausholte. Aber eine Szene ist einfach zu wenig. Zumal dann, wenn ein Spiel mit einer Szene entschieden sein kann. Rode hatte gegen den BVB zwei solcher Szenen / Chancen, plus das Luftloch beim Passversuch, dass er am Fünfereck schlug, als Kadlec und Meier in der Mitte blank standen.

Sebastian Rode, damit schließe ich, ist mitunter ein Hemmnis, ein Problem für das Eintracht(Offensiv)spiel. Das Team, der Trainer kann es sich eigentlich nicht leisten, aus dem Mittelfeld so wenig Torgefahr zu entwickeln, wenn man schon nur „Scheiß-Stürmer“ (Zyniker-Zitat von Armin Veh) hat, flankiert von Außenspielern, die gar nicht mehr zum Abschluss kommen. Alternative? Tobias Weis. Man hat ihn für das Kratzen, für die Dynamik verpflichtet. Der ist Sechser, der auch im Bedarfsfall auf der Außenposition spielen kann. Es wäre vielleicht an der Zeit … wenn da nicht der vierwöchige Ausfall von Pirmin Schwegler im Weg stehen würde. Rippenbruch statt Rippenprellung – also geht das Stolperseminar weiter.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Das Rode-Problem

  1. Herr Schnitzelmann

    Bin ja oft deiner Meinung, aber ich glaube, hier schießt du etwas übers Ziel hinaus!
    Das „Problem“ hat sich in ein Paar Wochen doch von selbst gelöst, sofern es überhaupt eines ist!
    Und so schlecht, ist er jetzt auch nicht, dass wir Angst haben müssten, dass wir mit Ihm in der Startelf auf jeden Fall absteigen würden.

    • Gut, so harsch wollte ich es auch nicht verstanden wissen. Ich finde nur, dass man seit Jahren bei Sebastian Rode andere Bewertungsmaßstäbe anlegt / angelegt hat, als bei anderen Eintrachtlern – eben weil er halt diese kreisligeske Spielweise pflegt, diese bissige Attitüde. Das ist sein Pfund, das macht er gut. Aber das ist, meiner Meinung nach, für einen Bundesliga-Sechser zu wenig. Jedem Innenverteidiger könnte man die Abschlussschwäche verzeihen – wobei eines der beiden Riesendinger am Dienstag einfach rein muss.

      • Na_ich

        Rode ist seit 1.5 Jahren außer Form…bei anderen Spielern würde man sagen, dass das einfach sein normales Niveau ist.

      • Herr Schnitzelmann

        Ja, da geb ich dir Recht, er zeichnet sich jetzt nicht wirklich durch Torgefahr aus und einer der Beiden Riesenchancen MUSS drin sein.
        Aber wie gesagt, das „Problem“ hat jetzt bald der selbsttitulierte Stern des Südens am Hals. Wobei, ich kanns immer noch nicht glauben, dass die Bayern Verwendung für Ihn haben werden. Evtl. hat man schon einen Verein, an den er weiterverliehen wird.
        Was mich in der Causa Rode noch interessieren würde, hat man schon einen Ersatz im Auge oder gar an der Angel?
        Wir sollten jetzt schon mal anfangen, Spieler anzufragen, die für uns nächstes Jahr interessant sein könnten.
        Nicht wieder irgendwelche tschechische Juwelen aufquatschen lassen oder mit dem Zufrieden sein, was eh keiner will.
        Immerhin hat man doch auch Ziele in Frankfurt, oder?

  2. Na_ich

    Er ist ein RIESENtalent…sagte mal Stefan Effenberg.

    • Endlich mal jemand, der ein echter realer Eintrachtfan ist, und nicht nur fanatisch mit verklärten Blick alles gut heißt, was mit Eintracht zusammenhängt. Die Torausbeute der Eintracht Ffm ist schon immer sehr spärlich gewesen bei aller schönspielerei, schön für das Auge, aber fast immer ein Tor zu wenig für die 3Punkte, wenn wenn es drauf ankommt. Torhüter Trapp ist für die Eintracht nicht schlecht, aber mit diesem Hühnerhaufen von Hintermannschaft steht er zu oft auf auf verloren, bzw. zwischen den, Posten. Vielleicht wird es mit dem neuen Trainer in der Saison ab 2014 besser, aber am Anfang wird es in der 1.Bundesliga für die Eintracht beängstigend anfangen, hoffentlich täusche ich mich gewaltig. In diesem Falle täusche mich gerne. Mit freunlichen Gruß Gerhard Knies

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