Ritt auf der Rasierklinge

Es ist leider so, dass Eintracht Frankfurt in ihrer Saison nur noch für bzw. gegen Bremen, Freiburg, Nürnberg, Hamburg, Stuttgart und mit Abstrichen Hoffenheim spielt. 18 mögliche Punkte, von denen das Team 12, 13 braucht, um in der ersten Bundesliga bleiebn zu dürfen. Das Ziel heißt 34 Punkte. Das wird die Latte sein, unter, bzw. viel mehr über der es Lambada zu tanzen gilt.

Dem Konzept, wie es Frankfurt zum Klassenerhalt schaffen will, liegt die nun wieder gebotene Tristesse und Abschenk-Ein(!)stellung zugrunde. Eintrachts Idee ist es, das beste, das eingespielteste Team nur noch gegen die Truppen zu stellen, die sich ebenso durch die Ebene mühen wie man selbst.

Verinnerlicht haben es die misserfolgsgewöhnten Eintracht-Fans sehr wohl, dass es sinnfrei ist, sich mit Verve in Spiele gegen übermächtige Gegner wie Bayern oder Dortmund zu werfen. Viel Investition, viel Lob, noch mehr Meriten – nur keine Punkte. Ergo kostet es (Kraft), ohne dass es einen Etrag dafür gebe. So viel Rationalität mag im Leistungssport ehrrührig wirken. Aber um was geht es im Überlebenskampf? Um Schulterklopfer? Um das redliche Bemühen? Es geht, wie immer, nur um Ergebnisse. Und solange die stimmen, in den Partien (siehe oben), in denen es wahrhaftig darum geht, ist das der richtige, der clevere Weg.

Aber es ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Geht Armin Vehs Herangehensweise (auch) gegen Werder Bremen auf, wird es ein noch lauteres Aufatmen in Frankfurt geben als vor zwei Wochen. Es wird ihm wohl auch Respekt einbringen, wenn diese Taktik sich als geeignet und zielführend erweist. Doch wenn es schiefgeht, wird es einen #Aufschrei geben. Denn irgendwann rennen die Wochen plötzlich weg, die Spiele, die man vor dem Anstoß bereits ad acta legte, schmerzen dann doppelt. Das gilt insbesondere für das Spiel in Dortmund. Der BVB gewann vor Anpfiff des Spiels gegen die Eintracht zuletzt im November vor heimischem Publikum. Sie traten (ebenfalls) sichtbar ersatzgeschwächt an. Dass man unter diesen Vorzeichen in Bayernspiel-Manier unter die Räder geraten ist, das ist schon beachtlich. Um von alarmierend nicht zu sprechen.

Klar ist: Der März, schon ab Ende Februar, wird ein Paarlauf der Eintracht mit Hamburg. Sowohl die SGE als auch der HSV spielen in diesen Wochen alle Gegner aus der direkten Abstiegskonkurrenz (ebenfalls drei Mal vor heimischer Kulisse). Hier der Spielplan der Hamburger:

1. März: IN Bremen
8. März: ZUHAUSE gegen Frankfurt
16. März: ZUHAUSE gegen Nürnberg
22. März: IN Stuttgart
26. März: ZUHAUSE gegen Freiburg

Die Eintracht spielt in versetzter Reihenfolge exakt dieselben Teams. Es ist nicht gewagt die These zu vertreten, dass sich zwischen Ende Februar und Ende März entscheidet, wer absteigt: Frankfurt oder Hamburg – unterstellt, dass Braunschweig trotz allem als 18. oder 17. direkt runtergeht. Es kann natürlich auch sein, dass sich Freiburg, Bremen oder Stuttgart gar nicht (mehr) erholen und da einer in akuteste Nöte gerät.

Stand jetzt ist Nürnberg die beste Mannschaft im Tabellenkeller. Sie punkten (dreifach) regelmäßig, verdauen sogar die monatelangen Ausfälle von zwei Stammspielern (Anmerkung: bei der Eintracht ist das ja seit jeher unmöglich). Werder Bremen hat gegen Mönchengladbach zwar Dusel gehabt. Aber auch Stehvermögen. Dieses im Prinzip schwache Team war, ist und bleibt eine Wundertüte. Das größte Potential hat der VfB Stuttgart, Vedad Ibisevic (Sperre) hin oder her. Als Eintracht-Fan sollte man sich die Schwaben vermutlich rausrechnen aus dem akuten Abstiegskampf. Der SC Freiburg macht derzeit wenig Besserungs-Anstalten, an ihnen zerrt der Abwärts-Sog mit am stärksten derzeit. Bei Braunschweig – die eigentlich aber nicht das Potential zum Klassenerhalt haben – muss man die Folgen des Heimsiegs abwarten, es könnte aber sein, dass die sich nun ranpirschen. Der Hamburger SV steckt tief im Morast, ist derzeit die wohl schwächste Mannschaft in der Bundesliga. Doch mit Mirko Slomka kommt nun ein Trainer, der leider kein Blinder, dem es zuzutrauen ist, den HSV in der Liga zu halten.

Bleibt der Blick auf die SGE. Wie ist sie einzuschätzen? Zwei blutleere Auftritte, die in Klatschen mündeten, ein ungefährdeter, souveräner und gut herausgespielter Sieg gegen das Tabellenschlusslicht. Zwischen diesen Extremen einen Leistungsmedian ermitteln zu wollen ist fast unmöglich. Zu schlecht für die Guten, zu gut für die Schlechten? Es wäre zu hoffen.

Auch wenn das Mittel des Abschenkens absurd, mindestens aber unkonventionell wirkt, ist die Mannschaft wenigstens nicht skibb´esk heruntergewirtschaftet. Sie scheint Vehs Plan zu folgen, den richtigen und erfolgsversprechenden Gang in den für sie wesentlichen Spielen zu finden (nimmt man das Pokalspiel gegen Dortmund hinzu). Das Team kann Kraft und Leistung dosieren. Diese  Punkte sind vielleicht die entscheidenden Aspekte dafür, dass die Eintracht nicht die schlechtesten Chancen hat im Kampf um den Klassenerhalt. Das kann sich natürlich am kommenden Sonntag ändern, wenn man Werder Bremen zuhause nicht bezwingt.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Ritt auf der Rasierklinge

  1. Herr Schnitzelmann

    Vehs Plan hin oder her, die „Verstärkungen“, die man geholt hat reichen wohl nur dazu aus, dass man sich 4 oder 5 Buden fängt und das mit möglichst wenig Gegenwehr.
    Da kann man dem Manager und seinen Scouts eigentlich – mal wieder – nur gratulieren.
    Das Geld hätte man sich, angesichts der Qualität, die von diesen Leuten gebracht wird, getrost sparen können und, wenns eh Wurst ist wie hoch die Klatschen ausfallen, auch mal den eigenen Nachwuchs ranlassen können.
    Aber das wäre ja nicht Frankfurter Art. Das Leistungszentrum hat man ja, so macht es den Anschein, nur gebaut, weil das gerade im Trend liegt.
    Was man damit eigentlich macht, dass scheint man in Frankfurt gar nicht begriffen zu haben.
    Und ja, ich stimme mal wieder zu, wehe der Plan geht nicht auf und man versaut sich die Tordiffernez ohne das dabei dann im Gegenzug Punkte rumkommen. Dann siehts bald ganz finster aus.
    Zudem kann man Zambrano nicht auf ewig schonen, er wird irgendwann seine Gelbe bekommen und dann drausen sein. Was dann? Schenkt man diese Partie dann auch gleich ab?

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