SR20 und die Gala von Porto

Ein herzliches Dankeschön an Sebastian Rode. Dafür, dass er jedem BezirksligaSspieler zeigt, dass die qualitative Distanz zwischen millionenschwerem Profifußball und kicken auf dem Rübenacker weitaus geringer ist als man es meinen sollte. Man muss weder Torschüsse können, noch Passspiel beherrschen. Man darf nach Belieben Bälle verlieren – Hauptsache man rennt dem verloren gegangen Ball dann möglichst agil hinterher.

SR20 hat es binnen weniger Tage beinahe geschafft, Eintracht Frankfurt erst aus dem DFB-Pokal und dann aus der Europa Leauge zu befördern. Ein zum wahrhaft unverzichtbaren Spieler gewordener, die größte Waffe – für den jeweiligen Eintracht-Gegner. Pep Guardiola, da hat er ab Sommer wahrhaftig einen Rodediamanten zu schleifen. Bei dem Fall werden aber wohl selbst des Spaniers Kunsthände bald stumpf.

Dennoch: Am Ende rissen es Rodes Sportskameraden – allen voran Marco Russ (als linker offensiver Mittelfeldspieler!) und Sebastian Jung – raus gegen den portugiesischen Serienmeister aus Porto. Joselu via Sonntagsschuss, Marco Russ mit unbängidem Willen, Gegnerhilfe und einer Eintracht, die vermutlich selbst nicht so recht weiß, wie sie trotz so vieler Leistungsausfälle (Rode, Flum, Meier, Oczipka) die Partie so drehen, damit Europa so offen halten konnte.

Gegen einen FC Porto, der zwar technisch besser war, flinker, wendiger – aber keineswegs beherrschend, dominant, gar furchteinflößend spielte. Dieser Jackson Martinez, gut, der ist eine Granate. Aber sonst war da doch viel fades Gekicke in blau-weiß. Und es war klar, dass Porto unter Druck gesetzt werden muss, dass sie einen dünnen Torwart haben, dass sie frech bespielt werden müssen – dann konnte was gehen, dann ging auch was.

Es war ein merkwürdiges Spiel. Eine (zu) passive Eintracht in der ersten Halbzeit, kassierte ein aus dem Spielverlauf folgerichtiges Tor. Das zweite Gegentor fiel aus dem Nichts, gerade weil die Frankfurter zu diesem Zeitpunkt besser, aktiver ins Spiel gefunden hatten. Als es dann so schien, als sei der Ofen aus, fing die Mannschaft an, Fußball zu spielen. Sie stand höher, verschob aggressiver zu Ball und auf den Gegner, spielte flache Pässe (im Gegensatz zu dem Langholz aus der ersten Halbzeit) und kam dann zu einem Duseltor, der einen Auswärts-Butze, die man in diesen internationalen (Auswärts)Spielen eben braucht. Die erste Hälfte war, taktische Maßgabe hin oder her, nicht gut. Das sieht Armin Veh anders, darf er aber auch. Danach sah vieles besser aus, obwohl die schwächeren Spieler an diesem Tag auch dann noch nicht recht ins Spiel fanden. Kollektiver Wille, Frechheit und Glück haben es am Ende geregelt – das darf ruhig auch mal so sein.

Bremen in Gedanken kurz (!!!) überspringend, darf einem der SGE-Auftritt, zumal das Ergebnis, Zuversicht für das Rückspiel einflößen. Da geht was, von dieser Ausgangsposition unabhängig. Da steht keine Übermannschaft als Gegner auf dem Feld. Sie lebt von ein, zwei Säulen, auf die sich alles stützt: eben vor allem auf jenen J. Martinez. Schaltet die Eintracht den aus, hält ihn in Schach und spielt selbst so nach vorne, wie in Teilen der zweiten Hinspiel-Halbzeit, tritt das ein, was ich schon vor Anpfiff prognostizierte: Die sind machbar. 

Unabhängig von dem, was nun geschieht: Die Eintracht hat sich würdig präsentiert, hat uns und eine Fußballnation ehrenvoll vertreten. Sie war erfolgreich, hat Geld eingenommen und Reputation gewonnen. Die (Pryo-Idioten ausgenommen) Fan-Völkerwanderungen taten ihr übriges. Da es die letzte internationale Qualifikation für lange Zeit gewesen sein wird, kann eine ganze Fan-Generation nun von diesem Funken Ruhm zehren. Danke, Eintracht, dafür!

In Gedanken zurück zum wichtigen Spiel gegen Bremen: Das wird eine schwere Partie, ein schwerer Gegner. Trotz allem. Bundesliga ist Bundesliga. Der meiste Rest ist Käse.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “SR20 und die Gala von Porto

  1. Ihr zeigt ja nicht mal Eure Namen. Ihr Feiglinge !!!

  2. Wenn SR richtige Mitspieler hat, die sich auch mal bewegen, kann er auch seine Stärken ausspielen. Ich find es schade, dass „Eintracht Fans“ den SR jetzt wo er geht so angreifen. Ich wünsch ihm alles Gute für die Zukunft.

  3. Jermaine Jones Junior

    Man kann das Glas halb leer oder halb voll sehen. Insgesamt war das ein gelungener, defensiv stabiler Auftritt mit effizienter Chancenverwertung (beim 1. Eckball des Spiels gleich das 2:2 machen). Man merkte der Mannschaft schon großen Respekt gegen einen Dauer-Champions-League Teilnehmer an, der sich in der 2. Halbzeit legte. Ich freu mich auf SSC Neapel.

    • Dreiviertel voll ist das Glas! Am Ende muss bei der Spielbewertung in beide Richtungen, egal ob schlecht oder gut gespielt, gelten: Das Ergebnis zählt.

      Ich finde es nur verwunderlich, dass man diesmal seine 10 Dominanz-Minuten fand, obwohl es darauf angesichts von vielen Einzel-Mager-Leistungen nicht hindeutete. Das halte ich mit einem Tag Abstand übrigens für ein gutes Zeichen. Wenn wir es schaffen, mit drei, vier Spielern die nicht auf der Höhe sind, so ein Spiel rumzureißen – dann ist da a) das Team intakt und b) Qualität vorhanden.

      Aber Neapel oder Wales buche ich noch nicht.

  4. Herr Schnitzelmann

    Ich will nicht in die gleiche Kerbe hauen, aber man fragt sich bei jedem Auftritt von SR, für welchen Job hat der bei den Bayern unterschrieben.
    Wenn er mal den Ball nicht so prallen lies, dass er gleich wieder weg war, dann hat er ihn halt verdändelt.
    Und Flum? Was war das denn. Das muss man auch erst mal können, ohne Bedrängnis den Ball so oft zum Gegner zu spielen.
    Alles in allem, die Abwehr steht gut, das Mittelfeld schon nicht mehr so und vorne kam meist nix mehr an.
    Man merkt der Mannschaft wieder einen Willen an, dagegen zu halten und das selbst nach einem 2:0 Rückstand.
    Die Moral und die Einstellung stimmen, das macht Mut für die schweren Aufgaben in der Rückrunde.

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