Fragen an die Taktikfüchse

Ich brauche eure Hilfe. Dabei, das Konzept und die Grundformation sowie Spielidee von Eintracht Frankfurt zu entschlüsseln. Denn ich bin nach dem Konzeptlos-Kick gegen Bremen an meinen Grenzen angelangt.

1. Bastian Oczipka: Ich habe mich nochmal vergewissert, er ist wirklich Linksfuß. Und er ist auch auf dem linken Flügel aufgestellt. Bemerkenswert ist jedoch, dass er – wenn er nicht um sich selbst kreiselt – immer, und zwar wirklich immer in die Mitte zieht mit dem Ball. Das, so will es die Physik, resultiert darin, dass er den Ball stets auf seinem schwächeren rechten Fuß hat. Das ermöglicht keine Flanken, keine Schüsse, keine präzisen Pässe. Und wenn er sie mal schlägt, dann sind es – wie gegen Bremen – ausschließlich Flanken aus dem Halbfeld. Zur Grundlinie geht er nie durch.

Meine Frage ist: WIESO spielt er so? Ist das Anweisung vom Trainer (eine affige, wenn es so wäre) oder ist es seine Spielweise (absurd, wenn es so wäre)?

2. Marco Russ: Ich habe mich nochmal vergewissert, er ist wirklich gelernter Innenverteidiger. Und er war sowohl gegen Porto als auch gegen Bremen als linker offensiver Mittelfeldspieler aufgestellt, bzw. hielt sich dort auf, wo es ein Außenmittelfeldspieler zutun pflegt. Ihm wird der Ball zugespielt und er soll sich dann a) im 1:1 durchsetzen, b) flanken, c) Kurzpass-Kombinationen initieren.

Meine Frage ist: WIESO stellt man so auf? Was soll ein zentraler Defensivspieler, der alle Anlagen für einen Außen nicht mitbringt, auf der offensiven Außenbahn bewirken?

3. Sebastian Rode: Ich habe mich nochmal vergewissert, ist wirklich defensiver Mittelfeldspieler, zu Drittliga-OFC-Zeiten kam er in der Tat oft über den Flügel. Denn dort, in den untereren Klassen ist Tempo ein Faktor, der den Unterschied macht. In der Bundesliga ist Geschwindigkeit jedoch relativ, da auch die Verteidiger nicht lahm und hüftsteif sind. Gegen Bremen verzettelte er sich abermals bei Passspiel im gegnerischen Drittel, vergab aus fünf Metern und sorgte für keine Impulse im Angriff.

Meine Frage ist: WIESO stellt man ihn im offensiven Mittelfeld auf? Was soll ein nachweisbar abschlussschwacher und passungenauer Spieler in Angriffsnähe?

Das gesagt, muss man festhalten, dass das ehemals als Prunkstück bezeichnete Mittelfeld die Hauptbaustelle geworden ist. Ganz einfach deshalb, weil keine Offensivspieler im Kader stehen bzw. so etwas wie Form besitzen. Es wird mit vier Spielern ein Mittelfeld gebildet, die allesamt ihre Stärken im Defensivbereich haben (Flum, Rode, Russ, Schwegler). Auch der Kapitän, der zwar den Takt vorgeben soll und dem man eine gewisse und wichtige Fehlerlosigkeit im Aufbau bescheinigen kann, ist niemand für das Ankurbeln. Er hat andere Stärken. Umso wichtiger wäre es, auf den Außen die Dynamik und Durchsetzungsfähigkeit, gerade im 1:1 zu besitzen. Doch während Aigner in diesen Wochen den Gang nicht so recht einlegen kann, ist Inui das, was er in Bochum schon war: Ein Ärgernis, das nur kurz mal aufblühte. Dazu gesellen sich mit Jan Rosenthal und Vaclav Kadlec zwei, die man nun, nach 22 von 34 Spieltagen durchaus als Fehleinkäufe bezeichnen kann.

Wir laufen Gefahr, eine Saison der Konjunktive hinzulegen. Hätte Meier das Tor gemacht, wäre der Ball von Joselu reingekullert, hätte man die Hochkaräter in Freiburg versenkt … Am Ende steht die Bilanz, 22 von 66 möglichen Punkten geholt, so wenige Tore wie kaum ein anderes Team geschossen und zwei Spiele mit Klatschen abgeschenkt zu haben. Die Ernüchterung ob des Eintracht-Diletanten-Fußballs ist jedenfalls groß. Die Anzeichen, dass es ausgerechnet gegen den VfB Stuttgart zu einem Sieg reichen sollte, lassen sich nur unter der Lupe erkennen.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Fragen an die Taktikfüchse

  1. Sebastian Weber

    Also dann fangen wir mal an.

    Zu 1: Bastian Oczipka war in der letzten Saison einer der besten Flankengebern und Vorberreitern der Liga. also kann das momentan andauernd praktizierte in die Mitte ziehen eigentlich nur eine Anweisung sein, bzw. ist er letztes Jahr auch eher selten zur Grundlinie gezogen und evtl. wissen jetzt alle das er gerne von 20 Metern Flanken schlägt und stellen ihn dementsprechend zu, das ihm keine andere Wahl bleibt. Jedenfalls hat mir Constant in den letzten Wochen besser gefallen.

    Zu 2: Das ist eine relativ einfache Sache. In Porto wollte AV defensiv stabil stehen und die gefährlichen Aussen in Schach halten. Marco wurde deshalb im Mittelfeld aufgeboten und hat das dort ja auch ordentlich gemacht. Wegen der guten kämpferischen Leistung wollte AV die Aufstellung nicht verändern, und genau das war ein riesiger Fehler gegen Bremen muss man zuhause gewinnen und nicht mit ner Sicherheitsaufstellung spielen.

    Zu3:Hier ist es ähnlich wie bei Russ, nur das AV Rode schon des öfteren dort aufgeboten hat. Rode kann Druck machen und durch seine Dribblings für Gefahr sorgen, Jedoch bekommt er seit knapp einem Jahr kein Bein mehr auf den Boden, deswegen kann ich auch nicht verstehen warum er immer wieder spielen darf.

    Was mich am Sonntag und in Porto schon sehr geärgert hat war Alex Meiers Spiel. Er ist in der Spitze absolut verschenkt und könnte unserem Mittelfeld wieder mehr variabilität verleihen. In Porto kam er überhaupt nicht ins Spiel da er nur vorne zugestellt war. Und gegen sehr tief stehende Bremer hat er sich immer schön fallen gelassen und den Ball verteilt ist dann aber immer wieder in den 16er gestürmt wo er von Gegenspielern umzingelt war. Seine Stärke im Zwischenraum von Viererkette und DM des Gegners zu agieren und aus der tiefe des Raumes zu kommen ist somit komplett abgestellt. Er braucht öfter den Ball um ins Spiel zu kommen und dann bekommt er seine 2-3 guten Szenen und macht das entscheidende Tor.

    Ein besonderes Ärgernis waren auch die Standarts also bei solchen Ecken gibst du am besten direkt dem Gegner den Ball dann ist man beim Angriff wenigstens gut aufgestellt und wird nicht ausgekontert. Bei einer solchen Vielzahl an großen Spielern müssen die Ecken einfach besser kommen ansonsten ist es wirklich Unsinn die überhaupt auszuführen.

    Was im Moment für uns die beste bzw. bessere Aufstellung ist weiß ich auch nicht, es sind einfach zu viele Spieler ausser Form. Aber prinzipiell kann man sagen ist ein 4-4-2 mit Raute die defensivere Aufstellung. Man benötigt 3 ZM und ein OM das wäre mit starken Aussenverteidigern die Aufstellung die uns am ehesten entgegen kommt, bei der momentanen Spielerdecke. Allerdings ist ein 4-2-3-1 variabler und offensiver und somit ist gegen Gegner wie z.B. Bremen ein solches System sinnvoller wenn man die entsprechenden Spielertypen hat und diese in Form sind um auf Bundesliga Niveau mitzuhalten. Und genau das ist im moment unser Problem unsere Spieler sind bis auf 2-3 Ausnahmen total ausser Form, bzw. waren sie nur ein halbes Jahr je in einer Bundesligatauglichen Form. Falls wir es schaffen sollten und die Klasse halten muss mMn. ein großer Umbruch her und mit einigem Geld eine wirklich fähige Truppe aufgestellt werden. Aber im Prinzip ist bei einer Transferpolitik wie der unseren eine solche Situation ja nicht gerade verwunderlich, wir habe bis auf Flum, Aigner und Rosenthal nur Bankdrücker oder Wundertüten verpflichtet, und das seit dem Wiederaufstieg, das kann klappen oder total in die Hose gehen.

  2. Jermaine Jones Junior

    Dass Oczipka ins linke offensive Mittelfeld gehört, sage ich schon seit Monaten. Da kann er endlich mal bis zur Grundlinie laufen und flanken. Ich weiß auch nicht, was sich AV dabei gedacht hat. Marco Russ auf diese Position zu bringen, naja, ist wahrscheinlich den Trainingseindrücken geschuldet. Aber im Stressfall kommt trotzdem nichts bei rum.
    Bei Sebastian Rode kann ich mir nur denken, dass er von allen Alternativen im Moment die am wenigsten beschissenste ist. Ich glaube ganz einfach, und dass hat AV ja irgendwann in der Vergangenheit ja mal gesagt, dass man echte Eindrücke und Rückschlüsse aus Bundesligaspielen gewinnen kann, aber niemals aus dem Training oder Testspielen. Das war nämlich vergangene Saison so, als in der Rückrunde Olivier Occean als einzige echte Spitze aus dem Kader geflogen ist und AV es stattdessen mit Aigner und Inui ausprobierte. Das hat damals ja nicht so geklappt und wurde von vielen, sehr vielen kritisiert. Nun hat es AV im Spiel gegen Braunschweig probiert (Kadlec und Aigner) und Eintracht Frankfurt hat souverän mit 3:0 gewonnen. So abgedroschen es klingt: Man muss AV diese Chancen geben lassen, damit er seinen Kader immer besser kennlernt und welche Alternativen er ausschließen kann und welche nicht.

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  4. Na_ich

    hab das schon auf tm.de in der Winterpause gesagt, dass das ZM die größte Schwachstelle ist.
    Viel zu wenig spielerische Kreativität ist dort unterwegs und trotzdem stellt dieser Hornochse mit Schwegler, Flum und v.a. Russ und Rode Leute auf, die das einfach nicht können. Dafür müssen dann Spieler wie Aigner, Barnetta, Kadlec oder Inui auf der Bank bleiben.

    Deswegen will ich Veh auch weghaben. Er hat diesen Kader zusammengestellt und da kommt nix bei rum. Das ist Geldverbrennung pur.
    Das nicht jeder Transfer einschlägt, kann ich irgendwie verstehen, aber da zieht ja keiner was. Höchstens noch der Joselu.

    Meiner Meinung nach sollte man gegen (vermeintlich) schwächere Gegner Schwegler und Flum im ZM aufbieten und davor eine offensive Dreierreihe bilden, bestehend aus dem ewigen Meier, sowie Aigner/Kadlec und Barnetta/Inui, ja sogar zur Not den Schröck würde ich reinschmeißen.

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