Am Ende bleibt die Trauer

Nackenschlag, Genickschlag, Rückschlag. Es ist der typische Gang, die typische Emotion, von Eintracht Frankfurt und den Fans. Nichts wird einem geschenkt, nicht eine Portion Glück und Freude. Es reicht nicht, auszuscheiden aus der Europa League. Nein, die Sensation muss bis 4 Minuten vor Schluss möglich, so gut wie sicher sein – damit es noch mehr schmerzt, dass es letztlich (mal wieder) nicht geklappt hat.

Der Abstieg wäre die logische Folge einer Saison, in der dieses Team zwar enormen Aufwand betreibt, aber nie dafür belohnt wird. Was will man der Mannschaft, dem Trainer nach diesem Spiel vorwerfen? Dass es gegen einen Gegner, der sichtbar zwei Klassen besser ist, nicht zum Sieg gereicht hat? Dass nach den Auswechslungen des bärenstarken Joselu und des agilen, aber platten Aigner die Partie spürbar kippte? Ja, das kann man als Kritik formulieren. Wenigstens Joselu hätte bleiben sollen. Aber seien wir ehrlich: Wahrscheinlich wäre es auch so in die Binsen gegangen. Zu kaputt die Eintracht, zu sehr in der Lage, einen Gang hochzuschalten war Porto.

Die Stimmung, die Extase nach den Eintracht-Toren – wer das verpasst hat, wer sich gar nicht für Fußball zu interessieren glaubt, hat unglaubliche Emotions-Erruptionen verpasst. Unter den 48 000 zu sein, die sich dieses unglaubliche Spiel im Waldstadion anschauen durften, das war schon etwas wert. Die Choreografie, das Einpeitschen, diese Minuten zwischen der 34. und 40. – einmalig. Ebenso die Bitterkeit nach dem 3:3. Ein Abstieg kommt in der Regel prozeussual, man spürt es, sieht es kommen, die Tabelle spricht über Wochen eine klare Sprache. Im KO-Modus durften wir dran schnuppern am großen Wurf – und bekamen dann wieder mal eines in die Fresse. Das nervt, das raubt Kräfte. Und steigert die Liebe zu dieser Mannschaft, zu diesem Verein.

Fakt ist, dass ich noch nie so niedergeschlagen aus dem Stadion ging. Das war brutal, eine unmenschliche Folter für Nerven und Emotionen. Bayern, Dortmund, Schalke, Leverkusen? Da lache ich mir den Arsch ab! Die kennen sowas doch gar nicht. Die, auch die Fans sind dieses internationale Gekicke doch schon sowas von gewöhnt, die wissen doch gar nicht zu schätzen, was das bedeutet, was sie da sehen. Dann gucken wir uns mal das an, was da in Frankfurt geschehen ist – DAS, liebe Leute, ist Emotion, Hingabe, Mitfiebern. DAS ist etwas Besonderes.

Und dafür bin ich dankbar. Dankbar dafür, dass mein Herz einem unperfekten Verein gehört, der mich feiern und hassen lässt, der mich mitreißt. Den ich verfluche, den ich vor Liebe verschlinge. Für auch noch so bittersüße Momente wie an diesem Donnerstagabend, dafür liebe ich Fußball, meine Eintracht, das Umfeld, diese Fans.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Am Ende bleibt die Trauer

  1. Herr Schnitzelmann

    Ich bin ja hier, die geographische Lage ist wohl schuld daran, umringt von Bayernfans, Und ich frage die dann regelmäßig, ob es nicht langweilig ist, die Siege nur noch abzunicken. Also mir wäre es zu langweilig. Aber die weinen dann halt, wenn Bayern „nur“ 2.ter wird. Das ist für die der emotional gefühlte Abstieg.
    Vergleichbar ist es in meinen Augen nicht aber jeder so wie er kann.
    Wer halt mit Niederlagen und Nackenschlägen nicht umgehen kann, wer Silber als Niederlage sieht, der muss halt Fan des FCB werden.

    Zum Spiel gestern sei noch angemerkt, das ich mich schon Frage, warum man beim Stande von 3:2 nur noch mit 2 Mann hinten steht und in so einen dermaßen doofen Konter läuft.

    Aber seis drum, die Mannschaft lebt, auch wenn man an so einem Abend dann doch die technischen Defizite im Spiel deutlich sieht.
    Die Moral scheint zu stimmen. Nur die Taktik kann ich manchmal leider nicht nachvollziehen.
    Was auch unheimlich auffiel, dass die Rechte Seite (ohne Rode) mit Aigner noch viel mehr Dampf machen kann.

    Ich hoffe mal, dass die Mannschaft jetzt nicht in ein Loch fällt, obwohl ich irgendwie das Gefühl nicht loswerde, dass man die Punkte gegen Stuttgart wieder herschenkt, bzw. evtl. der Schiri wieder nachhilft, dass es mindestens ein für Stuttgart schmeichelhaftes Unentschieden wird.
    Es wäre einfach schön, wenn wir das Ding am Sonntag gewinnen würden und somit endlich mal einen kriselnden Club besiegen könnten und nicht wieder den Aufbaugegner geben würden.
    Aber ich befürchte das bleibt ein frommer Wunsch.

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