Der Durchbruch

In einem Spiel, in dem alles gegen die Eintracht läuft, in dem sie das schwächere von zwei schwachen Abstiegskandidaten-Teams ist, gewinnt sie. Dieser Heimsieg, das 2:1 in den Schlussminuten, ist der ersehnte Sieg gegen einen direkten Konkurrenten, der Bruch des Schlussphasen-Banns und vor allem ist es der dreckige Dreier, der für den Kopf so eminent wichtig ist. Nach dem Nackenschlag gegen Porto, den man diesem Team bis auf die letzte Körperzelle anmerkte, wirkt dieser Heimsieg – nach 13 Jahren ohne solchen gegen Stuttgart – wie das Unwahrscheinlichste, das hätte passieren können.

Und lange sah es auch nach einer ohne Gegenwehr zustande gekommenen Pleite aus. Da lief nichts, gar nichts zusammen bei der Eintracht. Einzig Tranquillo Barnetta, dem nicht alles gelang ,der aber wenigstens mal Zug ins Spiel brachte, verdiente sich Lob. Sonst war das nicht nur spielerische Magerkost, auch kämpferisch war das nichts. Es war eine Fehlpassorgie, ein elend langsamer Kick und es schipperte alles in Richtung Niederlage. Dann kamen diese 77. Minute, die grotesken Patzer von Carlos Zambrano und von A. Maxim, der den Sargnagel in dieses Spiel, in Eintracht Frankfurts Wahrheits-März hätte rammen können, nein, müssen. Und als ob der Fußballgott sein Trikot von blau-weiß in schwarz-rot gewechselt hätte, bleibt Frankfurt am Leben, schießt zwei Minuten später das 1:1 und bringt in der 90. Minute ein ganzes Stadion in emotionale Wallung.

Was Johannes Flum, der so arg gescholtene – zuletzt aber sichtbar verbesserte – Mittelfeldmann in dieser 90. Minute zeigte, das kann man nur mit weltklasse betiteln. Er wird gewusst haben, dass man ihm das Messer an die Kehle hätte setzen wollen, wenn er im 16er den Ball im Dribbling verdaddelt. Er geht dennoch das Risiko, sucht und findet den Tunnel und hat dann noch die Eier, das Ding zurückzulegen. Würde ein Cristiano Ronaldo so einen Ritt hinlegen, der Sabber würde den Betrachtern und Bewertern aus dem Mundwinkel laufen. So war es Johannes Flum – und die Szene wird abgeheftet.

Zuvor blieb bereits der ausgepfiffene Jan Rosenthal arschcool und schob zum 1:1 ein – nach einem perfekt antizipierten Laufweg und Kopfballpendel-Pass von Marco Russ. Anstatt querzulegen und Stefan Aigner einschieben zu lassen – das spürte man – wollte Rosenthal selbst treffen. Er wollte den Mittelfinger in Richtung all jener Kritiker zeigen, die ihn seit seiner Einwechslung zur Halbzeit mit Missgunst bedachten. Und ja, ihm gelang abermals äußerst wenig; aber dieses Tor, dieses so überlebenswichtige Tor, wird ihn stärken. Er wird jetzt angekommen sein, so, wie ein ganzes Frankfurter Team nun einen Knoten gelöst haben wird, der einer Mannschaft die Luft abzuschnüren drohte.

Es war eines der miesesten Eintracht-Spiele der letzten 15 Monate – vor allem die erste Halbzeit. Aber sie haben gewonnen, einen quasi verlorenes Spiel. Das ist der Durchbruch. In der kommenden Woche, in Hamburg – ohne jede Europa-Ablenkung – wird Pirmin Schwegler wieder spielberechtigt sein. Er fehlte an allen Ecken und Enden, das war sichtbar. Carlos Zambrano wird nicht nochmal so ein lausiges Spiel hinlegen und ein erstarketer Flum, ein vielleicht in die Spur kommender Rosenthal – endlich sieht es mal nach Licht am Ende des Tunnels aus. In Hamburg nachlegen, für sich selbst: dann ist man aus dem Gröbsten raus. Und was bis 19.10 Uhr am Sonntag noch unmöglich schien, ist plötzlich greifbar. Dem Kraftakt, der Moral, dem Glück sei dank!

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Der Durchbruch

  1. Colgate

    Wie immer ein äußerst treffender Beitrag. Auch wenn ich mich noch nicht traue vom geplatzen Knoten zu reden.
    Und zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt bekommen wir dann wieder so eine Nachricht:
    http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/600351/artikel_veh-verlaesst-die-eintracht—kommt-babbel.html

    • Na_ich

      Das einzig Schlimme an dieser Nachricht ist das Gerücht wegen Babbel.
      Dass Veh geht, finde ich hingegen überhaupt nicht schlimm.

      Er hat, bis auf eine wirklich gute Hinrunde, nichts Großes geleistet und teils Magerkost mit einem Kader abgeliefert, der definitiv Potenzial für mehr hat.

  2. Herr Schnitzelmann

    Der Fluch ist gebrochen: Wir können Teams, die in der Krise stecken, endlich auch wieder besiegen!!!

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