Der Beginn des Exodus

Armin Veh verlässt zum Saisonende Eintracht Frankfurt. Das bestätigte der Verein während einer Pressekonferenz am Montagvormittag. Veh bemängelte die „fehlende Perspektive“ in Frankfurt. Nach Angaben der SGE werde der Trainer aber bis Saisonende Chef des Teams bleiben. Dieses, so sagt Veh, werde im Abstiegskampf nicht negativ durch seine Entscheidungs-Verkündung berührt.

Zitat aus der Frankfurter Rundschau: „Sie versuchen hier alles und machen auch alles, um die Eintracht in der Liga zu etablieren. Aber es sind einfach auch Grenzen da. Und das sind nicht unbedingt meine Ziele.“

Man kann ihn verstehen, den Armin Veh. Er wird in den vergangenen zweieinhalb, drei Jahren Nerven verloren haben, die Zeit bei dem Immer-mal-wieder-Erstligisten hat ihn altern lassen. Der Ritt auf der Rasierklinge hat ihm zugesetzt, und er ahnt, dass es unter den aktuellen Voraussetzungen nicht zu mehr als Überlebenskampf – der mal erfolgreich, mal nicht erfolgreich endet – reichen wird. Sein Schritt ist nachvollziehbar, der Zeitpunkt der Verkündung auf den ersten Blick nicht. Jedoch: Es herrscht nun öffentlich Klarheit, zumal es intern wohl schon seit der Winterpause klar gewesen ist. Der Verein hat(te) mehrere Monate Zeit um sich für den zukünftigen Weg, das zukünftige Modell, das dafür verantwortliche Personal zu entscheiden.

Der Schock ist ein anderer und trägt den Namen Markus Babbel. Dieser weilte vor gut zwei Wochen beim Eintracht-Training, hat somit ganz offensichtlich Aktien an der Veh-Nachfolge. Markus Babbel, der in einer recht jungen Trainerkarriere schon drei Vereine hatte und allesamt nach kurzer Lebensphase nach unten rauschen ließ. Der soll es dann womöglich sein? Man darf gar nicht daran denken. Die Skepsis, die (auch bei mir) gegenüber Armin Veh bei seinem Dienstantritt herrschte, ist Nichts im Vergleich zur Sorge vor einem wie Babbel an der Seitenlinie.

Es läuft in Frankfurt sowieso alles auf einen großen Schnitt hinaus, man könnte von Exodus sprechen. Denn jetzt, wo mit Armin Veh ein – trotz aller Kritik – ein bei den Spielern sehr hoch angesehener Trainer seinen Abschied verkündet, werden sich einige Leistungsträger anschließen. Alexander Meier – wer könnte es ihm verübeln? – wird nicht begeistert von der Entwicklung sein, Sebastian Jung und Pirmin Schwegler sind begehrt, besitzen bieweilen Ausstiegsklauseln, Sebastian Rode ist bereits weg und bei Kevin Trapp sollte man es – so unwahrscheinlich ein Wechsel einer Nummer 1 auch ist – zumindest nicht ausschließen. Für Carlos Zambrano dürften außerdem Summen aufgerufen werden, die die Eintracht nicht ablehnen wird können. Zudem verlassen Leih- und Ersatzspieler, deren Verträge auslaufen, wie Joselu, Tranquillo Barnetta, Constant Djakpa, Martin Lanig, Stefano Celozzi, Tobias Weis den Verein. Ob man weiter mit Takashi Inui, Bamba Anderson und Alexander Madlung plant – auch das ist zumindest fraglich.

Quo vadis, Bruno Hübner?

Natürlich wird in den offiziellen Verlautbarungen der Eindruck weggedrückt, dass in Frankfurt nichts geht, dass man keine Idee hat, was man wie wo verbessern will – und zwar heute, nicht erst 2020. Dabei ist der Stillstand, die Verwaltung des Mangels die trübe Wahrheit. Gepaart mit Vertragswerken, die einen Mannschaftsaufbau erschweren (Klauseln, Leihen) ist das Wort Perspektivlosigkeit durchaus zutreffend.

Einen Trainer zu finden ist daher das leichteste Unterfangen. Sie werden Schlange stehen, die Gescheiterten. Der angesprochene Babbel, auch ein Bruno Labbadia und Thorsten Fink. Dann wird es die Fraktion jener geben, die von Thomas Schaaf sprechen, andere werden U23-Coach Alexander Schur fordern. Streng genommen wäre, wenn dieser Schnitt, wie er sich andeutet, kommt, Schur die einzig konsequente Wahl. Wann, wenn nicht jetzt, würde er seine Chance erhalten wollen?

Bruno Hübner, der seinen Vertrag kürzlich um zwei Jahre verlängerte, muss nun löffeln. Die Suppe, die er mitgekocht hat. Die angesprochenen Vertragswerke, die Klauseln – sie fallen ihm nun auf die Füße. Die Frage wird sein, wer überhaupt von einem Verbleib zu überzeugen ist. Und wann. Die Eintracht wird, wenn es optimal und auf den Klassenerhalt hinaus läuft, erst irgendwann im April eine gewisse Planungssicherheit besitzen. Eventuell wird es sogar Mai – wenn es finster werden und in Richtung Liga zwei gehen sollte. Unter diesen Voraussetzungen wird kein Spieler seinen Vertrag verlängern, es wird auch niemand zu Eintracht Frankfurt wechseln. Wieso auch? Wem würde man ernsthaft dazu raten können?

Und die Ankündigung, dass es nächste Saison nicht mal eine minimale Etaterhöhung geben wird, geschweige denn etwas spürbares, lässt schon erahnen wohin die Transferwünsche gehen. Low budget Kicker noch und nöcher. Da würde es ja aus Vereinssicht alleine schon aufgrund der Gefügigkeit Sinn machen, einen Bittsteller-Trainer zu verpflichten. Jemand, der einen ganzen Verein derart Leben einhaucht, wie Armin Veh – bei all seinen Mätzchen und Fehlern – das getan hat, wird es so schnell nicht geben in Frankfurt. Wie so oft im Leben werden wir irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 2014 spüren, was wir als SGE-Fans an dem Mann hatten. So, wie schon bei vergrätzten Leuten wie Friedhelm Funkel, Christoph Spycher, Ioannis Amanatidis oder Nikos Liberopoulos.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Der Beginn des Exodus

  1. Na_ich

    Was genau haben wir an dem Mann? Guckst du die Spiele? hast du mal gesehen, wieviel Geld wir im Sommer in die Hand genommen haben?
    Und was bekommen wir dafür? Abstiegskampf.

    Vermurkste Saisonvorbereitung, kaum Rotation trotz sichtbar abnehmender Fitness und der nominellen Doppelbesetzung praktisch aller Positionen.
    Kein einziger Transfer hat eingeschlagen, teils eigentlich desaströs bisher.

    Was ich ihm zugute halte, ist die Entwicklung von Bambi und v.a. Zambi.

    Eine ähnliche Leistung nächste Saison und er würde beurlaubt werden.

    Versteh nicht, woher diese Heiligsprechung herkommt.

  2. Oliver

    Die Problematik ist ja nicht neu. Veh’s Abgang wird kaum was an den Verträgen der Spieler ändern. Trapp könnte man wohl noch am ehesten verkraften, wenn Wiedwald bleibt.
    Um viele der auslaufenden oder Leihverträge mache ich mir weniger Sorgen. Viele davon wären froh weiterhin für uns spielen zu dürfen (in der 1. Liga) – wenn wir es denn wollen. Wir haben uns halt zuletzt eher in der Breite ergänzt – von Verstärkungen will ich da kaum reden. Selbst wenn bis auf ein gewisses Gerüst alles wegfällt, wird es kaum schwieriger werden nen Kader zusammen zu bekommen, als es zuletzt schon war.

    Was mich wundert, ist, das wir bei der Breite des Kaders kaum Konkurrenzdruck haben in der Startelf. Bis auf Oczipka / Djakpa und gewissen Kuriositäten im Sturm ist die Startelf eigentlich fix. Lediglich durch Sperren oder Verletzungen kommt es zu Änderungen. Warum eigentlich? Die Ersatzspieler zeigen eigentlich, das sie nicht schlechter sind als der erste Anzug. Dies führt irgendwie zu einer gewissen Zufriedenheit in der Liga und zu den Spielen wie wir sie zuletzt gesehen haben. Spiele ich nächste Saison nicht in Frankfurt, dann spiele ich woanders in der 1. Liga.
    Lediglich die Europa-Spiele waren was besonderes. Da hat sich jeder rein gehängt. Denn da werden nächstes Jahr nur wenige wieder die Chance zu haben. Das mit der extra Belastung kann mir keiner erzählen, wenn nach einem Heimspiel wie gegen Porto – wo nur Schwegler/Russ in der Startelf gewechselt wurden – Stuttgart am Ende niederkämpft. Auch Bremen war am Ende platter als wir, was nicht an der roten Karte lag – die standen nur hinten drin. Hier geht es einzig und alleine um die Einstellung. Die Kerle können spielen, sie haben nur nicht immer die Motivation dazu.

    Also einfach mal die Startelf auf den Positionen 6-11 durchwürfeln. Dann würden die sich wohl auch mal wieder etwas mehr den Arsch aufreißen. Die Breite des Kaders sollte das problemlos zulassen. Eigentlich ist es eine logische Konsequenz daraus.

    Und in Zukunft einfach mal Eigengewächse / No Names im Sturm aufstellen/einkaufen. Wenn die nach 3 Spielen die Form verlieren sind wenigstens keine Millionen verballert worden.

  3. Adlerschnabel

    Ich glaube, einen Babbel wird es hier nicht geben. Man hat in Frankfurt seit Funkels Vertreibung seine Wahl darauf ausgerichtet, ob der Trainer mit dem „schwierigen Umfeld“ klar kommt und von diesem angenommen wird
    (so Bruchhagen bei der Verpflichtung von Veh). Das wäre bei einem stets Gescheiterten nicht der Fall. Es muss ein Mann her, der gewissen Kredit bei den Fans genießt. Einer der nicht gleich nach der ersten Niederlagenserie ausgepfiffen und mit Raus-Rufen bedacht wird und bei dem die Fans – wie bei Veh – auch noch einigermaßen geduldig bleiben, wenn es mal nicht läuft. Das wäre bei einem wie Babbel, denke ich, nicht der Fall. Schur hätte da sicher bessere Karten. Ob der fachlich dann aber mehr als Babbel drauf hat, isch weiß es net..
    Bei dem neuen Dreijahresvertrag mit Alex Meier sei man aber „guter Dinge“, meldet der Kicker. Wenn der Alex aber dann doch nicht bleibt, könnte es auch mit der Suche nach einem brauchbaren Trainer wohl schon deshalb schwierig werden.

  4. Herr Schnitzelmann

    Wie schon geschrieben, sollte man schon längst wissen, mit welchen Leuten man den Kader verstärken will und wenn man richtig professionell sein möchte, dann hat man mit denen schon verhandelt.
    Bei uns wird man nach der WM mit den Überlegungen zur Planung anfangen um dann festzustellen, dass alle Schnäppchen schon wieder weg sind.
    Ich blicke immer neidisch nach Mainz, was dieser Club seit Klopp und auch Tuchel und natürlich Heidel aus seinen Möglichkeiten macht ist phantastisch. Selbst Leute, die bei uns als zu schlecht für die 2. Liga eingestuft wurden, funktionieren dort.
    Sprich weiß ich immer noch nicht, warum wir uns den Luxus eines Managers leisten, wenn er noch weniger bringt als Herri. Wo ist der zugewinn an professionalität? Wo ist der Vorteil gegenüber Bruchhagen?
    Und als noch sensibler ist natürlich die Positon des Trainers. Und da will ich weder Babbel noch Laberdia oder Schaaf sehen.
    Hollt doch am besten das Duo Tuchel / Heidel.

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