Schaaf, it’s for Schur

Wenn man jetzt bei Eintracht Frankfurt schon den Schnitt macht bzw. machen muss – der ja bei / mit dem Ende der Vertragslaufzeit Armin Vehs nur beginnen wird – dann gibt es keinen geeigneteren Zeitpunkt für die Installation des Nachwuchs-Trainers Alexander Schur, als jetzt bzw. nach der Saison – welche, und das geht derzeit unter, noch lange nicht im Klassenerhalt gemündet ist.

Fakt ist, dass viele der infrage kommenden etablierten Übungsleiter massiv makelbehaftet sind (Labbadia und die verbrannte Erde, Markus Babbel und seine Bilanz). Thorsten Fink oder Holger Stanislwaski, die man auch niemandem wünscht, werden im Falle einer Thomas-Schneider-Entlassung zu Stuttgart gehen. Thomas Schaaf hat nur die Ein-Trainer-Station Bremen. Mirko Slomka wäre wohl die beste Wahl gewesen, der ist aber weg vom Markt – und auf den HSV-Abstieg und ein Freiwerden Slomkas zu setzen, ist viel zu hoch gepokert. Bleiben die namhaften Unerfahrenen wie Stefan Effenberg, gar Halodri Lothar Matthäus. Das wird sich in Frankfurt, wohl nirgendwo, jemand antun. Und die Schar „junger, unverbrauchter Konzepttrainer“, dieser wird in den kommenden Wochen ebenfalls wieder das Wort geredet werden – so nervig und populistisch das auch ist.

Alexander Schur hat jedenfalls im Jugend- und Reservebereich Frankfurts Erfahrungen sammeln können. Er hat demnach auch Wissen und Gefühl dafür, welche Nachwuchsspieler man bei den Profis einsetzen könnte. Die B-Jugend des Vereins führte er 2010 zur Deutschen Meisterschaft (Zum Vergleich: Mainz‘ Thomas Tuchel wurde zwei Mal A-Jugend-Meister vor seinem Profitrainervertrag). Jedoch: Von der damaligen Meistermannschaft hat bis heute (die Spieler sind alle Jahrgang 1993, also 20, 21 Jahre alt) niemand den Sprung in die Profimannschaft geschafft. Nur Sonny Kittel und der 3. Torwart Aykut Özer sind mehr oder minder Teil des Teams. In der aktuellen U23 spielen nur noch Erik Wille, Alexander Hien und Sonny Kittel aus dem 1993er-Jahrgang. Zu den Profis, so darf man schließen, hat Schur keinen Spieler geführt – wobei so etwas sicher nicht nur am Nachwuchs-Trainer liegt.

Sascha Lewandowski, der Ex-Co-Trainer von Bayer Leverkusen, ist ebenfalls bereits genannt worden. Er ist Chef-Nachwuchstrainer bei Bayer, spricht selbst davon, dass er erst in zwei, drei Jahren in den Profibereich zurückkehren würde wollen – was auch immer solche Aussagen in dem Millionengeschäft Bundesliga wert sind. Dennoch: Würde man ihn verpflichten wollen, könnte man auch bei Schur bleiben. Das eine Jahr mit Topteam im Schatten von Alphatier Sami Hypiä dient nicht gerade als DER Leistungsnachweis, dem man den Meriten eines A. Schur vorziehen müsste.

Nimmt man alle Indizien zusammen – vor allem die Faktoren des nachgewiesenen Könnens, der öffentlichen Akzeptanz und Heribert Bruchhagens Faible für erfahrene Trainer – läuft es auf ein Engagement von Thomas Schaaf hinaus. Dessen Neigung zu brutalem Offensivfußball, welchen Bruno Hübner auf der Pressekonferenz am Montag zum Leitbild des Teams erhob, ist bekannt. Er, der Erfahrene, hätte sicher auch im Umfeld einen Kredit, lässt sich – ähnlich wie Armin Veh – auch in seiner Persönlichkeit nicht verbiegen. Das Problem: Thomas Schaaf war einzig in Bremen tätig. Einem Verein, mit dem er nach einigen zählbaren Erfolgen über die vergangenen Jahre immer weiter abschmolz. Niemand kann auch nur mutmaßen, ob er in einem anderen Umfeld, einer anderen Stadt, einem anderen Geflecht funktioniert – oder nicht. Ein Gutteil des Kaders, sofern dieser  nicht angesichts der Vertrags-Unklarheiten, Klauseln und Leihen zum Gerippe wird, dürfte in Schaafs Philosophie passen. Mit Schaaf als Macher könnte man jedenfalls ein Signal an die Mannschaft und neue Spieler senden, dass man mittelfrisitg etwas Bestimmtes vorhat, eine Idee entwickelt, wie man etwas erreichen will. Denn dieser Trainer steht für einen klaren Kurs: Chancen kreierende Offensive, anfällige Defensive.

Eine Alternative zu Schur oder Schaaf heißt Oscar Corrachano. Eine andere Kosta Runjaic, der bei Kaiserslautern um seinen Job fürchten muss. Doch gerade bei letzterem muss man konsequent kritisch fragen: Mit einem fast deckungsgleichen Kader wie Eintracht Frankfurt 2011/2012 droht er den Aufstieg zu verpassen – wäre das tatsächlich eine geeignete Bewerbung?

Ein Wagnis, ob es Thomas Schaaf oder Alexander Schur heißt, wird der Verein eingehen müssen. Jeder andere Name wäre ein Kompromiss, der es sowohl nach außen von Tag 1 an schwer hätte, als auch nach innen.

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16 Kommentare

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16 Antworten zu “Schaaf, it’s for Schur

  1. Es gibt deutlich miesere Trainer als Holger Stanislwaski…

    • Ja, Michael Skibbe. Aber es gibt auch deutlich bessere als Stanislawski – da ist mir zu viel Emotion, zu wenig Ruhe drin bei diesen Typen.

      • Na_ich

        Find den Stani auch nicht so gut. Er war bislang bei drei Stationen und gerade bei zwei, die für die jeweiligen Ligaverhältnisse gut Geld haben, ist er nicht wirklich gut gewesen.
        Pauli war den Umständen entsprechend ok.

        Ist für mich, genauso wie Büskens, total überschätzt.

  2. Herr Schnitzelmann

    Tuchel hat sich als junger und völlig unerfahrener Trainer in Sachen Profifussball durchgesetzt.
    Das sowas nicht möglich ist, wenn man nicht einen starken Charakter hat, sollte eigentlich klar sein. Das man also ein gewisses Selbstbewußtsein braucht und das auch in der Öffentlichkeit zeigen muss, das gehört dazu. Wer sich, um blöde Fussballerphrasen zu gebrauchen, im Haifischbecken Bundesliga durchsetzen möchte, muss halt zum Hai werden, oder schon einer sein!

    Warum Tuchel als unsympatisch in Frankfurt gilt, liegt aber, so glaub ich weniger an seinem Auftreten, als das er als Nobody Erfolg hat.
    Neidisch schaut man rüber zum kleinen Karnevalsverein und kann nicht verstehen, warum die über Jahre jetzt schon erfolgreicher sind als die traditionsreiche SGE und das auch noch mit einen völlig unerfahrenen Trainer. Er ist einer der das Spiel versteht und bereit ist, Neues auszuprobieren. Dazu noch ein guter Taktiker, also keiner, der gegen Dortmund oder Bayern den B-Kader aufs Feld schicken würde! Und wenn er das machen würde, dann nicht mit dem Hintergedanken, gute Leute zu schonen sondern, um Spielern, die er besser für das Spiel geeignet sieht, zum Einsatz zu bringen. Und ich glaube so würde es danna auch bei den Spielern ankommen.

    Auf mich wirkt Tuchel zudem keinesfalls unsympathisch, sondern vielmehr zielstrebig, ehrgeizig und engagiert.

    Unsympathisch wirkte auf mich manchmal unser Veh. Z.b. wenn er sich mit Spielern anderer Mannschaften anlegte. Stichwort Düsseldorf oder wenn er unsere Mannschaft klein geredet hat.

    • Na_ich

      Naja, um ehrlich zu sein, würde ich mitten in oder vor schweren Wochen ebenfalls meine A-Elf schonen, wenn es gegen den heutigen FCB geht.
      Gegen den BVB, in Dortmund, ist die Wahrscheinlichkeit auf einen oder gar drei Punkte derzeit ebenfalls gering.
      Von daher kann ich diesen Schachzug absolut nachvollziehen.

      Ansonsten kann man dem Gesagten nur zustimmen.

      Wenn man glaubt, dass Schur ähnliche Anlagen hat, dann soll man es mit ihm probieren.

      Ein Kollege hat den Trainer von KSC ins Spiel gebracht. Hat dort die Jugend trainiert, hat die Profis trainiert. Scheint mit wenig Finanzen viel rausholen zu können. Eigentlich perfekt für uns.

  3. IndoAdler

    Ich hätte gerne so einen Mann..

    • IndoAdler

      ..in symphatisch, aber mit dem Feuer.

      • Sebastian Weber

        Naja in dem Video kommt er ja sehr sympathisch rüber. Aber ist schon klar was du meinst. Der letzte Satz ist aber sehr richtig und gerade für die Eintracht wäre es gut wenn man den beherzigen würde. Ich finde es schade, dass er nicht unser neuer Trainer sein wird. Ich weiß aber nicht ob die Furcht vor Babbel ihn so reizvoll wirken lässt oder ob ich ihn wirklich hier sehen möchte.

  4. Matt

    Deine letzten Sätze sind wahrlich entscheidend. Gutes Argument gegen einen Jungen. Bin von der Tendenz her auch pro Schaaf. Man sollte aber auch ruhig mal den ein oder anderen Spieler befragen. Nämlich jene, die du namentlich erwähnt hast. Dann wird das richtige rauskommen. Wie oft hab ich schon gelesen: in Bruno we trust. 😉 Machen wir es also weiterhin.

    • Na_ich

      Wir machen weiterhin das, was für den Verein am besten ist und nicht das, was den Fans am liebsten wäre.

      Schaaf war zudem mal ganz gut darin, halb-fertige Spieler zu entwickeln. Klose, Ailton, Pizarro, Micoud, Diego, Naldo fallen mir da ein.
      Was hat ein Schur bislang so geschafft? Was kam aus der 2.Mannschaft zu uns hoch?

  5. Matt

    Also, obwohl gemeinhin der Leser von Informationen irgendwann gern von einer Antwort, die häufiger genannt wird, beeinflussen lässt, muss ich doch sagen, dass ich hoffe, dass der Vorstand die Inhalte der Foren mitgeteilt bekommt. Denn überall herrscht Einigkeit, was die beiden Trainer angeht, die man gern sehen möchte. Nämlich eben jener Thomas Schaaf, den ich für sehr geeignet halte, weil er ziemlich ähnlich zu Armin ist und eben jener Alex Schur, der zumindest wie kaum ein anderer den Verein und das Umfeld kennt und eventuell mehr mit der Jugend experimentieren würde. Woher sonst sollte er sonst kommen, der viel geforderte Jugendspieler, der zunächst unsere Bundesliga- und später auch unsere Transferbilanz aufbessern soll? Ich selbst hoffe, und das auch wie der Rest in Foren, dass hier keine Namen präsentiert werden, wie Björn bereits in seinem Beitrag genannt hat. Denn dann, liebe Fans, dann wirds glaub ich ziemlich schnell wieder sehr turbulent in Frankfurt. Nein, danke.

    • Na_ich

      Hm, wieviele Talente hat Tuchel eigentlich so in Mainz hochgezogen und wirklich eingebunden?

      Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass ein Schur zum Wunschkandidaten Einiger wird, weil er aus dem Umfeld kommt und man zudem hofft, er würde mehr junge Spieler einbinden?
      Schonmal dran gedacht, dass unsere Jugend einfach nicht so gut ist wie man glaubt?
      Die eine Altersklasse war B-Jugendmeister. Wer sagt jetzt, dass sich auch nur drei von denen so weit entwickelt haben, dass sie das Zeug für die 1.Mannschaft haben?

      Mal abgesehen davon haben wir mit Hien, Kempf und Wille drei Leute aus der Jugend rumkurven. Luca Waldschmidt durfte mittrainieren, ein gewisser Kittel und Stendera bekamen sogar Kurzeinsätze.

  6. Na_ich

    ich versteh eine Sache nicht. Du erwähnst die Schar junger, unverbrauchter Trainer eher im negativen Sinne und bringst dann praktisch unbewiesene Namen wie Schur und Corrochano auf den Tisch…

    Ja, wie denn nun?

    • Negativ, wenn es zum Dogma erklärt wird. So Attribute, das ist Projektion, das ist Veränderung als Selbstzweck. Was ist denn „jung und unverbraucht“ für ein krudes Anforderungsprofil? Auch Babbel, Labbadia, Trainerimitat etc. passten mal in diese Schublade. Sind trotzdem – oder gerade deshalb – Gräten.

      Ich rede in meinem Beitrag nicht Alexander Schur auf den Chefsessel. Ich schreibe leidglich, dass es nun bzw. im Sommer der passende Zeitpunkt für dessen Installation wäre. Wann, wenn nicht jetzt? Ob es eine kluge Entscheidung wäre, weiß ich nicht, schreibe ich auch nicht. Er hat im Jugendbereich mehrere Jahre Erfahrungen gesammelt. Zu den Profis bringen konnte er aus seiner Jugend bzw. U23 aber keinen, die Reserve dümpelt in der Regionalliga so vor sich hin. Ich kann diese Bilanz schlecht auf der Skala Erfolg/Misserfolg/Noramlität einordnen. Unabhängig davon: So ein Denkmal hinzusetzen kann auch schnell ein Ballast werden, wenn es mal an eine Entlassung geht.

      Eintracht Frankfurt ist jedenfalls mit den Coaches gut gefahren, die Erfahrung vorweisen können, die unaufgeregt sind, die in schwierigen Situationen die Ruhe bewahren. Dementsprechend läuft es am ehesten auf einen wie Schaaf hinaus – wenn der denn überhaupt wollen würde. Ist ja nicht wie auf dem Sklavenmarkt, wo man mal einfach über Personal verfügen kann. Benno Möhlmann höre ich zuletzt auch immer häufiger, wobei ich die Personalie wirklich schwer einordnen könnte. Guter Trainer, das auf jeden Fall, aber ob er vermarktbar wäre …

      Ich glaube vor allem nicht, dass man seine sportlichen Säulen wie Pirmin Schwegler, Alex Meier, Kevin Trapp, Sebastian Jung etc. von einem Verbleib wird überzeugen können bzw. gute neue Leute holen kann, wenn ein Trainer verpflichtet wird, der nicht schon ein bisschen was gerissen hat. Es geht sicherlich nicht um Namen, aber mit jedem Trainer verpflichtet man auch ein Netzwerk – mögliche Transfers von Leuten, die dieser kennt. Da wäre bei Alex Schur bspw. nur die Eintracht-Jugend vorhanden, und was wir von der zu halten haben sehen wir ja an der Entwicklung aller Spieler der vergangenen Jahre.

      • Jermaine Jones Junior

        Beim Stichwort Netzwerk wäre ich vorsichtig. Michael Skibbe hatte als ehemaliger U-20 Nationalmannschaftstrainer auch das beste Netzwerk, das man sich vorstellen konnte, und hat dieses Potential nie ausgeschöpft.
        Im Gegensatz zu Thomas Schaaf, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, glaube ich nicht, dass er zum Verein Eintracht Frankfurt passt.
        Thomas Schaaf und Frankfurt ?! Oje, das ist wie wenn du einen Hipster, der Philosophie studiert, verkuppelst mit einer Diva von der BWL-Fakultät 🙂

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