Der Vehler

Spiel ver-coacht, Partie verkackt: Armin Vehs Anweisung an Pirmin Schwegler und Stefan Aigner in der 30. Minute, nach der Führung, das System auf 4-2-3-1 umzustellen, hat das Auswärtsspiel in Hamburg kippen lassen. In den folgenden 63 Minuten lieferte Eintracht Frankfurt ein miserables, vor allem aber passives und sediertes Spiel ab, das seines gleichen sucht. Gegen eine Mannschaft, die so noch nie zusammenspielte und nie wieder zusammenspielen wird. Gegen einen Gegner, der Fehlpässe am laufenden Band produzierte – was man offenbar bei der SGE als Aufforderung verstand, ebenso jeden Ball zum Mann im andersfarbigen Shirt zu kicken. Gegen einen HSV, den man in dieser Form(ation) schlicht schlagen muss.

Zu allem Überfluss schien das Abwartend auch noch die Marschroute des Trainers zu sein. Denn nicht mal als 10, 15, 20 Minuten lang der Ballbesitz von Eintracht Frankfurt auf zehn Prozent zusammenschmolz (zwischen der 45. und 65. Minute), reagierte er. Bis zur entscheidenden Einwechslung Jan Rosenthals. Dieser verliert im Mittelkreis den Ball, Konter, zack, zack, Zambrano (10. Gelbe Karte) will Fußball spielen anstatt den Ball wegzudreschen und schon ist es passiert. Nach einem Strafstoß, der nicht mal zwingend einer war, der aber stellvertetend dafür steht, das man ein ungefährliches Hamburg stark gemacht hat und es eine Frage der Zeit war, bis die Kugel im Netz liegt.

Eine Systemumstellung im laufenden Spiel kann man mit Spitzenteams machen, wo vorne 3,4,5 Spieler alle Positionen spielen können – aber doch nicht mit einer Mannschaft wie Eintracht Frankfurt, die ja schon Probleme mit dem Beherrschen eines Systems hat.

Das Kuriose: Die Einwechslung eines Tobias Weis – defensiver Mittelfeldmann – für Tranquillo Barnetta – einem Offensivspieler – war sowohl bezeichnend als auch noch das Klügste angesichts der verkorksten Entscheidung. Denn wo Veh das Team 50 Minuten zuvor anwies, den Gang (nach dem 1:0) rauszunehmen so dass er nicht mehr wiederzufinden war, sorgte er mit der Weis-Einwechslung für die Maßgabe: Punkt retten, irgendwie.

Der Punkt auswärts hilft der Eintracht mehr als dem HSV, ja. Aber anstatt – was möglich gewesen wäre – sich mit einem Sieg aus dem Morast zu hieven, hat man den Gegner im Spiel aufgebaut, ihm einen Zähler geschenkt und es vor allem verpasst, den Satz zu machen. Weiter reitet man auf der Rasierklinge. Ohne Not, wenn man gesehen hat, welche Fehlentscheidungen in diesem Spiel getroffen worden sind.

Advertisements

6 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

6 Antworten zu “Der Vehler

  1. Jermaine Jones Junior (der wahrhaft Unechte)

    1:1 gegen diese unsympathische Schweine-Truppe aus dem Norden. Sich mit einem Unentschieden zufrieden zu stellen ist grob fahrlässig und leichtsinnig, weil die schweren Gegner noch kommen. Ich bin immer noch optimistisch, dass wir den Klassenerhalt schaffen, angesichts der einigen wenigen Klassespieler, die wir haben, aber wie es dazu kommen konnte, dass wir solche Angst vor dem Ballbesitz haben, ist mir schleierhaft.
    Kaum haben wir den Ball, wollen wir ihn wieder abgeben. Dabei war der HSV heute sooooo schlecht. Das hätte ein 3er sein MÜSSEN! Wie ärgerlich! Boah, der Armin Veh braucht sich nicht so wichtig zu fühlen seit den letzten Tagen, er hatte in dieser Woche kein Pokalspiel, keine EL, er hatte eine Woche Zeit sich auf den HSV zu konzentrieren und dann kommt so ein Mist bei raus. Aber wie gesagt: Ich bleib optimistisch, weil das Leverkusen-Spiel am letzten Spieltag der Hinrunde doch gezeigt hat, dass Siege gegen schwere Gegner nicht nur theoretisch möglich sind. Ein bisschen ist es noch hin bis zu den Spieltagen 28-34, da kann noch einiges innerhalb der Mannschaft passieren (taktisch, spielerisch, mental) – hoffentlich positives.

  2. Na_ich

    Also an mir ist die Systemumstellung irgendwie vorbeigegangen. Hab dafür den Aigner noch viel zu oft in der Spitze rumrennen sehen.
    Abgesehen davon halt ich sie in der Situation für richtig, da dies die defensivere Variante war…ob sie gegeben der eingesetzten Spieler richtig war, steht auf einem anderen Blatt Papier.

    Die Bildung einer Doppel6, die aber auch konsequent verteidigen muss, ist spätestens bei Führung unabdingbar.
    Was uns gefehlt hat, war das schnelle Umschaltspiel bzw. die Spieler für gefährliche Konter. Die hätte er von Anfang an bringen können, in HZ2 bei der ersten Einwechslung bringen müssen. Warum ein Kadlec so spät reinkommt und dann auch noch für den einzig tauglichen Konterspieler namens Aigner, ist mir ein absolutes Rätsel.
    Warum ein Weis eingewechselt wird, für Barnetta, wo wir mit Flum, Russ und Schwegler schon drei DMs haben, ist mir weiterhin ein Rätsel.

    Ich frage mich, wie wir es nicht geschafft haben, mit drei DMs und einer Viererkette die Löcher in der Mitte zu schließen. Was zum Henker lässt er die Mannschaft eigentlich trainieren?

    Herr Veh, es ist keine Schande, auf Konter zu spielen, statt unbedingt ein Spiel dominieren zu wollen. Vor allem, wenn man für Letzteres nicht die Spieler hat.
    Aber scheinbar wurde sowas im Sommer genauso wenig trainiert wie die Fitness…

    • Falls du die Gelegenheit hast, spul mal bis zur 30./31./32. Minute. Da winkt Veh erst Schwegler, dann Aigner zu sich. Danach rückt Aigner auf den Flügel und Russ ins zentrale defensive Mittelfeld. Das ist die Systemumstellung gewesen.

      Auf der Pressekonferenz spricht Veh dann allen Ernstes noch darüber, dass er Alex Meier wegen dessen Leistung (eine Torvorlage, Vorbereiter der einzigen Chance neben dem Tor) ausgewechselt und Rosenthal (!) gebracht habe. ALex Meier, der einzige weit und breit in diesem Angsthasenhaufen, der selbst dann für ein Tor gut ist, wenn er mal keinen Toptag hat – da platzt mir echt der Kopf.

      Armin Veh muss höllisch aufpassen. Die schweren Gegner kommen erst noch. Und wenn es mit vier Punkten aus den Spielen gegen Nürnberg und Freiburg nicht hinhauen sollte – sprich 30 Punkte bis zum Gladbachspiel Ende März – muss es zwingend zur vorzeitigen Entlassung von ihm führen. Man kann sich nicht erlauben, wegen eines Duselsiegs gegen Stuttgart eine lahme Ente aus Prinzip bis zum Ende lahmen zu lassen. Denn die Marschroute heute war ein Offenbarungseid der Unlust. Wir stehen jetzt bei fünf von neun Punkten gegen die direkte Konkurrenz. Von einem Muss von 11, 12 aus 15 Punkten (Bremen, Stuttgart, Hamburg, Freiburg, Nürnberg) sprach ich vor den Wochen der Wahrheit, um den Klassenerhalt hintenraus – wenn die dickeren Fische kommen – erreichen zu können. 11 können es noch maximal werden, was nicht passieren wird. Damit wäre klar, dass wir bis zum allerletzten Moment in akuten Abstiegsnöten bleiben. Dank der Angsthasen-Show in Hamburg. Erbärmlich. Ich checke auch nicht, wieso diese Mannschaft es partout nicht schafft, mal zwei, drei gute/passable Spiele am Stück zu zeigen.

      • Sebastian Weber

        Da gebe ich dir recht, wenn man bis Gladbach nicht mindestens 30 Punkte hat muss man reagieren. Sonst endet es wieder mit dem Abstieg denn dann kommen wenige Gegner bei denen man mit viel rechnen darf. Ich weine Veh auch keine Träne nach. Wenn man seine Amtszeit hier sieht hat er nicht viel geleistet. Den Aufstieg muss man ihm zu gute halten, obwohl wir die beste Mannschaft hatten und der Aufstieg Pflicht war. Danach wurden wir einige Wochen lang unterschätzt und haben dort die Punkte für Europa geholt und seitdem geht nicht mehr viel. Wir haben Probleme mit Teams die extrem pressen, sowie mit Teams die Mauern. wir können also nur gegen Mannschaften glänzen die uns Räume lassen ohne uns auf den Füssen zu stehen. Das ist nicht gerade eine Leistung auf die man als Trainer stolz sein kann. Dann sind wir viel zu unkonstant und bringen wie du schon sagst keine zwei guten Spiel am Stück zustande. Alles in allem sollte Veh mal über seine Ansprüche nachdenken, es ist ja schön und gut das er ein Meistertrainer ist und dieses gerne nochmal wiederholen möchte. Aber er hat jetzt bei uns gezeigt, dass er nicht in der Lage ist eine Mannschaft weiterzuentwickeln und sie besser zumachen. Ich hoffe BH und HB werden eine kluge Entscheidung treffen und uns einen guten Trainer präsentieren.

      • Na_ich

        für EintrachtTV bin ich zu geizig 😀 Kostet das echt nur 19 Euro im JAHR? Wie lang muss man warten, bis das Spiel freigeschaltet ist?

        Kann dem so nur zustimmen, besonders der Absatz wegen Meier. Alex darf nur aus Fitnessgründen ausgewechselt werden, gerade, wenn es schlecht läuft.

  3. Anonymous

    Eine sehr gute Zusammenfassung der maßgeblichen Punkte.
    Phrasieren über Offensivfußball weckt angesichts dieser Spielvorträge
    nur noch kühnste Opptimisten.
    Die Eintracht wird, trotz zwischenzeitlichen 6 Punkt Vorsprung, ein Abstiegskanidat bleiben und leider ist bei der aktuellen Spielstärke
    nicht zwingend mit positivem Verlauf zu rechnen.

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s