Stimmungs-Ebbe

Wenn man das einzige Team ist, dass es binnen 24 Bundesligaspielen nicht schaffte, zwei Partien in Folge zu gewinnen. Wenn man die drittschlechteste Offensive der Liga stellt, man als Trainer gegen die Stärken des eigenen Kaders auf- und einstellt, wenn man passiven Abwartefußball spielt und wenn man aus den Wochen der Wahrheit schon bis jetzt zu wenig gemacht hat, darf man sich nicht darüber wundern, dass der Geduldsfaden irgendwann reißt.

Vergnügungssteuerpflichtig ist Fußball nicht, niemand hat einen Anspruch auf Unterhaltung im Stadion oder am Fernseher. Das wäre auch fatal, zumal als bayerneske Anspruchshaltung. Doch selbst die sportlichen Schnarchnasen haben begriffen, dass der Auftritt der Eintracht in Hamburg furchtbar war – symbolisiert und maßgeblich erzwungen durch die Entscheidungen des Trainers: Ein Mittelfeld ohne Offensivspieler. Ein Sturm ohne Stürmer. Ein System, dass die Mannschaft weder mag noch beherrscht, eine Systemumstellung,  die das bisschen vorhandenen Spielfluß versiegen ließ. Die Auswechslung des einzigen tor- und vorlagengefährlichen Spielers. Diese grob fahrlässig herbeigeführte Fehlerkette kostete zwei Punkte, schenkte dem Gegner einen Zähler, schraubt dessen Moral hoch, die eigene runter und sorgt für eine dürftige Bilanz nach drei Spielen gegen direkte Klassenerhalts-Konkurrenz.

Und doch ist das alles jetzt verschüttete Milch. Vier Tage Aufregung, nein, Wut über das Gemurkse von Trainer, Mannschaft und Vorstand müssen genügen. Am Wochenende – diese elend üblen Sonntagsspiele – geht es gegen den SC Freiburg. Nicht nur trat der gegen Borussia Dortmund (wir erinnern uns?) stark auf und hätte einen Punkt hochverdient gehabt. Nein, die Freiburger starten am Sonntag in ihre Wochen der Wahrheit, jene, die die SGE so gut wie hinter sich hat (mit magerer Ausbeute, wie gesagt). Freiburg wird auf diesen Punkt, auf diese Wochen hintrainiert haben. Die Formkurve des Teams zeigte zuletzt kontinuierlich nach oben. Offensivspieler Mehmedi verkörpert das. Und die Breisgauer treffen auf eine Eintracht, die sich zu Hause zwar ergebnistechnisch stabilisiert hat. Die jedoch von einer spielerischen Hemmung übermannt ist, die nun schon 15 Monate andauert und sich eher verfestigt denn verfliegt. Es ist ja keinesfalls so, dass etwa der Heimsieg gegen Stuttgart hochverdient oder gar ein spielerischer Fortschritt gewesen wäre. Vom kläglichen 0:0 gegen zwar nun erfolgreichere, aber trotzdem 60 Minuten lang dezimierte Bremer, ganz zu schweigen.

Die These und die anstehende Entwicklung ist simpel skizziert: Holt die Eintracht gegen Freiburg und Nürnberg (auswärts) nicht vier Punkte, schraubt das Punktekonto also nicht auf 30, wird sie ziemlich sicher absteigen bzw. maximal auf dem Relegationsplatz landen. Denn nach der Partie gegen ein Nürnberg, dass der Eintracht spielerisch so viel voraus hat, kommt zwar ein noch (!) angeknocktes Team aus Mönchengladbach. Aber bis Saisonende war es das dann auch mit Gegnern, gegen die man Punkten kann, soll, muss. Ja, es wird noch das eine oder andere ergraupte Remis geben. Vielleicht sogar noch einen Irgendwie-Sieg (siehe Leverkusen in der Hinrunde). Aber die/den, und das haben glaube ich viele noch nicht verstanden, braucht es selbst bei einer vier bis sechs Punkte Ausbeute aus den kommenden beiden Spielen. Unentschieden gegen die direkte Konkurrenz bringen dementsprechend nichts, außer, dass deren Vorwärtskommen sich um eine Woche – auf deren nächsten Gegner – verschiebt. Wie schon beschrieben, treten alle SGE-Kontrahenten erst jetzt stets in direkten Duellen an.

Die Klassenerhaltsmarke wird bei 34, 35 Punkten liegen. Das Heimspiel gegen Freiburg, die aktuell auf 17, also dem zweiten direkten Abstiegsplatz rangieren, ist für den mittelfristigen Saisonverlauf entscheidend. Gewönne die SGE, könnte sie wenigstens schonmal in Richtung Relegation planen. Verliert sie, brennt der Baum. Spielt sie unentschieden, geht das Siechtum, das Roulette weiter. Die Frage: Gegen wen will man eigentlich noch gewinnen, äußerte ich bereits in der Hinrunde mehrfach. Aktuell schwirrt mir dieser Gedanke abermals im Kopf herum.

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Eine Antwort zu “Stimmungs-Ebbe

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