Galgenmännchen

In der Schule zeichneten Lehrer gerne ein paar Striche an die Schiefertafel. Für die Unaufmerksamen, die Störer waren die gedacht, als Verwarnung. Es waren in der Regel sechs Striche bzw. ein Kreis, den es brauchte, bis jemand etwa des Raumes verwiesen wurde oder einen Eintrag ins Klassenbuch bekam. Galgenmännchen nannte man das zu meiner Zeit.

Wie es der Zufall will, gibt es auch in der heutigen Zeit einen Galgenmann. Peter ist sein Vorname. Entgegen des weitläufig verbreiteten Irrtums, er heiße Gagelmann mit Nachnamen, trägt er spätestens seit diesem Samstagnachmittag seinen wahren Namen. Durch seinen Auftritt bestätigte er seinen Ruf als Punkte-Tod, als Selbstdarsteller (wie nicht nur von Frankfurter Spielern zu hören war in Vergangenheit und Gegenwart) sowie Kartenspieler. Was sich der Mann (samt Linienrichtern, auf die er sich verlassen muss) leistete, um den VfL Wolfsburg im Spiel zu lassen und letztlich zum Sieger der Partie zu küren – da sollten findige Journalistenkollegen sogleich mal die bwin-Konten von Herrn Galgenmann und seinen Assistenten durchforsten. Das war ja schon absurd. Nicht nur, dass Luis Gustavo fröhlich umher treten und doch durchspielen durfte, nein, er schenkte auch einen Freistoß nach dem nächsten für jene in grün-weiß – was nicht immer falsch war, aber auffällig häufig als Missetat ausgelegt wurde. Das lupenreine Tor durch Joselu, das aberkannt wurde, kann einen nur ungläubig zurücklassen. Diese Szene war die klarste Tor-/Nicht-Tor-Fehlentscheidung im Profifußball seit Ewigkeiten – Joselu stand mindestens ein, eher eineinhalb Meter nicht im Abseits. Und Aigner war ebenfalls mit dem ganzen Körper noch hinter seinem Gegenspieler.

Wer das nicht sieht, der sollte seine Fahne in den Rachen geschoben, nicht etwa vom DFB Lohn aufs Konto überwiesen bekommen. So eine Leistung kann man in der Kreisliga C Bergstraße durchgehen lassen, wo es nur einen bierbäuchigen 70+-Schiedsrichter gibt, der 25 Euro Fahrtkostenpauschale kassiert und vom Mittelkreis aus zu sehen versucht, ob 40 Meter vor ihm beim Abspiel noch jemand vor oder hinter dem Abwehrspieler stand. Auch, wenn es um Klassenerhalt respektive Europa League geht, darf man nicht erwarten, dass Milimeterentscheidungen – die nur mit der 17. Kamera-Einstellung zu deuten sind – korrekt entschieden werden. Aber hier reden wir von einem Meter plus!

Hat das jetzt eigentlich Konsequenzen für den Linienrichter? Für das Gespann? Bekommen die jetzt ihre volle Aufwandsentschädigung? Wieso eigentlich? Das verpfiffene Team bekommt ja auch keine Punkte.

Man muss nicht technischen Schnickschnack wie Videobeweise etc. fordern, denn das da am Samstag muss man als selbstverständliches Handwerk verstehen und beherrschen. Tut man das nicht, dann sollte man das Schiedsrichterwesen gleich ganz abschaffen und den Computer alles regeln lassen. Fifa 15 mit echten Menschen – das wäre der feuchte Traum der Technikhörigen.

Jetzt entlade ich meinen Frust und schieße mit hart aufgepumpten Bällen auf ein Modell von Bremen, dem Herkunftsort des Galgenmännchens …

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Galgenmännchen

  1. Oliver

    Waren doch zwei „Abseits“tore in der Zusammenfassung wenn ich mich entsinne. Kann das auch mit einem anderen Spiel verwechseln.

    • Na_ich

      Also gegen den Club hat ja Madlung ein Abseits-Tor geschossen.

      • Oliver

        Ich war in ner BVB Fankneipe und habe hinterher bei sky die Zusammenfassung der anderen Spiele halbwegs mitbekommen. Wir wohl dann eines der anderen Spiele gewesen sein. Egal – Spiel ist verloren und Hamburg scheint gerade auch nicht zu gewinnen. Wird wohl auf einen vergleichsweise entspannten Spieltag raus laufen.

  2. Na_ich

    SGE hat dagegengestimmt. Weswegen sie im Grundsatz sich auch nicht das Maul über etwaige Fehlentscheidungen zerreißen darf.

    Welches erste Nicht-Tor?

  3. Oliver

    Eigentlich heißt es ja, im Zweifel für den Angreifer bei Abseits. Beim ersten Nicht-Tor vielleicht noch Auslegungssache. Beim Zweiten sicher nicht mehr.
    Das Naldo dann kurz vorm Abpfiff diesen Sonntagssschuss rein macht – für uns der dritte in einer Woche – Pech.
    Die Leistung war okay, die / der Punkt(e) vom Schiri(assistent) geklaut (wie schon des öfteren in dieser Saison).
    Stuttgart hat verloren und wenn Hamburg morgen nicht gewinnt ist nichts passiert. Nächste Woche gegen Mainz noch mal die gleiche Leistung, dann gehen wir nicht leer aus.

    Das Stadion technisch aufzurüsten ist finanziell nicht gewollt – diese Woche eindrucksvoll gezeigt. Wie hat eigentlich die SGE gestimmt?

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