Lieber den Spatz in der Hand als den Fink auf der Bank

Nun habe ich mal etwas getan, das in der heutigen Zeit ja quasi nicht mehr erlaubt ist: Sich Zeit nehmen. Ich gönnte mir den Luxus des Beobachtens (bei gleichzeitigem schweigen) der Trainer-Gerüchte. Roger Schmidt, so viel ist sicher, soll es nach Wunsch der Frankfurter Eintracht sein. Das erscheint per se  erstmal als gute Nachricht. Jedenfalls ist diese willkürlich wabernde, auf irrationalen Gefühlen beruhrende Blitz-Einschätzung, die wir Fans uns ja alle abringen, irgendwie positiv. Irgendwann beginnt dann in jedem das Rationalisieren: Paderborn, da erinnert sich der Eintracht-Fan an den Ex-Gegner in der zweiten Bundesliga, der entgegen den Erwartungen bis (fast) zum Schluss oben in der Tabelle mitmischte. Jo, der muss doch was können, sagt man sich. Bescheidene Mittel, hoher Ertrag – das klingt exakt nach der Formel, nach der man sich in Frankfurt sehnt. Ein Friedhelm Funkel mit neuem fussballerischen Anstrich, sozusagen.

Interessant an Paderborn: Unabhängig vom Schmidt-Faktor landet das Team jedes zweite Jahr im ersten Tabellendrittel und fällt im nächsten auf Rang 12. zurück (2009/2010: 5. , 2010/2011: 12. , 2011/2012: 5. , 2012/2013: 12. / 2013/2014 –> aktuell 3.) Andre Schubert führte es vor Roger Schmidt schonmal auf 5., ein Stephan Schmidt übernahm nach Roger Schmidt und wurde 12. , André Breitenreiter scheint sie nun wieder in R.Schmidt’sche-Regionen zu führen. Was sagt das über den Trainer Roger Schmidt aus? Dass er etwas geschafft hat, das vor ihm schon jemand – dazu im Aufstiegsjahr des Vereins – geschafft hat? Zur Einordnung: 51 Punkte holte Schubert (in der Folgesaison waren es 39 Punkte), 61 heimste R.Schmidt ein. Der Zwischen-Schmidt packte 42 Zähler. Die Meriten in Österreich aufzulisten und in Perspektive zu setzen, lohnt kaum. Red Bull Salzburg kann kaufen was und wen es will, der Erfolg stellt sich national quasi automatisch ein – der entscheidende Grund für Schmidt, nicht nach Frankfurt zu wechseln, wo die Mittel wesentlich bescheidener sind.

Bei all den Beobachtungen der vergangenen Tage, wendet sich bei mir das Blatt jedoch leicht zu Ungunsten von Herrn Schmidt. Allem vertragstaktischen Geplänkel und Säbelrassen zum Trotz, will ich so Sätze wie „Es ist auch überhaupt nicht ausgeschlossen, dass ich bei meiner Mannschaft bleibe“ nicht lesen. Darf er so denken, muss er so denken. Das zu äußern, stets die reifliche Überlegung und das Lavieren auszudrücken anstatt (öffentlich) für Entscheidung A oder B zu brennen – das kostet ihn. In Salzburg, in Frankfurt. Das Osterei sollte er irgendwem jetzt ins Nest legen, damit Ruhe ist im Karton.

Falls Roger Schmidt tatsächlich zur Eintracht wechselt, kündige ich bereits – als Hobby-Hellseher – einen Stürmer-Transfer an. Denn wie wir klugen Köpfe wissen, verpflichtet ein Verein mit einem Trainer auch ein Netzwerk. Und an den hier, obwohl im Ausland eher gescheitert, wird sich die Kicker-Sonderheft-Abteilung bei Eintracht Frankfurt erinnern

Kommt ein anderer, gilt die Parole: Lieber den Spatz in der Hand als den Fink auf der Bank.

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