Ve(h)r-coacht

Ich sehe ja ein, dass – wie die Fans – die Spieler auch nur Menschen sind und das der Spannungsabfall auch bei ihnen eintritt. So, wie bei jedem, der bspw. Examen, Klausuren, Bewerbungsgespräche etc. hinter sich hat. Alleine frage ich mich, wieso man sich stets (zumal mit scheinbarem) Minimalerfolg zufrieden gibt. Das Absurde ist ja, das diese Mannschaft kürzlich – bis zum Schalkespiel – sogar noch die realistische Chance bis auf Rang 9 (!) hatte. Eine nach dieser Saison wirklich groteske Ausgangsposition. Und was passiert? Anstatt das genauso verbissen zu wollen, wie man es wollen sollte, watschelt eine Truppe auf den Platz, die nicht mehr will als das, was man (scheinbar) schon erreicht hat.

Meier auf der Ersatzbank. Russ im linken Mittelfeld. Aigner im Sturm. Schwegler nach 30 Minuten verständnislos runter, Barnetta in der Phase ausgwechselt, in der man ihn am dringensten brauchte – Stichwort Standards. Wie schon gegen Hamburg: ve(h)r-coacht. Was sind das für Entscheidungen? Kann man vermutlich auch nur treffen, wenn man weiß, wie es nicht geht.

Es tut mir furchtbar leid, aber ich rege mich auf über solche Spiele, solche Ergebnisse, so eine Einstellung, solche „Leistungen“. Wenn ich dann hören und lesen muss, wie die offizielle Haltung sich darstellt – „Sie glauben doch nicht, dass ich mich drei Spiele vor Schluss über so was noch aufrege. Ich handele nach den Dingen, die ich sehe“ (Veh zur Frankfurter Rundschau in Bezug auf die Schwegler-Auswechslung) – dann platzt mir eben der Kragen. Da bin ich, da bleibe ich Fan, leidenschaftsgetriebener Mensch. Und ich verstehe trotzdem etwas, einiges von Fußball. Frei nach Armin Veh: Ich weiß eben, wie es nicht geht. Etwa, Marco Russ (schon wieder) als Linksaußen zu stellen. Alexander Meier auf die Bank zu setzen. Pirmin Schwegler nach 30 Minuten auszuwechseln. Bastian Oczipka 40-Quadrillionen Spiele absolvieren zu lassen. Joselu für 6 Millionen Euro kaufen zu wollen.

Natürlich muss ein Funktionär, ob er nun für die Übungsleitung, für Finanzen, für Trikotverkauf zuständig ist, kühler, rationaler, distanzierter zu dem sein, was im Tagesgeschäft geschieht. Aber jedem zu verstehen geben, dass er ja alles wisse, alles schon gesehen habe, ihn nichts mehr aus der Ruhe bringen könne, die Schuld stets bei anderen liege – das sind Charakterzüge, die im Erfolgsfall ja alle ganz cool und lässig, abgebrüht wirken können. Aber nach Kicks wie zu Hause (!) gegen Hannover, auch schon die Partie auf Schalke und all den anderen lari-fari- oder „Kopfsache“-Auftritten der vergangenen 16 Monate, wirkt das Gebabbel nicht cool. Es wirkt überheblich, umso mehr, wenn Auftritte wie jener vs. H96 geschehen und es so verkauft wird, dass die Spieler was nicht kapiert, Anweisungen nicht umgesetzt hätten. Verstehen wir uns klar: Gegen Hannover hätte Eintracht Frankfurt 0:5, 0:6 verlieren können, wenn nicht sogar müssen.

Einstellungssache? Klar. Einstellung ist Sache jedes einzelnen? Ja – und nein. Man kann nämlich als Trainer auch mal sehen (wollen) und handeln (wollen) um Leute, die seit Wochen schwimmen und schwächeln (Zambrano), austauschen und so aufstellen, dass es sinnvoll ist (Russ auf 6 oder IV, nicht als Linksaußen, Aigner als Rechtsaußen, nicht als verkappter Stürmer, Lanig als 6, nicht auf rechts). Was macht eigentlich Stephan Schröck? Wenn man Einstellung bemängelt, mangelnden Biss, dann wird man das ja wohl mal fragen dürfen. Dass der Mann spielerisch nicht zu den Kronjuwelen zählt, ist klar. Aber baden in Pomade kann man dem nicht vorwerfen. Im Gegensatz zu Herrn Joselu beispielsweise, für den man zig Millionen hinlegen will. Oder Vaclav Kadlec, für den man schon zig Millionen hingelegt hat. Auch Sebastian Jung ist mit seinen Gedanken offensichtlich zwischen Wolfsburg und Großbritanien.

Die sollen alle erstmal die Basisarbeit unfallfrei verrichtet bekommen, bevor sie anfangen mit dem Ambitionsgeschwätz. Das gilt für die Spieler, das gilt für Armin Veh.

Und jetzt wieder ab zum Wochenends-Zittern, weil es in Frankfurt immer mehr um das geht, was andere machen, weil man selber nicht höher springen will, nicht höher springen kann, als man geradeso muss. Aber es gibt ja noch das Trainersuch-Gegurke Kadlec´schen Ausmaßes. Ist ja offenbar alles viel wichtiger als der rechnerische Klassenerhalt. Gefühlt reichts ja auch, gelle Bruno Hübner?!

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Ve(h)r-coacht

  1. Oliver

    Ja, die Aufstellung war Mist. Und nach dem 1:3 habe ich im Stadion auch lautstark den Wechsel Schwegler Meier gefordert. Keine Ahnung ob Schwegler den Spielverlauf bis dahin zu verantworten hatte, konnte ich von meinem Platz aus nicht so sehr beurteilen. Aber dadurch ist man zu einem System gegangen, was die letzten Woche funktioniert hat – auch auf Schalke (Die haben da lange mitgehalten und auch ein paar Chancen gehabt. Man muss bedenken, wo die in der Tabelle stehen). Nach dem Wechsel haben die auch vernünftig gespielt bis zur Pause und kommen dann völlig lustlos und demotiviert wieder raus. Was zum Geier ist in der Kabine passiert?
    Und dann der Kadlec-Wechsel. Joselu hätte raus gehört, der hat nichts zustande gebracht bis dahin, GAR NICHTS! Und mir tat der Vaclav unendlich leid. Da bekommt er mal 40 Minuten zum Spielen. Er ist gelaufen, gerannt, hat sich viele Bälle an der eigenen Eckfahne geholt und erkämpft. Der Kerl hat alles getan um zu zeigen was er kann, hat sich richtig reingehängt und …. und keiner der andere neun in schwarz-rot hat mitgespielt. Das war mannschaftlich unter alles Sau.

    Einiges im Abstiegskampf hat mit der Tagesform zu tun – sehen wir jede Woche bei irgend ner Mannschaft aufs neue. Und das einem nach 1:3 auch ein bisschen die Motivation flöten geht – alles akeptabel. Aber mit Arsch aufreißen hätten die problemlos die Niederlage verhindern können – aber nicht mit dieser zweiten Halbzeit. Der Trainer kann mit der Aufstellung und Wechseln Fehler machen, aber die Mannschaft kann probieren das zu kompensieren. Davon hat man aber nicht viel gesehen.

    Wie verdient die Niederlage war, zeigt auch, das ich noch keine Wort zu Dr. Felix Brych-Hoyzer gelesen habe. Das war willkürliches Pfeiffen und Karten zeigen auf ganz hohem Niveau.

  2. Jermaine Jones Junior

    ———————–Trapp————————-
    Jung———Madlung——–Russ———-Djakpa
    ————–Schwegler——–Mister X————–
    Aigner————–AMFG—————-Barnetta
    ———————-Joselu—————————

    Wir bräuchten nächste Saison mal jemanden wie Benjamin Köhler auf der Position des Mister X.
    Ähnlich wie Ze Roberto damals beim HSV.
    Gehört nicht ganz zum aktuellen Thema, schwirrte die ganze Zeit aber in meinem Kopf rum.

  3. Anonymous

    Dass man jetzt Mannschaften wie VW und Schalkskie die Daumen drücken muss, nervt am meisten an der Sache…

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