Zum richtigen Zeitpunkt

Gerrtjan Verbeek. Am Mittwoch in Nürnberg entlassen. Da hätten wir ihn, den Trainer, der weit vor Granden wie T. Fink, M. Babbel oder B. Labbadia liegen sollte was die Nachfolge Armin Vehs in Frankfurt angeht. Sicher, Verbeeks Bilanz beim Club ist dürftig. Die letzten Wochen reihte sich Misserfolg an Misserfolg – und doch muss man genauer hinsehen. Der FC Nürnberg war und ist, wie kein anderes Team der Bundesliga, von Verletzungen geplagt. Zig Stammspieler sind langfristig ausgefallen (Ginczek, Gebhardt, Nilson, Feulner, Hasebe, Chandler, Hlousek …) – dieser Substanzverlust war und ist auf Dauer von niemandem zu kompensieren. Zum Vergleich: In Frankfurt sind nicht halb so viele Spieler, schon gar nicht so lange ausgefallen. Und doch wurde vom Trainer, vom Verein zeitweise eine Verletzenmisere beklagt. Was soll Nürnberg, was soll Verbeek sagen?

Der Holländer hat trotz allem Eindruck hinterlassen. Ein Indiz dafür, was mit ihm gehen kann, wenn die Spieler gesund sind, sah man zu Beginn der Rückrunde. Da fegte der FCN kurzzeitig über die Plätze: 12 von 15 Punkten in den ersten fünf Rückrundenspielen – die Niederlage gab es gegen Bayern München. Stürmer Josip Drmic erzielte unter Verbeek 13 seiner 16 Saisontore. Als dann die Bänder in Nürnberg im Tagestakt rissen – ab Mitte Februar – und die Wochen ohne personelle Alternativen vergingen (durch Sperren die Malaise sogar verschlimmert wurde), war die Aufholjagd gestoppt – und trotzdem sah es anfangs sogar noch passabel und planvoll aus, was der Club spielerisch bot. Dann irgendwann paarten sich die Niederlagen mit spielerischer Tristesse. Mit der Konsequenz, dass Verbeek nach wenigen Monaten entlassen wurde – in der Clubhoffnung, dass die letzte Patrone nochmal für 5,6 von 9 möglichen Punkten reicht.

Verbeek hat jedenfalls Charakter, lässt sich nicht verbiegen, findet klare Worte. Er hat die Spiele, von dem, was man mitbekam, realistisch eingeordnet. Verbeek wäre vielleicht einer für Frankfurt, der – aus Eintracht-Sicht – genau zum richtigen Zeitpunkt entlassen worden ist. In der Theorie. In der Praxis werden sie an Roger Schmidt baggern / bittstellen, ggf. 1,5 Millionen Euro drucken und als Notnagel letztlich einen aus dem Trio des Grauens (siehe oben) präsentieren. Und was macht der püntklich jedes Frühjahr kokettierende Pirmin eigentlich? Fragen über Fragen.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Zum richtigen Zeitpunkt

  1. Adlerus

    Björn, warst Du nicht der, der immer einen defensiv denkenden Trainer bevorzugt hat? Teilen der Nürnberger Mannschaft (!) war die Ausrichtung Verbeeks zu offensiv..

  2. Herr Schnitzelmann

    Verbeek wäre in meinen Augen auch eine vernüftige Entscheidung.
    Kein Blender sondern ein Arbeiter, der für eine offensive Fussballphilosophie steht.
    Könnte passen und wäre mir tausendmal lieber als Fink, Labbadabadu, das Schaaf oder der Babbel

  3. EausO

    Ich mag Nürnberg nicht – jedoch ist der Ex ein durchaus sympathischer Mensch. Wie es in diesem Geschäft nunmal üblich ist, muss einer die Verantwortung übernehmen – gewollt oder nicht. Zum Pech der Verletzten muss man auch die Alutreffer erwähnen – da müsste Nürrrnberch einen Platz unter den ersten drei belegen; wenn ich nicht falsch liege

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