Aussterbende Spezies

Mein Geständnis: Ich gehöre zu einer aussterbenden Spezies. Zu jenen Menschen, die gewinnen wollen. Immer. Die nicht verlieren wollen, denen jeder Misserfolg so auf die Eier geht, das es schon beim Mensch-ärgere-dich-nicht zu innerem Gemetzel kommt. Die ein Spiel nicht um des Spiels willen spielen, sondern die ein Ziel verfolgen: den Sieg, den ersten Platz anstreben. Wäre das nicht mein Anspruch, gepaart mit dieser gewissen Härte zu mir selber, könnte ich es gleich ganz bleiben lassen. Das gilt für Spiele – mit denen mehrere Hundert Menschen in diesem Land ihr Geld verdienen, von denen es aber nicht alle so genau nehmen mit dem Siegeswillen.

Ein Musterbeispiel für diese Einstellung liefern viele Fans, offenbar auch die Mannschaft von Eintracht Frankfurt. Da wird gefeiert, ge-singsangt und gelobt, auch wenn die Partie, das Resultat noch so grottig waren. Und die Spieler? Ja mei, es ginge für einen selbst ja um nix mehr. Die Spannung fehle halt. So sind die Zitate gefallen nach dem Spiel. Ist ja auch kein Wunder, wo soll die Spannung denn herkommen, wenn man für jeden querliegenden Furz von den Außenstehenden abgefeiert wird, no matter what? So viel Eigenantrieb und Selbstmotivation kann ein Spieler kaum mitbringen, wie er vom Feier-Volk verhätschelt wird. Da wird die Mannschaft nach so einem Gegurke wie gegen Leverkusen noch in die Kurve gefordert und gefeiert, in Hoffenheim – Klassenerhalt hin oder her – wird jeder Minimalist freudestrahlend hochleben gelassen. Leute, kann es das sein? So Sachen machen doch etwas mit Menschen, in deren Kopf, da muss sich doch fast zwangsläufig Zufriedenheit einstellen.

Es geht nicht darum, im Endeffekt jedes Spiel gewinnen zu müssen. Es geht darum, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Und das muss sichtbar sein. Ist es bei Eintracht Frankfurt nicht. Sobald die Pistole von der Schläfe abgesetzt wurde, kehrt der Schlendrian ein. Mit dem Resultat / den Resultaten, die wir seit Wochen beobachten dürfen – und das ist ja nicht nur diese Saison so. Am Ende trudelt man als 14. / 13. ins Ziel. Zufrieden wird man sein. Schwere Saison und so. Den (auch von der SGE) leergekauften SC Freiburg – viele Millionen weniger im Etat, dieselbe sportliche „Belastung“ zu verkraften wie Eintracht Frankfurt anno 2013/2014 – hat man bislang um ein Tor (!) abgehängt. Darf man nicht mehr sagen, dass ein Spiel, dass eine Saison kacke war? Muss man immer feiern, bisweilen sich selbst? Um was geht es eigentlich, um den Fußball, den Erfolg oder um Vergnügungssteuer und Vasallentreue?

Mir geht es darum, das Eintracht Frankfurt eine Saison auf einer guten Position abschließt. Dass die Mannschaft, der Verein, das erreicht, was er mit aller Anstrengung erreichen kann. Und da geht es mit meiner Einstellung, mit meinem Blick auf die Dinge nicht überein, dass drei, vier Spiele – nachdem das Minimalziel geschafft ist – lustlos abgeschenkt werden. Und ich wiederhole mich: Diese laxe Einstellung ist nicht zum ersten Mal eingekehrt in Frankfurt. Das kotzt mich an. Einfach, weil ich gewinnen will – oder es zumindest probiert haben möchte.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Aussterbende Spezies

  1. Herr Schnitzelmann

    …ich lag mit meiner Prognose vor der Saison gar nicht so verkehrt… 15 Platz oder Relegation, das eine wurde irgendwie vermieden, den 15. Platz wird sich diese Truppe aber noch erarbeiten, da bin ich mir ganz sicher.

    • akloppi

      Wenn die das schaffen, bin ich kein Eintrachtfan mehr….bei vier Punkten Vorsprung zum 15.! 😀

      • Herr Schnitzelmann

        ..puh, hab die Tabelle gar nicht mehr angeschaut, weil zu unerfreulich… aber es stimmt, es sind 4 Punkte auf Stuttgart…. was ein Glück, wir werden nur 14. … wie geil ist das denn! Besser gehts doch nicht!

    • Der Norddeutsche

      Platz 14 maximal,in dieser Saison, VfB liegt 4 Pkt. hinter uns!

  2. Das ist ja nicht neu. Immer das selbe seit vielen Jahren. Es ist wirklich nicht einfach ein Eintracht Fan zu sein. Doof nur das wir uns jetzt aergern und frustriert sind aber in der kommenden Saison wieder genau so fiebern und anfeuern wie schon immer.

  3. Der Norddeutsche

    Ich verfolge diesen blog, mit der etwas anderen Sichtweise schon seit Monaten.Eine Frage nimmt immer mehr Form an, und muß ich jetzt einmal formulieren: Was,………was würden sie ändern, in diesem Verein?

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