Lösung zusammenge…Schuster…t

Es ist ein jämmerliches Bild, das Eintracht Frankfurt in diesen Tagen abgibt. Sportlich sind die vergangenen Wochen zum schämen gewesen, organisatorisch sind sie zum kopfschütteln.

Nun, da es schon 1 vor 12 ist was die Planungen für 2014/2015 angeht, steht Eintracht Frankfurt ohne Trainer, ohne Kapitän, mit seelenlosen Auftritten in der Liga, einer Schar wechselwilliger Spieler sowie ohne Neuzugang (außer Ignovski, Bremen!!!) geschweigedenn personeller Grundausrichtung dar – eine fürwahr höchstattraktive Adresse für einen neuen Coach.

Und weil man nach fünf Monaten außer Roger Schmidt so gar keine Alternative in petto hatte, oder die, die man hatte aufgrund des öffentlichen Verrisses als nicht durchsetzbar galten, schwimmt man nun an alle erdenklichen Ufer. Darunter auch das von Bernd Schuster. Der Name köchelte die ganzen letzten Wochen, wen auch auf Sparflamme vor sich hin. Die Personalie wirkte bis Montagmittag irgendwie mätthausesk, einfach nicht vorstellbar, war mehr witzig als seriös. Ein Mann, der in Deutschland als Trainer nichts vorzuweisen hat, der in jeder Hinsicht in Spanien seine größten Erfolge hatte. Und einer, der so ziemlich genau zwischen allen Attributen steht: Er ist kein (Deutschland)erfahrener Trainer, indes ein deutschlanderfahrener Spieler (vor zig Jahren). Er ist kein alter Hase, auch kein Frischling. Seine Erfolge – Krösus Real Madrid und das Scheich-gepamperte Malaga, das Investorenmodell Schachtjar Donezk – fußen auf unbeschränkten Finanzmitteln, er führte Teams zum Erfolg, die sich selbst aufstellen konnten. Wie soll diese Vita zu einem Verein passen, der in puncto Attraktivität und Finanzmittel nicht mal mehr mit Mainz 05 mithalten kann? Der sogar vom FC Augsburg abgehängt zu werden droht?

Vorab Fundamentalopposition gegen Bernd Schuster zu betreiben, wäre unsinnig. Es herrscht nicht dasselbe miese Gefühl, das einem Namen wie Fink, Babbel und Labbadia bereiten. Und doch ist da eine gehörige Portion Skepsis, jedenfalls alles andere als Aufbruchstimmung, die mit diesem Namen verbunden ist. Wenn einer nach Kompromiss und Notlösung geradezu stinkt, dann wohl Schuster.
Einfach, weil seiner Verpflichtung etwas Halbherziges, das offenkundig Kompromisshafte vorauseilt. Bernd Schuster, das ist wie ein Ü-Ei, wo man nach dem Schütteln weiß, dass man nicht die Sammelfigur, sondern etwas zum Zusammenbauen bekommt – und man lediglich hofft, dass es leicht zusammenzubauen ist und nach etwas Passablem aussieht, wenigstens kein Schund ist.

Ja, auch Armin Veh stieß bei den meisten nicht auf Vorfreude – auch bei mir nicht, was sich als falsch herausstellte. Jedoch gab es bei Veh Referenzen, die sich nicht wegzudiskutieren ließen. Er schaffte es im Normalfall (Hamburg ist der Ausnahmezustand) durchaus, aus recht wenig sehr viel zu machen. Dieses Attribut, dieses Können lässt sich beim Blick auf Schusters Stationen jedenfalls nicht erkennen – obwohl genau diese Anforderung das Kernstück des Trainerprofils von Eintracht Frankfurt ist/sein sollte/sein muss.

Doch unabhängig davon, ob Schuster, Kramer, Runjaic oder sonst jemand in Frankfurt Trainer wird: er benötigt eine Mannschaft. Und diese, da vertue sich niemand, wird zerpflückt. Pirmin Schwegler, zuvor schon Sebastian Rode, machen nur den Anfang. Den Anfang eines Exodus. Einige, gerade aus der zweiten Reihe, werden wechseln wollen und man wird sie – oft sinnigerweise – ziehen lassen. Doch auch in der Stammelf gibt es noch zwei, drei Spieler deren Verbleib – Vertragslaufzeit hin oder her – alles andere als sicher ist. Dass neben Schwegler und Rode noch fünf, sechs Spieler – plus die Leihgaben Barnetta, Weis und Joselu – den Verein verlassen wird, gilt als realistische Größe. Dass es bis zu 10 werden ist einigen Vereins-Beobachtern zufolge auch nicht ausgeschlossen. Und selbst wenn: Was sagt die Quantität schon aus? Würde man Takashi Inui (ja, den gibt es noch) vermissen? Wohl eher wäre Stefan Aigner der herbste Verlust für diese Mannschaft.

Bruno Hübner fallen jedenfalls bereits die Klauseln – „Schattierungen“ – auf die Füße. 2 Millionen für den Mannschaftskapitän. 3,5 Mio. sind für Jung kolpotiert. Man wird um eine Grundsatzfrage in Frankfurt nicht herum kommen: Was sagt es über Spieler aus, die man nur verpflichten / halten kann, wenn sie – zudem lachhaft geringe Ausstiegs – Klauseln in den Verträgen verankert haben wollen? Wieviel Herzblut ist von denen zu erwarten? Wieso wirft man sich offenbar ständig vor allen Spielern / Trainern in den Dreck, um sie doch bitte bitte verpflichten zu dürfen? Falsche Herangehensweise, könnte man das nennen. Mit dem folgerichtigen Ausgang.

Schwegler muss man nach fünf Jahren nicht ans Bein pinkeln. Er hat sein Ding hier ordentlich gespielt, kokettierte zwar stets mit Wechseln, aber letztlich ging er mit durch den Zweitligamorast. Ob er wirklich der Star dieser Mannschaft war, für den ihn viele lange hielten und halten? Die Tatsache, dass man ohne ihn nicht wirklich schlechter, mit ihm selten besser spielte, spricht eher dagegen. Mit Sebastian Rode an der Seite mag das stimmen, ohne ihn eher nicht – für Rode gilt indes dasselbe. In Hoffenheim wird Schwegler Stammspieler sein, er wird fürstlich verdienen. Bitteschön. Dass Armin Veh offenbar doch ganz andere Gründe hatte, ihn außen vor zu lassen in den vergangenen Wochen, ist nun jedenfalls klar. Man kann Schwegler die Stilfrage stellen. Aber man muss es nicht. Spilled milk, wie so vieles.

Bemerkenswert ist jedenfalls, wie die Ansichten sich zu so einer Gesamtentwicklung wandeln können. Vor kurzem war es noch Konsens, dass das mit der Veh-Nachfolge gar kein Problem sei, der Hübner Bruno das schon regeln werde. Nein, im Verein habe niemand seit Ende Dezember – dem Datum, als Veh seinen Abschied intern verkündete – geschlafen, ganz fleißig hätten die dort die Trainernachfolge ausgeknobelt. Und nun? Pustekuchen. Wieder mal wird offensichtlich, was schon vor Wochen offensichtlich war – wenn man es denn sehen, wenn man es denn zulassen wollte. Aber die Vasallentreue und der ewige Glaube an die eigenen Farben vernebeln ganz offenkundig den Verstand vieler Fans. Dass bereits der dritte Umbruch im dritten Jahr bevorsteht – und der Erfolg des Kader-wechsel-dich ja nun zumindest mäßig ist – merkt mancher da gar nicht mehr.

Kommt es eigentlich nur mir so vor, oder wird einem noch vor Ende dieser, schon die nächste Saison vergrätzt? Dünnhäutig und schnappatmerisch, so ertappt ich mich jedenfalls dieser Tage.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Lösung zusammenge…Schuster…t

  1. EausO

    Und die Bild zieht den nächsten Hasen aus dem Hut – di Matteo –
    Bekannt durch die „Münchner Betonmauer 2012“ beim Finale dahoam

    Weitere Kommentare erspare ich mit und gebe zurück an die cloud

    • Matt

      Mit Sicherheit wieder ne blendgranate. Zum Glück. Der würde als Coach vermutlich mehr bekommen als AM14FG. Die Namen sind alle Dreck bislang. Meistens wirds bei BH ja einer, über den wenig bis gar nicht gesprochen wird. Also hoffe ich immer noch auf Thomas Schaaf.

  2. Olli

    @Schnitzelmann:
    Das mit dem Bakalortz war eventuell nicht das Dümmste was passieren konnte. Der stand hier in Dortmund angeblich jahrelang vor dem Sprung in die erste Mannschaft und ist doch immer wieder gescheitert. Das er es auch bei einem kleineren Kalieber wie Frankfurt nicht packt ist bezeichnend (für den Spieler und den Verein).
    Ich denke, dass er einer dieser idealen Zweitligaspieler ist. Der scheint in Paderborn gerade richtig aufzublühen. Mal schauen was er nächstes Jahr so leistet wenn die Aufsteigen.

    Einem Kempf würde mal ein Jahr U23 ganz gut tun. Äh, ja … da war ja was. Ansonsten haben wir uns auch nicht wirklich mit Ruhm bekleckert, was den Nachwuchs in den letzten Jahren anging. Obwohl, wo Kittel und Stendera heute ohne die Kreuzbandrisse stehen würden ….

  3. Herr Schnitzelmann

    Naja, es ist doch normal, dass man guten Spielern ne Träne nachweint, und Schwegler war schon ein Guter….
    by the way was ist eigentlich mit Bakalorz? Kommt der wieder oder hat man denn auch schon weggeschenkt, weil der nicht erstligareif ist oder so…

  4. Volksfesthupe

    Wieso wird in und um Frankfurt herum eigentlich soviel um Spieler einer Mannschaft hinterher getrauert, die in den letzten Jahren gefühlt durchschnittlich Platz 14-15 erreicht. Dann hab ich doch nächstes Jahr lieber eine Wundertüte als Mannschaft als eine mit lauter Evergreens, die in den nächsten Jahren eigentlich immer permanent zwischen hinterem Mittelfeld und Abstiegsplätzen rumkrebsen würde…

  5. Jermaine Jones Junior

    Oh man Leute, was für ein schlimmer Montag… Erst die Nachricht mit Schuster, dann Schwegler. Ich hoffe das ist alles nur ein Alptraum.
    Ich stoße als Eintracht-Fan mal wieder an die Grenzen meiner Leidensfähigkeit.

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