Glorie auf der Trainerbank

Bevor Fragen aufkommen: Nein, meine Verwunderung über die Entwicklung der Eintracht-Trainersuche-Kaderplanung ist nicht gänzlich gewichen. Aber ich habe unterdessen wohltuende Zerstreuung gefunden. Denn während der goldene Trainer-Engel aus Malaga ankündigt, „Bock auf Frankfurt“ zu haben, packt der „Wiesbadener Kurier“ (wir erinnern uns an die „Offenbach Post“, die Valerien Isamel in den Saal schmissen)  den Namen Roberto di Matteo (Ex-Chelsea, Bayern-dahoam-Besieger in der Champions League) aus.

Was soll man sagen? Die Fallhöhe wächst, wenn es am Ende einer vom Schlag Fink wird. Oder schlicht: Welche Fährte falsch ist, welcher mehr oder minder große Name ab Juni 2014 dem Eintracht-Torso vorsteht, wird sich angesichts der zunehmend stärker werden Fliehkräfte in den nächsten paar Tagen sowieso entscheiden. Sie werden sich bei der SGE für einen durchsetzbaren Namen entscheiden müssen. Und sie werden wenigstens wissen – auch durch das Genöle von Leuten wie mir, von euch und anderen – , dass das einer wie Fink nicht wäre. Di Matteo – bekannt durch das Mauerwerk von München – wäre namenlich ein Hammer. Inhaltlich? Schwer zu sagen. Wie schon bei Schuster wäre jedenfalls das flaue Fink-Gefühl nicht wirklich vorhanden. Und deutsch spricht er, wenn auch ohne Bundesliga-Erfahrung, die ja einstmals als Kriterium Nr. 1 galt bei der Veh-Nachfolge. Aber die konzeptionelle Flexibiltät von Bruno Hübner kennt man ja mittlerweile.

So oder so: Die Arbeit, die man schon vor Wochen hätte beginnen müssen, finge nach der Trainerverpflichtung erst richtig an: Welcher Spieler soll bleiben, wen will man verpflichten? Für welches System entscheidet man sich,  welche Akteure benötigt man dazu? Traut man diesem den Sprung zu, jenem nicht? Mit einem Alexander Ignovski als Neuzugang und keinem kursierenden Wechselgerücht kurz vor dem 34. Spieltag, steht man derzeit etwas nackt da. Logischerweise. Wer will schon bei einem Verein verlängern, zu einem Verein wechseln, der selbst nicht weiß wer die sportlichen Geschicke ab Sommer leitet? Gut, wie eben gelernt, wissen wir ja dass es „jetzt alles ganz schnell gehen kann“. „Stand jetzt“. Um noch zwei Bruno Hübner’schne Standardstanzen loszulassen.

Pro di Matteo, sage ich sodann. Einfach, weil ich jetzt mal ein Gefühl, einen Standhaben haben will. Solange der uns Arnesen’sche Chelsea-Kicker vom Leib hält, Stichwort Netzwerk …

Apropos Schweiz:Wie sehr man sich indes im Unfrieden von Pirmin Schwegler, dem Kapitän, mit dem ich persönlich nie so richtig warm wurde, trennte, davon kündet die Pressemitteilung der Eintracht am gestrigen Dienstag. Kühl, ähnlich kühl wie die Atmosphäre bei der Verabschiedung von Sebastian Rode im Waldstadion geht es darin zu. Klar: Der verschnupfte Kapitän macht während seiner Auszeit mit der TSG alles klar, umgeht die offizielle Verabschiedung im Stadion aus Angst vor der Reaktion – und man darf davon ausgehen, dass Armin Veh ihn wegen eben diesem Schritt zuletzt links liegen ließ. Konsequent und ehrenvoll vom scheidenden Trainer. Nicht auszudenken was für ein Tollhauses geworden wäre, wenn man mit Schwegler auf dem Feld am Ende unten reingerutscht wäre und dann der Wechsel bekannt geworden wäre. So oder so: Ein bisschen Jones’esk wirkt Schweglers Abgang schon. Längst nicht so dreist und assozial, aber von einem Kapitän darf man etwas anderes erwarten als so eine zumindest semi-linke Nummer.

Und dann bleibt doch die Frage, wieso man eigentlich einem Spieler aus dem Team hinterhertrauern sollte. Rang 13 / 14 ist schließlich kein Zeugnis für überragende Leistungen. In Schweglers Fall stehen sogar kaum Scorerpunkte, ein Tor schon gar nicht, im Statistikbuch. Das ist auch kein Muss für einen Defensiven, aber ein Sechser darf schon 1,2 Butzen machen und 2,3 Törchen im Jahr vorbereiten. Ist sicher nicht überambitioniert. Es ist halt das Gefühl, dass der Schwegler – wie auch Meier und Aigner – mit dem Ball wenigstens etwas Gescheites anzufangen wissen. Das ist im Normalfall eine Idee, eine Struktur dahinter. Jedenfalls macht(e) er wenig Mist, wenn er am Ball war. Muss einem Eintracht-Fan genügen, dieses Attribut. Wir kennen ja genug, wo auch das zu viel verlangt ist (Rode, Oczipka, Djakpa, Inui, Rosenthal …).

Senken wir nun also unseren Puls und lassen nach Saisonende die bundesligalosen Wochen an uns vorbeiziehen. Wir können die Entwicklungen, die bevorstehen, eh nicht ändern. Sie holt uns schon früh genug wieder mit einem harten Schlag zurück in die Realität, die Eintracht in der Bundesliga, die sie immer mal wieder beehrt.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Glorie auf der Trainerbank

  1. Olli

    Es muss ganz schnell ein Trainer her. Der Name spielt eigentlich keine Rolle mehr. Man hätte problemlos nach seiner Entlassung den Slomka holen können. Wir standen damals zwar sehr tief in der Tabelle. Aber wenn er den HSV übernimmt hätt er auch sicher einen Vertrag ab 01.07.14 bei uns unterschrieben – egal für welche Liga!

    RdM: das kann niemandens ernst sein! Welche Wette muss der verloren haben falls das wirklich zustande kommt??? Der kriegt aktuell von Chelsea abgeblich um die 8.5 Mio € fürs nichtstun überwiesen – jährlich. Um den für zwei Jahre zu bekommen müssten Jung, Zambrano und Trapp gleichzeitig gehen – ohne Neuzugänge mit Ablöse.

    Wenn ich an Schuster denke komme mir irgendwie komische Gedanken: Was machen eigentlich Stepanovic, Skibbe, Fanz, Reimann oder Körbel? Ich würde sogar die Urne von Jörg Berger lieber am Spielfeldrand sehen als Schuster.

    Irgendein Trainer, von mir aus ein ungesehner aus der 8. Liga, muss ganz schnell her. Um den Kader weiter am auseinanderfallen zu hindern und einen neuen aufzubauen!

    Und wenn ihr denkt, wir haben dieses Jahr Probleme mit den Kader – mal die Auflistung welche Verträge alle 2015 auslaufen:
    Wiedwald, Zambrano, Bamba, Madlung, Otsche, Jung, Lanig, Stendera, Inui, Aigner & Schröck.

  2. Herr Schnitzelmann

    …und letztendlich arbeiten die auch nur für jemanden. Die Spieler sind nicht, wie die Fans, vernarrt in den Verein, das ist für die nur ein Arbeitgeber.
    Ganz normal, dass dieser mal gewechselt wird, zumal, wenn man noch ne satte Gehaltserhöhung mit dazu bekommt!

    Es dreht sich also nur um die Frage, wie man sich bei Kündigung verhält.

  3. eauso

    Den Ochs vergess ich auch nicht – die Pfeiffe.
    Das Bild habe ich noch vor Augen – er auf dem Koffer sitzend.
    Zuhause brennt die Hütte; und er ist mit dem Kopf und seiner Zahnbürste schon auf der Suche nach dem nächsten Arbeitgeber.

    • Adlerschnabel

      HB hat Ochs bei der Eröffnungsfeier des Riederwald-Zentrums vor laufenden Fernsehkameras gesagt, er könne nur „rennen und treten“. Das hat dann wohl Ochs nicht vergessen…

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