Die Bilanz 2013/2014

In der Bundesliga den Klassenerhalt geschafft, im Europapokal atmosphärische Glanzlichter erstahlen lassen, im DFB-Pokal Passables erreicht – die Saison von Eintracht Frankfurt ist schnell bilanziert und bewertet.

Nach der Hinrunde (15 Punkte) war nicht zu erwarten, dass die Mannschaft den Klassenerhalt schafft, schlußenlich sogar ohne das ganz große Zittern in der Rückrunde (21 Punkte). Das liegt auch daran, dass die Kellerkinder 2013/2014 so schlecht waren/sind, wie nie zuvor. So wenig Punkte (28) hat es noch nie benötigt, um direkt die Klasse zu halten. Und nie wieder wird man so wenig benötigen.

Der Uefa-Cup bleibt nicht so sehr wegen sportlicher Erfolge in Erinnerung – dafür waren die Gegner zu schwach, der erste richtige Gegner (gegen den man sich achtbar schlug) wies die Eintracht in die Schranken. Das Besondere an den Europapokalmonaten ist die Aufwertung, die der Wettbewerb durch die Eintracht-Fans, deren Fanatismus und Gier nach internationalen Spielen erfuhr.

Und doch hängt der Klassenerhalt direkt mit dem gerade noch rechtzeitig erfolgten Ausscheiden in der Europa Liga zusammen. Das 3:3, so bitter dieser Moment war, dürfte die SGE-Zugehörigkeit zur ersten Bundesliga gerettet haben. Das, und die Tatsache, das der Druck der direkten Konkurrenz zwischen 18 und 16 permanent ausblieb. Bemerkenswert: Die Entscheidung fiel weniger in Wochen der Wahrheit, in den Spielen gegen die direkte Konkurrenz zwischen Rang 12 und 18 (wo man sich jedoch recht schadlos hielt), sondern durch Siege gegen Angstgegner wie Mönchengladbach, Stuttgart und Mainz. Eine erlangte Heimstärke gab den Ausschlag, so, wie Trainer Armin Veh das letztlich vorhersagte.

Vom DFB-Pokal bleiben ein grauenvolles Spiel in Illertissen und ein unglückliches Aus gegen Borussia Dortmund hängen.

Sportlich erwähnenswert ist noch die Phase der Saison-Zielgerade. Nachdem der Heimsieg gegen Mainz 05 und somit 35 Punkte erreicht waren, platzte der (Heiß)luftballon Eintracht Frankfurt im Nu. Wurde zuvor – bei den Partien gegen Bayern München und Borussia Dortmund – aufgrund des zurückhaltenden und personell abgespeckten Auftretens von „abschenken“ gesprochen, traf diese Bewertung viel mehr auf die letzten 4,5 Wochen der Saison zu. Anstatt einen möglichen Rang 9. anzupeilen, wurde ebenso minimalistengleich wie erfolgreich der 13. / 14. Platz angestrebt. Das ist beschämend. Die letzten fünf Spiele waren frech, unwürdig und sorgen dafür, dass man problemlos ohne diesen Trainer, ohne Spieler aus dieser Truppe weitermachen kann – wenn denn die richtigen transfertiert werden.

In Erinnerung bleiben wird auch der Fluch der 86. Minute – die erst verneinten, dann eingestandenen Konditionsmängel. Die kolportierte Verletztenmisere, die es so nie gab. Die Kopfprobleme, die als ultima ratio herbeizitiert wurden. Furchterregende Spiele wie in Hamburg, wie in Hoffenheim. Der Zweck hat am Ende die Mittel geheiligt.

Neben dem unmittelbar Sportlichen ist es Zeit, die Transfers in der Gesamtheit zu bewerten. Das ist recht schnell getan: Es ist düster, was auf dem Transfermarkt vor der Saison geschah. Einzig Johannes Flum, der Gescholtene, entpuptte sich im Laufe der Runde als Gewinn. Vor allem dann, wenn er nicht spielte, merkte man, das etwas, das er fehlt(e). Mehr noch als das bei Pirmin Schwegler oder gar Sebastian Rode der Fall war. Dass der – entgegen aller Erwartungen – Retter, der Top-Transfer den Namen Alexander Madlung trägt – ein vertragsloser Spieler – sagt viel über die qualitative Zusammenstellung des Eintrachtkaders aus. Vaclav Kadlec kopiert Martin Fenin, Joselu ist eine Dreitagsfliege (für die man offenbar Millionensummen zu investieren bereit ist), Jan Rosenthal ist – sein überlebenswichtiges Tor gegen Stuttgart ausgenommen – ein Ärgernis, Tranquillo Barnetta wurde erst im März zur erwarteten Stütze, Stephan Schröck ist Stephan Schröck und Tobias Weis gab es auch noch. Felix Wiedwald nicht zu vergessen, den man aber seriös nicht bewerten kann. Das ist sie, die Liste der legendären Zukäufe. Zu einer Eintagsfliege wie Takashi Inui ist da noch kein Wort geschrieben.

Von den (U23 wird abgemeldet) laut Vereins-PR so top ausgebildeten Jugendspielern (sinnbildlich Marc-Oliver Kempf) hat niemand den Sprung in den Kader, geschweige denn in die Startformation geschafft, oder auch nur bei Einsätzen so etwas wie Potential angedeutet. Umso erstaunlicher, dass man die Reserve – die immerhin auch Herren und nicht Jugend spielt – abmeldet und ab kommender Saison einen Batzen Spieler qua Vertrag im Profikader hat, die man offenkundig für qualitativ zu dünn einschätzt.

Die Trainersuche – die nun seit Ende Dezember 2013 (fünf Monate) – andauert, droht ebenfalls geschichtsträchtig zu werden. Offenbar begann man im Verein erst nach der als verfrüht gegeißelten Veröffentlichung von Vehs Nichtverlängerung durch Heribert Bruchhagen damit, sich mit der Trainernachfolge zu befassen. Das (Nicht)Resultat ist bekannt, mit allen personellen und kaderstrukturellen Folgen, die es hat (Schwegler) und noch haben wird – wie ab sofort peu a peu veröffentlicht werden wird. Bis Ende August, so viel muss jedem klar sein, werden noch einige Spieler die Mannschaft verlassen. Wer kommt, steht dagegen in den Sternen.

Alles in allem ist es so, dass Eintracht Frankfurt dort gelandet ist, wo es fast immer landet: im hinteren Liga-Drittel, best of the rest-rest. Unter den Vorzeichen der Hinrunde ist das ein guter, ein zufriedenstellender Ausgang. Man kann nicht gestern das nackte Überleben als Ziel ausrufen und morgen am Europapokal schnuppern wollen. Betrachtet man allerdings, was nach dem doch recht frühen Erreichen des Klassenerhalts (und angesichts des Restprogramms nicht unrealistisch) möglich gewesen wäre (Rang 10, sogar Rang 9), ist das eine schwache, eine unbefriedigende Saison . Gerade weil das Auftreten in den letzten fünf Spielen unter aller Sau war – was in puncto Verträge, seien es Trainer oder Spieler, und TV-Einnahmen nachhaltig schaden wird.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Die Bilanz 2013/2014

  1. Frank

    Warum die Trainersuche sich so zieht? Hierzu ein älterer Zeitschriftenschnipsel:

    Die Januarausgabe 2012 von „11 Freunde“ enthält einen Beitrag zum FC Basel. Dort steht geschrieben, dass man sich im Verein größte Zukunftssorgen machte, als Erfolgstrainer Christian Gross 2009 abwanderte. Und jetzt kommt´s: Der heutige Präsident (damals Vize) erklärt, warum sie sich nicht sofort auf die Suche nach einem Nachfolger machten. „Stattdessen haben wir uns erst gefragt, wer wir sind und was wir wollen. Welches sind unsere Werte und wie übertragen wir sie auf die Mannschaft, also auf die 30 wichtigsten Angestellten unseres Klubs? Welche Show wollen wir unten auf dem Rasen bieten?“

    Fragen zu beantworten, die niemand stellt, ist halt gar nicht mal so einfach und braucht seine Zeit.

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