Unwürdiges Schauspiel

Es ist ein unwürdiges Schauspiel was derzeit in Paderborn aufgeführt wird. Der Trainer André Breitenreiter führt sein Team zum direkten Aufstieg in die Bundesliga, womit von 1000 Experten einer gerechnet hätte. Er feiert mit seinem Team, lässt sich feiern, dementiert vor dem letzten Spieltag seine Wechselabsichten (zu Eintracht Frankfurt), dementiert sie nach dem Abpfiff des letzten Spieltags, dementiert sie drei Tage nach Saisonende – und doch wird weiter eifrig behauptet, dieser Trainer sei die „Geheim“waffe von und für Eintracht Frankfurt (deren Sportdirektor Verhandlungen mit Breitenreiter vor wenigen Tagen ebenfalls dementierte).

Mal angenommen, es sei doch etwas dran am Breitenreiter-Baggern, ergo, der SCP-Coach würde lügen (ebenso wie Bruno Hübner): Von welchem Charakter würde das bitte zeugen? Mit Engelszungen das eine sagen, mit Teufelshörnen das andere machen? Braucht es – unabhängig von Qualität, Klasse, Können – solche Leute, will ich mir so einen Charakter ins Haus holen? Was, wenn so ein Typ so eine Show ein, zwei Jahre später in eben diesem eigenen Haus abzieht? Um das klarzustellen: Ich will damit André Breitenreiter nicht des Arschlochtums, nicht mal dem Hang zur Dreistigkeit und Eiseskälte unterstellen. Das alles wäre nur in dem Moment Fakt, wenn es doch so käme, dass er – wieder Erwarten – Eintracht-Coach würde. So ein Versteckspiel wäre, spätestens seit Montag dieser Woche, ebenso unredlich wie überflüssig.

Nein, die Dinge dürften ganz simpel sein. Und zwar so, wie die FAZ – ein Blatt, das etwa im Politikteil auch gerne mal vor sich hin-interpretiert – das in der Mittwochausgabe analysiert: Die Kandidaten gelten verschiedenen Fraktionen im Klub als zu makelbehaftet, als zu dünn, als nicht durchsetzbar. Es wurde viel zu spät begonnen, sich um die Veh-Nachfolge zu kümmern – weil Bruno Hübner wieder mal lieber durch den Morast des Bittstellertums kriechen wollte um den Trainer (abermals) zu überreden. Wochen gingen ins Land, die Alternative zur Armin-Umstimmung hieß Roger Schmidt, perdu. Danach gab es nichts, gab es keinen mehr. Man näherte sich sehenden Auges der Resterampe. Heribert Bruchhagen verstrickt sich indes in Befindlichkeitskämpfe und versucht semi-altersstarr paralell zu Hübner zu agieren.  Im Prinzp macht man bei Eintracht Frankfurt seit der Schmidt-Absage jedoch das, was man Monate vorher schon hätte tun sollen: Suchen, sondieren, sprechen – ja, auch kontrovers – und einen Nachfolger präsentieren. Denn danach beginnt sie ja erst, die Kärnerarbeit mit den Spielerverträgen. Neuzugänge ist das Stichwort (Ignovski liegt ja bereits auf dem OP-Tisch, in typischer Eintracht-Manier), Abgänge ist das andere. Im Januar, Februar, März waren die Trainer, die man nun im Fokus hat, ebenso arbeitslos bzw. absehbar leicht zu haben (Schuster) wie jetzt. Mit jedem Tag der vergeht, haftet dem Neuen jedenfalls der Makel der Notnotnotlösung stärker an – es sei denn, sie präsentieren wirklich einen Trainer, der wie Kai aus der Kiste kommt und etwas vorzuweisen hat. Doch das scheint angesichts des Treibens der vergangenen drei Jahre illusorisch, entpuppte sich doch jede vorausorakelte Personalie als Treffer.

Wäre Frankfurt, wie Bruchhagen, Hübner und Co. nicht müde werden zu behaupten, jedenfalls so eine umgarnte, beliebte, anerkannte Top-Adresse für Trainer – wieso zieren sich die paar fähigen Trainer offenkundig so? Wenn der Main-Magnet nicht wirkt, vom sportlichen Auftreten der vergangenen fünf Spiele ganz zu schweigen, dann stimmt wohl etwas mit dem Selbstbild nicht. Wenn dein Ex-Trainer zu einem Team wechselt, das nochmal zwei Positionen hinter dir rangierte in der Saison, das trotzdem zurecht (!) mit der besseren Perspektive begründet, musst du doch mal ins Denken kommen, an dir selbst schnuppern, die Mottenkugeln aus dem Anzug schütteln. In diesem Klub, das wird nun hoffentlich auch den letzten Ewig-Treuen und Forza-SGE-koste-es-was-es-wolle-People klar, liegt derart viel im argen, dass es jeden Fan körperlich schmerzen müsste.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Unwürdiges Schauspiel

  1. Olli

    So geht Trainer-Nachfolge:
    spiegel.de/sport/fussball/mainz-05-hjulmand-soll-neuer-trainer-werden-a-969540.html

    • Falsch. So geht sie bei Vereinen, die stragetisch und organisatorisch professionell aufgestellt sind. Weil man immer einen Plan B in der Tasche hat, weil man sich 52 Wochen im Jahr mit allen Szenarien personeller Natur befassen sollte. Viel Konjunktiv für einen Verein wie Eintracht Frankfurt.

  2. EausO

    Habe gerade den besagten FAZ Artikel gelesen, und bin hin und her gerissen.
    Einerseits…
    Der direkte Vergleich Bakalorz/Weiss legt schonungslos offen, das man auch den Griff von der Resterampe vergeigen kann – wobei Madlung eigentlich zeigt, das es geht – sofern das sooo beabsichtigt/geplant war
    Andererseits…
    Der ominöse Geldclub, der dann doch noch das Kunststück vollbracht hätte, Veh zu halten, und dem Herri die „Schuld“ in die Schuhe schiebt, das Veh doch noch gegangen ist – dann macht doch das Geld JETZT locker, und lasst euch JETZT feiern, oder haltet einfach das Maul, und fresst euer Geld und erstickt dran

    Man hat sich eingerichtet in Frankfurt – aus dem Club heraus wird sich nicht viel ändern.

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