Die Werder-Wechselbörse

Heribert Bruchhagen sagte während der Pressekonferenz zur Vorstellung von Thomas Schaaf als neuem Trainer jenen Satz, den ich vor zwei, drei schon im Textfluss prophezeite: Mit jedem Trainer verpflichtet man auch ein Netzwerk. Ein Netzwerk an, Kontakte zu Spielern, mit denen der Neu-Coach gut konnte, die mit dem Alt-Coach gut konnten – das der neue Klub anzapfen will. Jetzt ist es nichts als Gedankenspielerei vom 400 Kilometer entfernten Frankfurt aus zu mutmaßen, wer diejenigen welchen sein könnten, die konsequenterweise nun vom Magneten Schaaf in Richtung Main gezogen werden. Doch es gibt Indizien, jedenfalls Möglichkeiten. Ein Überblick:

Lukas Schmitz (26 Jahre), unter Schaaf 2012/2013 Stammspieler, könnte als Linksverteidiger oder linker Mittelfeldspieler eingekauft werden. Könnte als defensive Option und Konkurrent von Takashi Inui zum Team stoßen (Jan Rosenthal soll und will Frankfurt verlassen).

Mehmet Ekici (24 Jahre) würde für das das zentrale Mittelfeld – mit Noch-Teamkamerad Ignovski – als Schwegler-Ersatz auf der 6 dienen können. Das ewige Talent kam allerdings schon unter Schaaf kaum zu Einsätzen, wusste selten zu überzeugen, ist verletzungsanfällig.

–> Beide sollen laut Weser Kurier den Verein verlassen, beide haben noch je 1 Jahr Vertrag. Ekici kam einst für 5. Millionen Euro von Nürnberg zu Werder, das zwar Abstriche machen wird, aber um die 2,5 Mio. sicher verlangen würde. Zu viel für Eintracht Frankfurt. Schmitz kam für 2,5 Millionen von Schalke 04 zu Bremen – um die 1 Mio. wären wohl fällig für ihn. Möglich für die SGE, aber nicht für einen Mann, der wohl eher als Nummer 13 / 14 dazu stoßen würde.

Aaron Hunt ist illusorisch, Ablösefreiheit hin oder her. Ebenso Marko Arnautovic, Marko Marin und Claudio Pizarro, mit denen Schaaf noch 2011/2012 arbeitete. Markus Rosenberg wird auch nicht zu locken sein. Am interessantesten, aber ebenso unrealistisch wie die Kategorie Aaron Hunt, wäre Zlatko Junuzuvic.

Realistischer (und beängstigender) ist da schon eher Sandro Wagner (26), der aktuell bei Hertha BSC sich nicht durchsetzt ist. Auch Thorsten Oehrl, der ja schon vor zwei Jahren mal in Frankfurt gehandelt wurde, ist ein Ex-Schaaf-Schützling aus 2010 und mit Braunschweig jüngst abgestiegen – allerdings ist er „bereits“ 28 Jahre alt. Bei St. Pauli in Liga 2 spielt Lennart Thy, ein ebenfalls offensiver, aber mit Anfang-20 jüngerer Mann.

Wäre es nicht sein Name, der ihn kategorisch für Eintracht Frankfurt ausschließt, müsste man bei Hugo Almeida (29) zuschlagen – er war Teil von Schaafs Team bis 2010. Der Vertrag des Portugiesen endet im Juni 2014 – er wäre ablösefrei aus der Türkei zu haben. Aber das Gehalt wird man sich gar nicht ausmalen können in der Mörfelder Landstraße.

Daneben gibt es noch einige Spieler aus Bremen, die man schon auf den ersten Blick als Leute bewerten muss, die Eintracht Frankfurt nicht verbessern können: Felix Kroos und Philip Bargfrede etwa.

Und an dieser Stelle endet die Werder-Kontaktbörse des Thomas Schaaf. Oben stehen die Namen all jener, die – mit welchen Wahrscheinlichkeiten auch immer – nun demnächst nach Frankfurt wechseln könnten.

An Namen wie Almeida, Pizarro, Junuzuvic und Hunt können sich Träumer und Phantasten abarbeiten. Schmitz und Ekici, das könnten Kandidaten sein – wobei auch da die Frage gestellt werden müsste (die Ablösesummen außen vor gelassen), ob solche Spieler die Abgänge kompensieren, geschweige denn die Mannschaft voranbringen könnten. Der Daumen zeigt bei der Beantwortung dieser Frage eher nach unten als nach oben. Mehr noch als die Wahrscheinlichkeits-, stellt sich die Qualitätsfrage bei Spielern wie Wagner oder Oehrl.

Zumal: Viele Spieler, die Schaaf einst trainierte und die für die Eintracht attraktiv sein könnten, haben mittlerweile ein gewisses Alter erreicht. Ende 20, Anfang 30 – oder sind (das spricht auch für Schaaf) „Stars“ geworden, die eine SGE nie bezahlen könnte und auch nicht sollte (Marin, Arnautovic, Harnik).

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11 Kommentare

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11 Antworten zu “Die Werder-Wechselbörse

  1. Pingback: Rundgang durch den Krämerladen (III) | Eintracht-Inside

  2. Pingback: Schaaf zu Frankfurt. | Werder Exil

  3. flip

    Sehr schön zusammengefasst. Gefällt mir sehr gut…ich werde deine Seite öfter besuchen müssen.

  4. Jermaine Jones Junior

    Aaron Hunt meint, dass ALLES offen sei. Warum sollte sein Wechsel nicht klappen, nachdem Jungs Gehalt uns erspart bleiben wird?
    Barnetta kann von mir aus gehen. Seine Leistungen waren mir zu schwankend. Vllt. kann Schaaf Inui wieder hinbekommen. Inui hat uns schließlich verhältnismäßig viel Geld gekostet.

    • Geht man davon aus, dass an der (Ver)Zocker-These bei der causa Hunt etwas dran ist, darf man wohl mutmaßen, dass er ein üppiges Gehalt fordert. Dazu die Tatsache, dass Hunt wenig reizen dürfte vom 12. zum 13. zu wechseln. Einem 13., dem gerade einige der besten Spieler für Kleingeld davonrennen und der in puncto Zugänge nicht gerade den Eindruck erweckt, die Fühler nach Hochqualitäts-Ersatz auszustrecken (gerüchtete Namen bisher: Chandler und Hasebe von Nürnberg, dem 17. der Tabelle).

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Faktor Schaaf eine so große Rolle Wirkung hat, dass er die o.g. Schattenseiten überstrahlt. Als Linksfuß, also als offensiver Außen, wäre er natürlich eine Riesenhilfe. In der Zentrale, sozusagen auf der Meier-Position, nicht. Das greift aber schon zu weit: Ich glaube schlicht nicht daran, dass das realisierbar ist. Zumal es zuletzt ja hieß, Hunt bliebe vielleicht sogar doch in Bremen. Wie du schon schriebst: ALLES offen 😉

  5. Staniii

    Russ, Lanig, Ignjovski und Flum reichen dir nicht für die doppel 6? 😉
    Wurde ja schon angekündigt und ich bin auch dafür das da noch ein Spielstarker 6er kommt. Für links, rechts und für den Sturm sind auch noch neue geplant, von daher braucht man sich erst mal keine Gedanken machen das die verantwortlichen das verschlafen.

    • Olli

      Ich plane halt nicht dauerhaft mit Russ auf der 6.
      Bamba ist wohl leider aus dem Rennen (Chris 2.0). Kempf ist der allerletzte Notnagel. Von daher wird er wohl des öfteren mal in die IV rutschen wenn Zambrano oder Madlung ausfallen.

      Von Ignjovski wissen wir noch gar nichts und die anderen beiden sind formabhängig ….

      In unserem Mittelfeld hat sich viel mittelmäßiges angesammelt …

      • Staniii

        Bin erst mal optimistisch das Anderson zumindest körperlich wieder fit wird. Ansonsten sind wir gleicher Meinung. So gut wie mir Lanig und Russ zuletzt gefallen haben und unter der Vorraussetzung das Flum an seine guten Leistungen anknöpfen kann, sehe ich neben ihm den noch angesprochenen spielstarken 6er und Ignjovski ist das in meinen Augen nicht. Wenn es allerdings so läuft wie zuletzt unter Veh, brauchen wir uns nicht wundern wenn einer von den großen wieder auf der halbposition aufläuft.

  6. Olli

    Ich glaube nicht, dass Werder Bremen – oder ehemalige davon – unseren bevorzugten Wunschkandidaten auf dem Einkaufszettel sein sollte. Die Mannschaft hat als Kollektiv eigentlich versagt. Das war nicht wie beim HSV, der einfach nur ne grotten Saison hatte wie Hertha vor ein paar Jahren (die einzelnen Spieler können ja was).

    Schmitz: wir haben einen halbwegs fähigen LV und dazu Oczipka. Ich würde den Basti gerne mal in LM sehen, denn offensiv war der meist besser als defensiv. Wurde das von Veh beim 5-Spiele Saisonausklang nicht mal probiert?

    Ekici: ist mir bei Bremen eigentlich nicht nie aufgefallen. Selten gehört den Namen.

    Arnautovic: selbstverliebt, arogant, launisch … ausgeliehen nach England
    Marin: für den müssten noch Trapp & Zambrano gehen
    Pizza: der wird nicht mal dran denken, seinen hochbezahlten Minijob bei den Bayern aufzugeben der ihm regelmäßig Titel und Medaillien einbringt. Außerdem, wie alt ist der inzwischen?

    Hunt, Junuzovic & Almeida: Anfragen kann nicht schaden.

    Wir haben eigentlich immer noch eine vernünftige Truppe. Die Ersatzspieler haben doch mehr als einmal gezeigt, dass sie der ersten 11 teilweise in nichts nachstehen. Es gilt jetzt die Abgänge (Schwegler & Jung) adequat zu ersetzen. Gerade für die rechte Seite muss wohl richtig investiert werden. Bei den 6ern ist es aktuell auch recht dünn (je nachdem wo Russ demnächst spielen soll). Joselu ist aus meiner Sicht absolut zu entbehren. 5 Tore in 5 Spielen, nach wieviel Anlauf? Hat Madlung zuletzt in 20 Minuten geschafft 😉 Barnetta hat auch viel Anlauf gebraucht, dem werde ich aber schon etwas nachtrauern. Vor allem muss da noch ein (Nachwuchs-)Stürmer her. Aber ich hoffe, das Schaaf endlich den Kadlec spielen lässt. In dem steckt viel Kapital und viel Talent.

    In erster Linie ist es wichtig, die riesigen entstanden Lücken mit Brocken zu stopfen. Und den Kader bis auf Ausnahmen (Inui, Weis, Kittel) zu halten.

    Aber diese Saison müssen auch vielen Weichen für die Zukunft gestellt werden. In 2-3 Jahren steht Leipzig vor der Tür und verdrängt einen (traditionsreichen) Erstligisten. Für Fehler und Fehlinvestitionen ist diesen Sommer wenig Platz. Und ich hoffe, dass Bruchhagen auch mal über seinen Schatten springt, und mal ein bisschen über die Verhältnisse wirtschaftet.

    • Ich bin da nah bei dir. Die Auflistung soll auch kein Plädoyer für die genannten Spieler sein, es ist mehr eine Schau dessen, von wem/was wir überhaupt reden beim Thema „Schaafs Netzwerk“.

      Würde ich mich zum fantasieren hinreißen lassen, würde ich Almeida und Junuzovic mit Handkuss nehmen. Wobei das wie gesagt beides illusorisch ist. Ersterer wegen des Gehalts und der vermeintlichen Konkurrenz, zweiterer weil er ein integraler Bestandsteil des Bremer (wieder mal) Neuaufbaus ist. Ekici war bei Nürnberg bärenstark, aber seitdem (auch wegen Verletzungen) völlig außer Tritt. Riecht nach one-hit-wonder. Wäre der sehr günstig, also so für ein bis zwei Mio. zu bekommen, sollte man zuschlagen. Wird aber nicht passieren. Auf den Rest kann ich – Pizarro ausgenommen – auch verzichten.

      Es wird ja noch einige Abgänge geben. Barnetta ist bereits unwiederbringlich fort, Joselu dürfte nicht zu halten sein, sollte es bei 3 / 4 + Mio. auch nicht. Schröck, Celozzi und Rosenthal werden wechseln.

      Erstmal gilt es die entstandende Qualitätslücke zu schließen – mind. gleichwertig. Ergo: Qualitativ hochwertiger Ersatz für Jung, Schwegler und Rode. Jeweils noch nicht vorhanden, Ignovski noch am ehesten als Rode-Ersatz, von dem was man von ihm bislang gehört hat.

  7. Pingback: #Link11: Ein Funkel im Schaafspelz | Fokus Fussball

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