Jedermanns Scheich

Szenario: Was macht Eintracht Frankfurt eigentlich, wenn Scheichs/Investoren/Mäzene/Gönner – sagen wir einfach jedwede Form externer Finanzierungsmodelle – zum völlig normalen Bestandteil der Bundesliga, des Fußballs werden? Die Papiertiger 50+1 hin, financial fairplay her? Eintracht Frankfurt steht vor Weichenstellungen, hätte dort schon lange stehen sollen. Da ist es nicht damit getan, wie Axel Hellmann nach der nächsten Transferschlappe ankündigt, „mehr ins Risiko gehen“ zu wollen. Ich habe angesichts dessen von einem Forums-Nutzer namens „seeadler“ einen vorzüglichen Beitrag gelesen. Diesen kopiere ich und stelle ihn zur Diskussion:

In den nächsten zehn Jahren wird jeder seinen Scheich / Geldgeber haben müssen, so wie jeder Bundesligist irgendwann in einer “Arena” zu kicken hatte (ob sie ihm nun gehört oder nicht). Besser, man ist dafür schon bereit, anstatt zu sagen, dass es so etwas bei uns nicht gebe o.Ä.

Mir gefällt das ganz und gar nicht, sehe das ähnlich, wie der früher bei uns verteidigende Serbe: der Fußball hat mit dem Fußball nichts mehr zu tun. Klar, Fußball war immer auch zu einem gewissen Grad “kommerziell”, aber was im Moment passiert, ist schon keine graduelle Veränderung mehr, sondern hat eine vollkommen neue Qualität: der Kommerz ist nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern dient nur noch sich selbst. Ich weiß auch nicht, ob und wie lange ich den Weg noch mitgehe und wann ich womöglich einfach keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß habe…

Aber solange man noch Hoffnung hat, und zumindest – wenn auch nur für sich – etwas “Wahres” an der Eintracht und dem ganzen Affentheater “Bundesliga” findet (Bock auf Titel, die Fachsimpelei vor und nach Spielen, in den Wald rausgehen, Auswärtsfahrten etc.), muss man die Rahmenbedingungen halt annehmen und unter den geschriebenen wie ungeschriebenen Regeln mitspielen. Leider.“

Der Kommentator spricht im Prinzip von Sport-Darwinismus: Fressen oder gefressen werden. Wenn Red Bull Leipzig erstmal in der 1. Bundesliga weilt, ist das nächste Eliteklassen-Abo sprichwörtlich verkauft. Die Liste der Klubs, die Eintracht Frankfurt – unter den gegebenen Strukturen zumal – noch hinter sich wird lassen können, droht immer schmaler zu werden.

Ein Wort noch zu Hellmanns Risiko-Gelöbnis: Das sagen die bei der SGE angesichts von Normal-Marktpreisen von fünf Millionen Euro (ja, plus Gehalt) für einen recht jungen Stürmer; einen, den man eigenen Aussagen zufolge als Nr.1 für die Offensive verpflichten wolle. Hannover hat den Joselu übrigens, nachdem sie ihn für den Fünfer kauften, in den Vierjahresvertrag eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben lassen. 10, in Worten: zehn Millionen Euro, sprich: Kaufpreisverdoppelung. So, Bruno Hübner, geht Klausel. Die Dinger sind ja nicht per se ein Teufelswerk; wenn man sich nicht gerade ein bis zwei Millionen Euro für Stammspieler (Schwegler / Jung) dort hinein-diktieren lässt.

Jedenfalls dürfen wir uns nun, und jährlich grüßt das Dänentier, mit dem Namen Nicklas Bendtner herumschlagen. Was im Sommer 2013 als Skurilität begann und als Posse endete, wird 2014 aufgewärmt. Ablösefrei ist er mittlerweile. Und getroffen hat er auch in der Zwischenzeit nichts, der Mann. Dafür möchte der aber bestimmt nicht weniger Gehalt sehen als der Jose Sanmartino, der nun für Martin Kind kickt. Gut, man „spart“ sich 5 Millionen Euro Ablöse, könnte den Bendtner also so eineinhalb Jahre Partyleben am Mainufer finanzieren. Gezwungen Glamour herbeizaubern, soll ja manche geben, die sowas ganz supi finden. Hugo Almeida hat indes beim letzten WM-Test Portugals mal eben den anderen Beachboys in grün-rot die Show gestohlen; nicht die schlechteste Bewerbung für einen neuen hochdotierten Vertrag bei besseren Vereinen als Stand-jetzt-Abstiegskandidat Einracht Frankurt das 2014/2015 sein kann.

Ich bin echt gespannt, welche drei, vier hochqualitativen Spieler der momentan urlaubende (!) Bruno Hübner und der sicher bereits euphoriegebremste Thomas Schaaf da bis zum Trainingsauftakt noch verpflichten wollen. Ach, ich vergaß: 31. August ist ja der Stichtag, nicht das erste Training. Denn ob ein Team in den ersten zwei, drei Pflichtspielen eingespielt ist oder nicht, ist ja egal. Zwei WM-Fahrer, die ab Ende Juli mit leichtem Training beginnen, sind bis Ende August, für die letzten 30, 31 Spiele jedenfalls voll drin im Team. Solange wirbeln Schröcki und Waldschmidtinho mit Knie-Kittel und Takashi durch des Gegners Reihen 😉

Die kommende Saison droht tabellarisch eine echt üble für die SGE zu werden. Bislang, so analysiert es etwa die „Frankfurter Rundschau„, ist nichts geschehen außer zwei vakante Positionen mit Leuten zu besetzen, bei denen man zumindest zweifeln darf, ob sie die Abgewanderten ersetzen, geschweige denn die Qualität des Teams heben können. Ja, es ist noch viel Zeit bis zum ersten (Pokal)pflichtspiel; bis zum Trainingsauftakt, dem ersten Trainingslager sind es noch gut drei, vier Wochen, das ist schon nicht mehr ganz so viel. Und jeder Eintracht-Fan darf ruhig davon ausgehen, dass bei Carlos Zambrano und Kevin Trapp die Messe noch nicht gelesen ist; gerade bei Ersterem nicht, was man so hört.

Das alles hier soll kein Plädoyer für Investoren-Klubs sein. Nur drängt sich der Eindruck ja förmlich auf, dass die SGE die Zeichen der Zeit (aus Trotz) verschläft; und ihr das zum Verhängnis werden wird, eben weil die anderen eben doch nicht scheitern. Es wird dann eben immer mehr Geld reingepumpt – und bislang gibt es noch kein Beispiel dafür, dass alles daniedergeht, wenn Mr. X aus Z-City keine Lust mehr auf das Sportspielzeug und die Monopolymillionen hat. Auch da halte ich es mit der Bewertung wie der oben zitierte Kommentator: leider.

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9 Kommentare

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9 Antworten zu “Jedermanns Scheich

  1. Staniii

    Ich frage mich was so eine strategischer Partnerschaft überhaupt ist,
    zumal mir kein Fall bekannt ist, bei dem der Verein z.B. vom know how
    des Partners profitiert. Ein paar Fußballprofis bei seinem Sommerfest oder
    der Weihnachtsfeier zu präsentieren geht auch günstiger. Ich kenne es nur
    so wie bei der SGE früher / jetzt (Stadionvermarktung) oder bei der
    Hertha wo der Investor darauf spekuliert, seine Anteile irgendwann
    gewinnbringend verkaufen zu können bzw. in Form von Abtretung der
    Vermarktungsrechte gegen eine garantierte Summe.

    Eine strategische Partnerschaft wäre in meinen Augen wenn der Investor seine Kompetenzen einbringt um zum einen die Außenwirkung des Vereins mit zu entwickeln und im Tagesgeschäft hilft Abläufe zu optimieren. Natürlich nicht im sportlichen sondern im Wirtschaftlichen Bereich.

  2. Jermaine Jones Junior

    Ruhe in Frieden Frank Schirrmacher. Ein großer Geist des freien Denkens ist von uns gegangen.

  3. Jermaine Jones Junior

    Wir brauchen Geld. Das ist klar. Aber welche Alternativen stehen uns zur Verfügung?

    1) Ein Mäzen? Milliardäre in und um Frankfurt, die mit der Eintracht symphatisieren gibt es bestimmt einige. Ob sie oder ob wir (einschließlich mich, ich naiver Fußballromantiker) eine Investition in dieser Form wollen, ist ziemlich unwahrscheinlich. Die konservativen handelnden Personen (HB und AH) schon garnicht.

    2) Strategische Partnerschaften? Klingt schon etwas „vernünftiger“. Auf jedenfall sallonfähiger als obige Alternative. Werfen sich an dieser Stelle automatisch 2 Fragen auf:

    a) Warum sollten Konzerne mit uns kooperieren wollen?
    Die Deutsche Bank hat gerade vor kurzem ihr Desinteresse ggü dem BVB signalisiert, obwohl der BVB in den letzten Jahren doch der geläufigen Haltung des sog. „volatilem“ Geschäft mit tiefschwarzen Zahlen trotzen konnte und mit einem sehr produktiven Fußball sich zu Deutschlands Nummer 2 etabliert hat. Dortmunder effiziente Wirtschaftlichkeit und sportliche Brillianz. Selbst diese beiden Merkmale scheinen Konzerne noch nicht zu genügen, aber sie sind mit Sicherheit eine Grundvoraussetzung für eine Konzern-Beteiligung. Aber nehmen wir an, sie seien die einzigen Merkmale, dann kann ich behaupten, dass die Eintracht sie (noch) nicht besitzt. Von einer strategischen Partnerschaften kann also noch nicht die Rede sein.

    b) Wieviel Sinn macht zur Zeit eine strategische Partnerschaft?
    Nun, die Eintracht Frankfurt Fußball AG hat bestimmt einen Wert pro Aktie. Deren Kurs mir leider nicht bekannt ist. Angenommen HB und AH schaffen es tatsächlich einen Global Player a la Deutsche Bank zu überzeugen. Ich behaupte einfach aus dem Bauchgefühl heraus, dass eine Beteiligung von sagen wir mal 10 Prozent uns eine Kapitalerhöhung von vllt. 50 Mio einbringt. Doch was nützen uns diese 50 Mios in den nächsten 5 bis 10 Jahren ??? Was ich damit sagen will, ist, dass der aktuelle Aktienkurs der EF Fußball AG keine neuen finanziellen Dimensionen eröffnet.

    Schlußfolgerung: Die Situation ist wie sie ist und bleibt solange, bis diese miesen Verträge mit Sportfive und der Stadt Franfurt bzgl der Stadionmiete laufen. Solange müssen wir uns mit den Plätzen 12 bis 15 begnügen. Das ist, wie meine Vorredner schon geschrieben haben, ziemlich fatal. Eintracht Frankfurt bleibt solange stark abstiegsgefährdet. Und nicht nur wir bleiben das, sondern jeder andere Traditionsverein auch.

    • Starke Analyse, danke dafür.

      Da mir die Zeit im Nacken sitzt, möchte ich nur eine Sache ansprechen: Ich halte die Stadionmiete, bzw. eine Veringerung bei gleichzeitiger Verbesserung der sportlichen Möglichkeiten dieser für Esoterik. Zum einen: Die Kommune würde die Miete nicht um eine Summe mindern, die Auswirkungen hätte. Wieso sollte sie das auch tun? Sie braucht für den kalkulatorischen kommunalen Haushalt Einnahmen – es wäre politisch und gesamtgesellschaftlich unvertretbar, den Fußballmillionären eine Summe zu erlassen, die anderen „Normalos“, etwa sozialen Einrichtungen fehlt. Ergo: Würde die Eintracht pro Jahr ca. 1 Mio. Miete sparen, würde es sie selbst nicht voranbringen, die Stadt bzw. die Bürger würden aber Einschnitte spüren. Immerhin hat die Eintracht ja nicht wirklich was für den (Um)Bau des Stadions getan / tun können seinerzeit, das sollte man auch nie vergessen. Die einzige Lösung, aber auch dafür wären massive Finanzquellen / Verschuldung nötig, ist ein Stadionneubau (außerhalb der Frankfurter Gemarkung). Das ist aber illusorisch, aus mehreren Gründen. Ergo: Mit dem Stadion steht und fällt wenig; regelmäßig hohe Erlöse durch Spielerverkäufe sind der erste Schritt, um im zweiten Schritt zumindest alle 2,3 Jahre international, mind. Uefa-Cup spielen zu können. Allerdings: Das wollen / müssen quasi 75 Prozent. Wie man es dreht und wendet, die Eintracht hat riesigen Nachholbedarf.

  4. Olli

    Mann muss sich ja nicht gleich nen Brause-Investor-Scheich an Land ziehen. Der Link aus deinem Pingback über diesen 400 Mio. € Deal von Köln für 12 Jahre Vermarktungsrechte … sowas ist doch eigentlich erst mal völlig in Ordnung. Auch wenn mir bei den Zahlen ehrlich gesagt die Ohren flattern.

    Hätte zumindest den Vorteil, das man vertraglich gebunden ist und Sicherheit hat. Sonst kann man ganz schnell ohne Investor darstehen und Pleite sein, siehe HSV (Handball). Oder lass man die Ukraine-Krise noch mehr anziehen und Gazprom dreht den Gas- und Geldhahn zu. Gute Nacht blau-weiß (ist das ne Farbkombination die aussagt, ich kann nicht mit Geld umgehen?).

    Ach ja: Trapp soll angeblich ne Ausstiegsklausel für den Sommer 2015 haben und Juve hat wohl mal Interesse angemeldet.

  5. Leider machen es auch hier die Drecks-Bayern vor in dem sie mehrere Investoren mit ursprünglich 10% und jetzt verwässert auf weniger haben. So kommt Geld rein, aber sie haben keinen beherrschenden Einfluss. Man wird nicht die Bewertungen eines FC Bayern bekommen, aber es wäre ein Anfang, um nicht nach unten durchgereicht zu werden.

    Desweiteren sieht man im US Profisport wo das hinführt. Dort gehört fast jeder Club einem Unternehmen oder reichen Privatperson. Die haben dann allerdings auch Salary Caps und das Draft System eingeführt, um Spannung zu haben. Funktioniert ganz gut.

    • Olli

      Das Triple A der Bauern (Audi, Allianz, Adidas) hat effektiv überhaupt keinen Einfluss. Jeder hält exakt 8.33%. Macht zusammen 24.99%. Ist weniger als 25%. Keine Sperrminorität, selbst wenn die 3 sich komplett einig sein sollten.

  6. Pingback: Ticker: Donnerstag, 12. Juni 2014 | Fokus Fussball

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