Der weltmeisterliche Krämerladen

Dürfte für Eintracht Frankfurt schwierig werden, einen dieser ominösen „WM-Stürmer“ zu bekommen. Da selbst viele der vermeintlichen Griepen-Teams sich beim Turnier ganz ordentlich aus der Affäre ziehen, klettern auch bei jenen Nationalitäten die Preise in die Höhe, bei denen man vielleicht auf einen preisgünstigen Deal hätte hoffen können. Das gilt für Startelf- und Einwechselspieler der Teams, etwa Costa Rica, aber selbst die, die nicht auflaufen / aufgelaufen sind, werden Begehrlichkeiten wecken. Nach dem Motto: Der wird schon was können, die anderen können ja offensichtlich auch was.

Ein Name fiel vor wenigen Tagen bereits: Enner Valencia, Stürmer aus Ecuador und Torschütze zum 1:0 im Spiel gegen die Schweiz. In der zweiten Partie Ecuadors traf er gar doppelt, spielte weitaus besser als etwa der stets hochgeblobte Antonio Valencia (Manchester United). Damit ist die Chance, dass er nach Frankfurt kommt, nicht vorhanden. Immerhin spielt er (seit Anfang 2014) in Mexikos erster Liga; einer Liga, wo hohe Gehälter gezahlt werden. Sofiane Feghouli (Marktwert: 12 Mio. Euro), späterer Torschütze für Algerien, wurde schon vor Turnierstart mal hineingerüchtet, als sich der Hessische Rundfunk durch die Kader klickte; auch bei Ghana meinten die Autoren des Senders zwei Kandidaten entdeckt zu haben.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es sind Spieler der süd- und mittelamerikanischen Teams, die den starken Eindruck machen. Gelänge es, dort einen Stürmer nach Frankfurt zu lotsen, wäre einem für den Moment die Angst etwas genommen. Hingegen wäre es Stand jetzt fast ein Treppenwitz, etwa an Offensiven etwa aus Griechenland, Honduras, Iran oder Japan zu baggern. Wobei: Die (Süd- und Mittel-)Amerikaner haben vieles, aber in puncto Größe / Physis / Robustheit – also den Attributen, die Eintracht Frankfurt an einen Stürmer anlegen muss, weil man den schmächtigen Typen mit V. Kadlec bereits im Kader hat – passen viele nicht ins Profi. So etwa auch Enner Valencia, der 1,79 Meter misst. Zum Vergleich: A-Lösung Joselu kommt auf eine Länge von 1,91 Meter.

Welcher „WM-Stürmer“ eines kleineren Verbands, unabhängig ob eingesetzt oder nicht, erfüllt denn die o.g. grundsätzlichen Attribute? Eine Auswahl:

Islam Slimani (Algerien, 1,88 Meter, 26 Jahre, spielt bei Sportling Lissabon, Marktwert: 2 Mio. Euro, 2013 Algeriens Spieler des Jahres)

Abel Hernandez (Uruguay, 1,86 Meter, 23 Jahre, US Palermo, Marktwert: 5 Mio. Euro)

Shin-Wook Kim (Südkorea, 1,96 Meter, 26 Jahre, koreanische Liga, Marktwert: 1,7 Mio. Euro)

Uche Nwofor (Nigeria, 1,83 Meter, 22 Jahre, ablösefrei von VVV Venlo, Marktwert: 900 000 Euro)

Jaime Ayovi (Ecuador, 1,83 Meter, 26 Jahre, mexikanische Liga, Martkwert: 1,5 Mio. Euro)

Aron Johannsson (USA, 1,84 Meter, 23 Jahre, AZ Alkmaar, Martkwert: 4 Mio. Euro)

Vincent Aboubakar (Kamerun, 1,82 Meter, Lorient, Marktwert: 4 Mio. Euro)

Adam Taggart (Australien, 1,83 Meter, 21 Jahre, australische Liga)

Dazu gesellt sich eine ganze Reihe Offensiver, die zwar bezahlbar scheinen, jedoch gerade in puncto Körpergröße / zentrale Stürmerposition eigentlich nicht in Frage kommen. Beispiele:

Marco Urena (Costa Rica, 1,79 Meter, 24 Jahre, Krasnodar, Martkwert: 500 000 Euro)

Riyad Mahrez (Algerien, 1,78 Meter, spielt in Leicester City, Martkwert: 1,25 Mio Euro)

Soudani (Algerien, 1,82 Meter, Zagbreb, Marktwert: 4 Mio. Euro)

Benjamin Moukandjo (Kamerun, 1,80 Meter, AS Nancy, Martkwert: 1,5 Mio- Euro)

Alireza Jahanbakhsh (Iran, 1,80 Meter, 22 Jahre, NEC Nimjegen, Marktwert: 1,2 Mio. Euro)

An Namen, Zahlen und Theorien mangelt es nicht. Die Tauglichkeitsfrage ist entscheidend – es geht schließlich darum, einen Stürmer zu finden, der etwas drauf hat; ob er WM gespielt hat oder nicht, ist dabei völlig unbedeutend. Ein Mutmacher: Sollte an Enner Valencia je etwas dran gewesen sein, sollte die Eintracht ihn wirklich auf dem Schirm gehabt haben (die Physis mal außen vor gelassen), hätte man einen sehr Guten auf dem Zettel gehabt. Einer, der aus SGE-Sicht dann quasi zum falschen Zeitpunkt explodiert ist. Aber es würde zumindest zeigen, dass man derzeit nicht völlig blind durch die Kicker-Sonderhefte blättert …

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12 Kommentare

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12 Antworten zu “Der weltmeisterliche Krämerladen

  1. Olli

    Der neue Spielplan ist draussen:

    1. Eintracht Frankfurt – Sport-Club Freiburg
    2. VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt
    3. Eintracht Frankfurt – FC Augsburg
    4. FC Schalke 04 – Eintracht Frankfurt
    5. Eintracht Frankfurt -1. FSV Mainz 05
    6. Hamburger SV – Eintracht Frankfurt
    7. Eintracht Frankfurt – 1. FC Köln
    8. SC Paderborn 07 – Eintracht Frankfurt
    9. Eintracht Frankfurt – VfB Stuttgart
    10. Hannover 96 – Eintracht Frankfurt
    11. Eintracht Frankfurt – FC Bayern München
    12. Borussia Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt
    13. Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund
    14. Eintracht Frankfurt – SV Werder Bremen
    15. TSG 1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt
    16. Eintracht Frankfurt – Hertha BSC
    17. Bayer Leverkusen – Eintracht Frankfurt

    Da müssen eigentlich in der Hinrunde 7 Heimspiele gewonnen werden … in der Rückrunde gibts da maximal 2 zu gewinnen.

    • Da das Team aber vor dem 31.8 nicht steht, Spieler fehlen bzw nicht voll eingespielt sein werden, wird man in Frankfurt sich mit remis zum Auftakt begnügen – der Spielplan ist jedenfalls in Ordnung, ausgeglichen, kein Alibi a la 2013/2014. Da müssen, Fakt, 50% der Klassenerhalts-Punkte in der Hinrunde her, also ca 17,18. für mehr als Überlebenskampf reicht es stand jetzt eh nicht (und wäre schon ein großer erfolg)

      • Olli

        Die Hinrunde ist das sicherlich die entscheidende Halbserie nächste Saison. Kriegst du nen Lauf zu Hause, können bis auf FCB + BVB alle gewonnen werden. Dafür wird wohl bis auf Zufälle außer in Paderborn und Hannover auswärts nix zu holen sein. Aber noch mal so ne heimsiegfreie Hinrunde wie letztes Jahr und man kann die Rückrunde abschenken.
        Wir müssen mehr als 50% der Gesamtpunkte in der Hinrunde holen. Die Rückrunde wird bedeutend schwerer werden!

        Ach ja: Griechenland gegen Costa Rica im Achtelfinale. Damit dürfte wohl die Ukraine 2006 als schwächste Mannschaft in einem WM Viertelfinale abgelöst werden.

  2. Olli

    Ich halte die WM eh den falschen Ort um Spieler für uns suchen. Spanien und England hin, Chile und Costa Rica her.
    Schaaf war immer einer, der Nobodys groß gemacht hat. Erst als sie angefangen haben in Bremen Spieler mit großen Namen zu holen, ging das Glück zu Ende.
    Von daher, was macht Hölzenbein in Brasilien? Urlaub? Sich mit Edel-Prostituierten beschäftigen (da gabs doch schon mal was vor langer Zeit^^)?

    Für welche Spiele hat er denn Karten bekommen und was Kostet die Veranstaltung eigentlich den Verein?

  3. Herr Schnitzelmann

    Warum wohl sind es gerade die Süd- u. Mittelamerikaner, die bei dieser WM rocken?
    Weil die am besten mit den klimatischen Verhältnissen zurecht kommen.
    Da hilft es uns doch Null, wenn wir dann so nen Costaricaner zu uns lotsen und der dann 10 halbwegs gute Spiele macht.

    • Ich bin mir nicht so sicher, ob die klimatischen Bedingungen der Grund für das starke Auftreten auch der kleineren süd- und mittelamerikanischen Teams sind. Die Südamerikaner spielen auch in den Stadien/Spielorten stark, in denen das Klima gemäßigt, jedenfalls keine Hitze-Hölle für Europäer ist. Die Spielweise ist es, mit der die Europäer nicht klarkommen – es ist Anti-4-2-3-1, es ist Defensivfußball und viele lange Bälle.

      Recht hast du jedoch mit der Vermutung, dass es schwer vorstellbar ist, dass ein Costa Ricaner wirklich den Qualitätsschub würde geben können, den es (endlich mal) bedarf. Plus: Die nun Gehandelten sind alle um die 1,80 Meter, also weit weg von dem, was man bei Joselu noch als Idealmaß bezeichnete.

      • Herr Schnitzelmann

        Klima hin oder her, aber diese Spieler, die man da noch bekommt, die helfen nun wirklich nicht.
        Das ist wie am Wühltisch, mit zuwenig Geld in der Tasche, da bekommt man auch nur noch eine Socke statt nem Paar und entweder nimmt man sie dann, oder man geht ohne heim! –und spart sein Geld–

      • Da stimme ich dir zu!

  4. Staniii

    Genau das meinte ich. Hölzenbein hat seine in Brasilien, haben wir sonst noch einen der scoutet oder sichtet Hübner bzw. das Trainerteam nur das Material das ihnen die Spielerberater zuschicken?

    • Erstmal macht man Urlaub. Youtube-Videos kann man auch auf dem Smartphone anschauen („umtriebig“) 😉

      Schon vor mehreren Jahren erzählte Bruchhagen ja etwas davon, dass es diese klassische scouting gar nicht mehr geben würde. Ein Profi im Geschäft Weiß eh alles, kennt eh jeden … Auch die, die für ein paar tausend Euro mehr zu anderen Vereinen wechseln. Kurzum: ja, sie bekommen DVD über DVD von Beratern (bestätigt von Bruchhagen) – und man könnte jedenfalls meinen, sie bewerten in Frankfurt wirklich nach best-of-zusammenschnitten. Viel gravierender wäre jedoch, wenn das Personal fürs anschauen – ob auf Video oder Live – von Spielern dazu schlicht nicht taugen würde. Dass Ralf Weber gegangen wird im Sommer wird kein Zufall sein – aber solange der 70er-Jahre hölzenbein auf dem Thron seiner erbpfründe sitzen bleiben darf, ist das alles Makulatur.

  5. Staniii

    Passend dazu, wäre ja nicht der Erste aus der Region der über eine Zwischenstation bei der Eintracht landet. http://www.hr-online.de/website/rubriken/sport/index.jsp?rubrik=7454&key=standard_document_52161779

    • Eine Zwischenstation, die drei Jahre zu lange dauern würde – wie schon bei Rosenthal, den man auch erst dann verpflichtete als er „gemacht“ schien.

      Ich bekomme übrigens Kopfweh, wenn ich lese, dass man bei Leckie von 750 000 Euro (!) fixer Ablöse/Ausstiegsklausel spricht. Eine Dreiviertelmillion für einen, der auf einer Position spielen würde, die bei Frankfurt seit gut 1,5 Jahren katastrophal besetzt ist (Inui/Rosenthal/als Notnagel sogar Russ). Nicht, dass Leckie jetzt als Messias gefeiert werden müsste nur weil er sich – typisch australisch – beim Turnier voll reinwirft. Aber man fragt sich eben, wo man bei der Eintracht die Augen so hat. Ist ja nicht so, dass man bisher Leute verpflichtet hätte, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen (Chandler ist Reservist bei USA, Hasebe bekommt mit und bei Japan keinen Stein zu Boden). Noch eine Woche bis Trainingsstart …

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