Den Gegner schwächen

Frei nach Heribert Bruchhagen, wissen wir – Journalisten, Fans, Gönner, Leider – nichts über Eintracht Frankfurt bzw. die Vorgänge in und um den Klub. Das ist, würde es denn stimmen, vielleicht auch ganz gut so. Manche strukturelle Irrfahrt würde sich schließlich als Spitzenmanöver entpuppen, personell würden gefühlte Bankdrücker zu Stars.

Marc-Oliver Kempf bleibt im Trikot von Eintracht Frankfurt jedenfalls beides erspart. Er wird nicht die Bank drücken, er wird kein Star in schwarz-rot-weiß. Jedenfalls nicht in dem schwarz-rot-weiß, das in und um Frankfurt getragen wird. Vielmehr wird er sich künftig bei den Farbenverwandten des SC Freiburg, dem direkten Konkurrenten im Kampf und den Klassenerhalt 2015, verdingen. Ein cleverer, gewitzter Schachzug der SGE-Funktionäre. Man gedenkt, unter dem Label des Top-Talents, den Gegner in Sicherheit zu wiegen, ihn aber tatsächlich zu schwächen. Man hat ja nun mehrmals sehen dürfen, dass MO Kempf so seine liebe Mühe und Not mit dem Bundesliganiveau hatte – Aufregung hin oder her. Doof nur, dass die im Breisgau junge Leute top ausbilden, dort zu guten Kickern reifen und bisweilen für zweistellige Millionensummen verkauft werden.

Was die Eintracht an Geld aus Freiburg erhalten wird? 150 000 Bakalorz´sche Euronen vielleicht?! Vielleicht ist das dann der Tropfen auf den Steinen, der diesen 31-jährigen Chilenen gen Mainmetropole lotsen soll. In puncto Altersschnitt arbeitet die Eintracht jedenfalls gerade schwer am Rentner-Rekord O_O

Alter ist jedoch keine Kategorie, nur Klasse. Die ließ Kempf, das nächste vorgebliche Riesentalent, in Frankfurt vermissen. Das ist ebenso schade wie entlarvend für die Qualität der fußballerischen Ausbildung in den U-Mannschaften.

In den vergangenen Jahren standen und stehen Namen im Profikader wie Erik Wille, Alexander Hien, Julian Dudda, Kevin Kraus, Sonny Kittel, Aykut Özer, Marcel Titsch-Rivero oder Marcos Alvarez.

Der Trost für den Eintracht-Fan und die Bestätigung für die Richtigkeit der Entscheidung des Vereins, sie ziehen zu lassen: Keiner hat sich anderswo auf ähnlichem Niveau durchsetzen können. In der dritten Liga schafften es manche (Titsch-Rivero und Kraus bei Heidenheim), andere kicken hin und wieder in zweiten Mannschaften (Dudda bei Bremen II, Alvarez bei Stuttgarter Kickers II). Wille spielt ab sofort in Duisburg, von Hien hat man – bis auf die drei Jahre alte Pressemitteilung, dass er wie Wille und Dudda Profis werden – nichts gehört oder gesehen.

Es scheint, als wisse die Profiabteilung in sportlicher Hinsicht durchaus, wer es nicht packen wird, wer das Niveau nicht hat, dem Team zu helfen. Im Umkehrschluss weiß aber offenbar niemand, wie man in den Jugenden fähige Leute entwickelt, entdeckt, fördert und aus ihnen sportlich wie finanziell Kapital schlägt. Ergo: Das Problem liegt im Jugendbereich selbst, wo offenbar nicht auf demselben Level gearbeitet wird wie bei Vereinen im Radius von 100 Kilometern.

Bleibt Marc Stendera. Auf ihn schaut nun so ziemlich jeder. Der hat ja mal, vor der schweren Verletzung, aufblitzen lassen, dass er etwas kann. So, wie Sonny Kittel – vor der ersten von vielen Verletzungen – auch. Letzterer hat seitdem nie wieder etwas bewegen können. Bei Stendera darf man noch hoffen, aber dass er es tatsächlich zu alter Stärke schafft und sogar besser wird, muss bezweifelt werden. Umso schöner, wenn es ihm gelänge.

Übrigens, Luca Waldschmidt, Stürmer und ebenfalls Superduber-Talent, fällt auf unbestimmte Zeit verletzt aus.

Was machen Nicki Bendtner, der Marinierte und der italienische Stürmerteufel aus dem Senegal?

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