Marktüblich

Wer nicht nach den Regeln, und seien sie irgendwann andere als sie mal waren, spielt, fliegt raus. Eine simple Feststellung, die sich auf viele Dinge münzen lässt. Auf Fußball bezogen heißt das: Wer nicht bereit ist Summen – seien es Ablösen, seien es Gehälter, seien es Prämien – zu zahlen, bekommt keine (guten) Spieler. Resultierend in den jeweiligen Ergebnissen, in den Tabellenständen.

„Marktüblich“ ist ohnehin eine Kategorie, die hochspekulativ ist. So, wie der ganze Profisport auf nichts anderem fußt als auf Illusionen. Man schreibt einem Kicker Talent, nein, Entwicklungspotential (eine noch vagere Größe) zu, man taxiert den Wert eines Spielers auf einen Betrag, man orientiert sich beim Gehalt an der Referenz der bisherigen Verträge/des Verdiensts und schlägt Faktor X drauf. Und wenn diese Summen ausufern, dann werden sie nicht dadurch eingedämmt, dass Eintracht Frankfurt nicht bereit ist sie zu zahlen. Bockig, stur, trotzig, oder einfach strukturell nicht in der Lage: Es findet sich immer ein anderer Klub, der Mondpreise – oder solche, die man als solche wahrnimmt – bereit ist zu zahlen. Die Verweigerungs-Haltung ist auch legitim, bis zu einem bestimmten Punkt. Und zwar bis zu dem, wo man erkennt, erkennen sollte, dass die aufgerufenen Preise normal (geworden) sind. Wen kann es denn wundern, dass – zumal in der verzweifelten Such-Situation von Eintracht Frankfurt – Vereine konsequent die ein, zwei Millionen Euro mehr fordern als der Abnehmer bereit ist zu zahlen? Vor allem dann, wenn das Subjekt der Begierde wissentlich halbwegs geradeaus laufen kann? Nehmen wir Leute wie Marko Marin, Gott bewahre, oder Daniel Caligiuri. Das sind nunmal keine Oberkrücken, und sie müssen auch nicht darauf warten, dass die Eintracht ihnen ein Schmunzel-Angebot unterbreitet. Auf den sportlichen Ehrgeiz setzen, funktioniert nicht. Am Ende wollen, legitimerweise, alle Profis möglichst früh möglichst viel verdienen. 12, 13, 14 Berufsjahre – und wenn die SGE 500 000 Euro per annum weniger zahlt als der FC Schießmichtot, dazu noch mit einem Rumpfkader im tiefsten Abstiegskampf dümpelt, gibt es eben keine Argumente. Fans, Stadion, Skyline – das ausgelutschte Überzeugungs-Dreigestirn des Bruno Hübner, ziehen nicht. Wieso kommen Leute nach Wolfsburg? Nach Hoffenheim? Wieso kicken Leute für Ingolstadt und Co? Weil die dort Asche, richtig Asche verdienen. Das ist der Grund. Die viel zitierte sportliche Perspektive kommt letztlich auch einzig über den Zaster – denn auch Profikicker wissen, dass Geld Tore schießt, dass Etathöhe und Erfolg korrelieren.

Eintracht Frankfurt geht gerade im Spieler-Supermarkt mit sieben, acht Millionen Euro shoppen. Eine Summe, die heutzutage für einen hochklassigen Spieler oder zwei sehr gute Leute reicht. Kicker, die schon drei, vier Jahre auf hohem Niveau spielen, sich bewiesen haben, nicht mehr ausgebildet werden müssen, die auf Anhieb funktionieren können. Will man dann noch einen dritten und vierten (nachgewiesenermaßen) guten Spieler haben, ist man bereits dort, wo man offenkundig sein muss im Fußball 2010+: Im finanziellen Minus – oder eben von Außen gepimpt. Jedenfalls muss man bereit sein, nach den Regeln zu spielen, nicht, sie ändern zu wollen. Das hat der Profifußball immerhin mit dem normalen Leben gemein: Niemand verändert die Struktur, die Struktur verändert dich. Nun gut, alles schon mehr als einmal geschrieben. Windmühlen. Indes sei bemerkt und auf die Zahlen geachtet: Heribert Bruchhagen spricht gegenüber dem Hessischen Rundfunk am Montag davon, dass man „optimisch“ sei, sehr bald „ein bis zwei Offensivspieler präsentieren zu können“. Zwischentöne nennt man sowas. Aus drei/vier werden ein/zwei – obacht! Am Ende holt man, typisch Eintracht, dann den Ersatz vom Ersatz.

Jedenfall knallt die FAZ, ja, die FAZ (in Person von Marc Heinrich) der Eintracht eine Ohrfeige an die Wange, die schallender nicht sein könnte. Pflichtlektüre hier. Eine, ganz im Stile derer, die sich nicht an die Jubel-Linie halten. Aber in dieser Woche wird der Knoten ja gelöst, etwas passieren, zeitnah, mit Schattierungen, wenn es draußen nicht überhitzt ist.

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14 Kommentare

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14 Antworten zu “Marktüblich

  1. flipmpip

    Nur mal zur Info: Lucas Piazon wurde heute im Flieger von London nach Frankfurt gesehen…
    Es scheint, als würde morgen endlich ein Neuzugang vorgestellt werden.

    • Ah, eine Leihe, wie innovativ vom Klauselkönig! Hauptsache ein Männchen von Chelsea. Und jetzt, husch husch in die Regionalbahn nach Donaueschingen. Ein Kracher! Einer, der (fast) uns gehört. Und natürlich wurde der Topstar im Flieger erkannt 😉 von Holz am besten 😀

      Sarkasmus hin, Zynismus her: Danke für den Kommentar 🙂

    • Olli

      und vom Flughafen gings direkt an den Riederwald oder in die andere Richtung nach Mainz?

    • Jermaine Jones Junior

      Ein Brasilianer, ah ja.

  2. Jermaine Jones Junior

    Mal ganz wertfrei gefragt, ist der Vertrag von Thomas Schaaf auch gültig für die 2. Liga?

  3. Olli

    Das mit der WM war ein absoluter Witz. Das war ein super Urlaub für Hölze. Die Preise steigen? Wär hätte es gedacht. Wenn du nen WM Fahrer willst, dann musste den vor dem Turnier festnageln. Aber wer will das schon, wenn nach dem Turnier die Berater deutlich mehr Euros generieren können.

    Der Marktwert der Spieler setzt sich schon länger nicht mehr rein aus dem Fähigkeit, Talent, Alter und Vertragslänge des Kickers zusammen. Ein guter Teil wird inzwischen aus dem Namen, dem Prestige und der Popularität generiert. Real Madrid hat für Ronaldo damals 94 Mio. € überwiesen. Einen nicht unerheblichen Teil davon haben Sie direkt wieder durch die verkauften Trikots rein geholt. Oder warum bezahlt Barca 75 Mio. für den Vampir Namens Suarez der vor November nicht gegen den Ball treten darf? Jeder Spieler wird durch die WM teurer, alleine aus der genrierten Pouplarität. Man hätte sich auch auf Länder wie Polen, Türkei, Schweden, Serbien …. die nicht bei der WM dabei waren konzentrieren können.

    Ein anderer Punkt: ManU soll ab 2015 ca. 75 Mio. € pro Jahr bekommen, dass Adidas sie ausrüsten darf. Mehr als das Doppelte von unserem Lizenzspieler-Etat. Keine Ahnung was JAKO bisher gezecht hat und was Nike jetzt blecht. Aber die 85€ für die Trikots lassen zumindest hoffen das da einiges mehr bei rum kommt.
    Auch ein leidiger Punkt: die Stadiomiete. Hier ist zwar nur ein kleiner, aber dennoch ein Optimierungsbedarf vorhanden.

    Und die größte Verarsche: die Spielerverträge. Klar können immer mal wieder Leistungsträger abhanden kommen / abgeworben werden. Aber doch nicht zu den Preisen wie Schwegler und Jung. Klar, die wären wohl auch bei jeweils 5 Mio. fester Ablöse weg gewesen, aber dann könnte man wenigstens mit richtigem Geld Nachfolger suchen. Jetzt erleben wird halt mal, wie Freiburg sich meistens fühlt.

    In diesem Verein wird auf breiter Front schon sehr langer gepennt und unprofessionell gearbeitet. Gerade im Management. Hübner war so sehr mit der Veh-Nachfolge / Veh halten beschäftigt, dass er den Rest aus den Augen verloren hat? Das ist keine Ausrede sondern ein Kündigungsdgrund. Die Verträge werden mit lächerlichen Ausstiegsklauseln ausgestattet – selber schuld wenn das Gerüst zusammen bricht und die Konkurrenz uns auslacht.

    Das wird ne ganz böse Saison. Freiburg, Paderborn, Bremen. Das werden die sein, die es hinter sich zu halten gilt. Eventuell erwischt ein anderer Verein ne ganz miese Saison wie der HSV letztes Jahr (Mainz, Augsburg, Hertha, Köln, Hannover). Das Problem ist, der Spielplan verlangt in der Hinrunde sehr viele Heimsiege – gerade am Anfang.

    Und wenn es diese Saison nicht schief geht, dann schaut mal, welche Verträge im nächsten Sommer noch alle auslaufen.

    Es ist aktuell sehr ruhig um die SGE. Hoffentlich beginnt bald mal der Sturm auf dem Transfermarkt! Denn sonst weht der Wind von vorne – ne ganze Saison lang.

  4. Florian

    Ich bin gerade eher über die bereitwillige Kapitalvernichtung Bruchhagens in der FR schockiert:
    „Und wenn Aigner, im schlimmsten Fall, im kommenden Jahr ablösefrei wechseln würde, dann sei das eben so. „Bruno und ich haben ihm unseren Standpunkt dargelegt.“ Bruchhagen hätte auch Sebastian Jung nicht zum VfL Wolfsburg ziehen lassen, sondern ihn 2015 ablösefrei abgegeben. „Auf die drei Millionen Euro aus Wolfsburg hätte ich gerne verzichtet.“ So hoch war die Ausstiegsklausel für Sebastian Jung.“
    http://www.fr-online.de/eintracht-frankfurt/eintracht-frankfurt-bruchhagen-trauert–joselu-nach,1473446,27911728.html

    Das kann man ja mal machen, aber ist es wirklich zielführend, Spieler ihre Verträge aussitzen zu lassen? Entweder es gibt lächerlichste Ausstiegsklauseln, oder man verzichtet ganz auf Kohle? Dann hat man natürlich auch kein Geld.

    • Olli

      Was bei Rode vor einem Jahr prima geklappt hätte, geben wir ihne für X Mio. an Bayern ab oder tauschen ihn gegen Can, das klappt dieses Jahr nicht mehr. Letzten Sommer hatten wir einen grundsoliden Kader. Bis auf das leidige Stürmer-Thema ist da nicht viel passiert. Es kamen hauptsächlich Flum, Rosenthal, Joselu und Barnetta – im Winter noch Madlung – und viele davon waren lange Zeit gar nicht auf dem Platz oder nur Mitläufer. Rode hatte ne miese Saison und in der Rückrunde ganz draußen. Hat ihn eigentlich wer vermisst?
      Das kann mit Aigner natürlich auch passieren, dass er jetzt auch versehen in ein Formloch tritt. Aber mit den ganzen Baustellen die wir gerade haben, brauchen wir nicht noch ein zusätzliche, selbst wenn Aigner 4+ Mio in die Kasse spühlen sollte/würde. Dann brauchste neben AM14 auf einmal ne komplett neue Offensive neben einer halben neuen Defensive, die gerade grandios beweißt, dass sie noch keine blassen Schimmer hat, wie sie zu funktionieren hat.
      Ganz beschissene Situation: Entweder hängst du dir jetzt ein weiteres schweres Problem um den Hals oder du schiebst es vor dir her und nächsten Sommer triffts dich umso härter, weil wir dann sogar noch für den Blumenstraus bei der Verabschiedung Geld ausgeben müssen.

      Das einzig Gute am Verkauf wäre, dass 12 : 5 mehr ist als 8 : 4.
      Vielleicht spielt Stendera ja eine überragende U19 EM, so dass man Aigner ruhig ziehen lassen kann. Das ist so ziemlich die einzige Hoffnung die bleibt.

    • Naja, würden sie Aigner auch noch flüchten lassen, kannst du gleich die B-Jugend zum Trainung und zu den Spielen schicken. So oder so: Eintracht Frankfurt ist am und im Arsch.

      • Florian

        Klar, bei Aigner verstehe ich das sogar noch – aber es ist ja auch nicht zum ersten Mal und auch schon ohne Not vorgekommen – den Klassenerhalt hätten wir letzte Saison auch ohne Rode geschafft.

  5. Diesem Beitrag und dem FAZ Bericht ist nix mehr hin zu zu fuegen ausser die Hoffnung das bald mal was passiert bei dem Club den wir alle so lieben und eins zwei oder auch drei Leute ausgetauscht werden die nicht auf dem Platz stehen deren Zenit aber schon lange ueberschritten ist.

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