Hausgemachtes Handicap

Mit der Einwechselung von Martin Lanig bekam das Spiel der Frankfurter mehr Struktur. In der zweiten Halbzeit habe man besser gespielt, sicherer kombiniert, es wäre noch ein drittes (bei vier Gegentreffern) Tor möglich gewesen – so analysieren Beobachter des Hessischen Rundfunks bzw. Trainer Thomas Schaaf die Testspielniederlage gegen Genua am Samstagabend.

Das Ergebnis ist unerheblich, auch die Spielweise. Wichtig ist in der Vorbereitung, dass eine stetige Verbesserung, das Hinarbeiten auf eine Harmonie, auf reibungslose(re) Abläufe sichtbar ist. Was im Fall von Genua (12. in der Serie A 2013/2014) nachdenklich stimmt, ist, dass diese ihrerseits zwei Wochen hinten dran sind was die Vorbereitung angeht. Ergo: Eigentlich müsste die Eintracht so ein Spiel bestimmen, gegen einen italienischen Mittelklasseklub wenigstens auf Augenhöhe sein.

Das Problem, Eintracht Frankfurt startet quasi erst jetzt, Anfang August, mit der Vorbereitung. Konditionell wird das Team, bzw. die Teile, die von Beginn an dabei waren, schon auf der Höhe sein. Am Ball, mit dem Ball gibt es aber offenbar gewaltige Defizite. Logischerweise, wenn man bedenkt wie wenig (erstligataugliche) Spieler in der ganzen Vorbereitung dabei waren. Jetzt erst kommen die Neuzugänge hinzu, die WM-Teilnehmer tasten sich nach dem Aufholen der konditionellen Einheiten heran und die drei Offensiven müssen sich in diesen Tagen erst an alles gewöhnen. Unter diesen Umständen ist das Einspielen einer konkurrenzfähigen Mannschaft nicht möglich. Dabei hat die SGE bislang noch gewaltiges Glück: Kein Spieler hat sich verletzt, nicht dauerhaft, im Gegensatz zu anderen Vereinen in der Bundesliga. Sollte in diesem fragilen Gebilde auch nur eine Stammkraft ausfallen, wird es brenzlig. Vielleicht nicht so sehr, weil Kicker A so viel besser ist als Kicker B, aber wenn aus dem vom Trainer erdachten Team ein, zwei raus müssen, die zurzeit die Mechanismen noch am besten verinnerlicht haben, geht der Kampf von vorne los. Eintracht Frankfurt ist im Juli die Zeit weggerant, die Hälfte der Saisonvorbereitung fand unter nicht-wettbewerbsfähigen Vorzeichen statt. Welchen Preis die SGE dafür bezahlt, wird man gegebenenfalls am ersten Spieltag gegen den SC Freiburg erkennen. Zum frühstmöglichen Zeitpunkt geht es gegen einen, gegen den Gegner, der mit Frankfurt für die kommenden zehn Monate um den ersten Nicht-Abstiegsplatz ringen wird. Der Ritt auf der Rasierklinge wird für die Eintracht nicht immer so glimpflich ausgehen wie 2013/2014. Hoffen wir das Beste – das Team startent jedenfalls mit einem hausgemachten Handicap.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Hausgemachtes Handicap

  1. Herr Schnitzelmann

    ich hoffe, dass die natürlich schon ihre Lehren aus dem Spiel ziehen werden. Also ohne Wert sollte das alles nicht sein.
    Aber was hilft es andersrum, wenn man ne gute Vorbereitung spielt und dann trotzdem in der Liga abkackt?
    Ich fang erst gar nicht an zu bewerten, wie ein Spiel, was zu Testzwecken ausgetragen wurde, einzuordnen ist, da ich ja auch nicht weiß, was der Trainer alles hat testen lassen und was dann alles geklappt hat und was nicht. Dazu kommt noch, dass die Spieler gerade im Traininigslager sind und man da auch nicht weiß, wie hart der Trainer die rannimmt, sprich wie platt die waren, als die spielen mussten.
    Mir ist ne durchwachsene Vorbereitung alle mal lieber, da ich den Eindruck gewonnen habe, dass man sich in Frankfurt schnell von guten Ergebnisen blenden lässt. So weiß man, dass man was tun muss und einem die Früchte nicht allein in den Mund fliegen.

  2. Herr Schnitzelmann

    …altes Journalistenproblem: „Was soll man schreiben, wenn es nichts Neues zu schreiben gib?“

    Man kann altes neu aufkochen, z.B. das Frankfurt die Vorbereitung verpennt hat.
    Man kann in die selbe Kerbe hauen, z.B. das man schlechte Spieler verpflichtet.
    Man kann sich selber kopieren, z.B. das der Verein unprofessionell arbeitete.
    Man könnte aber auch mal abwarten, oder zumindest nicht alles schlecht reden, was gerade passiert.
    Im Moment, so habe ich den Eindruck, würdest du sogar aus dem, wie man sich in Frankfurt die Schuhe schnürrt ableiten, dass die Saison schlecht wird.
    Ich bin, was diese Saison angeht, sehr guter Dinge, was allein schon am TRAINER liegt.
    Veh ist weg, das ist das Beste was uns passieren konnte.
    Stendera ist in super Form, also auch endlich ein Talent, das Hoffnung macht. Und was ich gelesen hab, kommt Kittel auch wieder in Fahrt! Inui und Rosentahl hauen sich voll rein.
    Wir haben gute Transfers getätigt, so finde ich, eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern.
    Und wir haben immer noch Meier im Team.
    Es wird alles nicht so schlimm.

    • Deine Hoffnung bzw. Aussage deckt sich jedoch nicht mit den Beobachtungen jener, die täglich nah dran sind, alle Trainingseinheiten und Spiele sehen. Da sprechen die meisten davon, dass noch nix zusammenläuft und die Hoffnungsträger Lanig und Inui heißen, von Kadlec, Rosenthal, geschweige denn Kittel spricht niemand. Und selbst der Sportdirektor sagt Sätze wie „Die Saison beginnt für die Mannschaft 2,3 Wochen zu früh“. Das sind alles durchaus neue, berichtenswerte Dinge, finde ich. Sachen, die man einordnen kann.

      • Herr Schnitzelmann

        Wenn das die Gleichen sind, die letzte Saison meinten, dass wir ne gute Vorbereitung hingelegt haben, dann störts mich nicht.

      • 3:2 gegen einen italienischen Drittligisten, zwei Eigentore der Amateure – Muster ohne wert? 2 Wochen vor Saisonbeginn?

Diskussion

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