Gewürz statt Gewürge

Es war dann nicht das Gewürge, das man befürchten musste gegen Inter Mailand. Ein Team aus Italien, das sich ähnlich ausgetauscht und unbekannt liest wie die Rotationsmaschine Eintracht Frankfurt. Top-Gegner? Nunja. Personall nicht, optisch nicht. Egal.

Wichtiger ist, was zu sehen war. Also, was konnten wir, die Laien, die Nichts-Wisser, in der Offensive erkennen? Dass Lucas Piaszon einen guten Eindruck hinterlässt, dass Takashi Inui wesentlich aktiver und effektiver auftritt als in den vergangenen 1,5 Jahren. Haris Seferovic, jo, das war auch recht vielversprechend. Zu oft auf dem Flügel – aber das scheint taktische Anweisung zu sein. Magerer wird es in der Zentrale. Makoto Hasebe und Martin Lanig, auf der Sechs fehlt etwas die Dynamik, die Schaltzentrale verfügt über zu wenig Tempo, das Passspiel mutet sehr konservativ an. Deshalb schleppt sich das Spiel zu oft träge dahin, verschiebt sich Meter für Meter bis kurz nach der Mittellinie auf eine Seite, bis irgendwann ein Pass auf die gegenüberliegende Außenbahn kommt. So sieht er aus, der Spielaufbau bei Ballbesitz. Kontern sah besser aus – wie vor dem 1:1.

Die Außernverteidiger haben indes so ihre Mühe, bei Ballbesitz zügig nach vorne zu schieben. Sowohl Djakpa als auch Ignovski scheinen defensiv stärker zu sein, aus systemischer Unsicherheit auch lieber sicher (stehend) zu spielen. Die Innenverteidiger waren eigentlich nie wirklicht gefordert, beim 0:1 dreht sich Ignovski von der Flanke weg, Djakpa wird von seinem Gegenspieler überlaufen und Bamba Anderson steht – kein Vorwurf – zwischen Baum und Burke. Carlos Zambrano fiel abermals durch eine törichte Tätlichkeit auf, bzw. eine völlig unsinnige Aktion, kloppt dem am Boden liegenden Italiener den Ball via Vollspann auf den Rücken. Dämlich. Zum Keeper: Kevin Trapp trug die Binde spazieren.

Und wie ordnen wir das jetzt ein? Feinschmecker-Fußball war es nicht, muss es auch nicht sein. Weder jetzt, noch sonst irgendwann. Die ersten 20, 25 Minuten sah man, was die Beobachter in den vergangenen Wochen mit der Statik im Aufbauspiel meinten. Das war viel Mühsal, wenig Esprit, viel Getrabe. Kurz vor dem 0:1, mit der Seferovic-Chance, begann das SGE-Spiel sich zu verbessern. Das prompte 1:1 nach dem, wie bereits gesagt nicht wirklich gut verteidigten Gegentor, fiel durch gnädige Mailänder Mithilfe – und sorgte für eine gewisse Sicherheit und Entfesselung im Eintracht-Spiel. In der Folgezeit reihten sich Kombinationen aneinander, immer mal wieder erkannte man den Plan, die Idee, die Struktur und spürte, dass das Team in der Tat sicherer wird. Vermutlich durch den – auf der Anzeigetafel sichtbaren – Erfolg. Nach dem Wiederanpfiff, nach 10,15 Minuten auch durch die vielen Wechsel befördert, flachte die Partie (noch mehr) ab.

Ja, dieses Inter Mailand lebt wahrlich nur vom Wappen und dem Namen. Da war wenig, da lief wenig, da war eigentlich kein Einzelspieler von hochqualitativem Format zu sehen. Und wenn, dann standen diese in der Defensive. Den Frankfurter Auftritt muss man schon so einordnen. Aber wenn man überlegt, gegen welche Truppen das Team sich bislang wie angestellt hat, ist diese Partie sicher ein Schritt nach vorne gewesen. Eminent wichtig: Vor allem sportlich, dass die Mannschaft, die Spieler gesehen hat / gesehen haben, das Schaafs Idee funktionieren kann. Auch wichtig ist es für ein aufgehellteres Stimmungsbild kurz vor Pflichtspielstart.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Gewürz statt Gewürge

  1. Olli

    Ja, das war doch teilweise schon was. Schade das es zur Halbzeit schon 3:1 stand. Die zweite Halbzeit hatte dann leider die Überschrift „verletzungsfrei und energieschonend nach Hause kommen“ – auf beiden Seiten.
    Was aber bei raus kommt, wenn man gegen RICHTIGE Gegener testet, haben gestern Dortmund und Wolfsburg sehr eindruckvoll gezeigt.

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