Arme Augen

Hauptsache weiter, Hauptsache kein Gespött, Hauptsache eine gegnerische Defensive niedergerungen bzw. diese vom Gegner gleich selbst niederringen lassen.

Wie man es auch dreht und wendet: Ein Stück aus dem Gruselkabinett war das schon, was Eintracht Frankfurt bei Victoria Berlin zeigte. Ein geschenktes Führungstor nach neun Minuten, dann 60 Minuten ohne einen Spielzug (!), geschweigedenn eine Torchance, ja kaum mal etwas, das man Torabschluss nennen konnte, bis dann – mit der Einwechslung von Alexander Meier – für die Schlußphase noch ein Hauch von Fußball ins Team kam. Bezeichnend für die Schwäche der anderen Kicker im rot-schwazren Dress, dass der Fußballgott das 2:0 (90. Minute!) machte, schon vorher der einzige mit drei Torabschlüssen und gefährlichen Szenen war.

Eine Einzelkritik ist dieser träge Kick bei dem zweifachen Kaiserreichts-Meister nicht wert. Die Abwehrreihe war – bis auf jene 10 Minuten, in der Berlin den Ausgleich hätte machen können und müssen – nicht gefordert. Zu sehen war lediglich, dass Aleksandr Ignovski als Rechtsverteidiger wahrlich nur eine Aushilfe sein kann. Nur einzelne Spieler seien noch kurz angesprochen.

a) Nelson Valdez: Üble Partie. In der 38. Minute bemerkte man dank Fernsehbilder, dass er mitspielt. Später dann eine gute, die in der Vor-Meier-Einwechslungszeit einzige Chance, die er vergab.

b) Takashi Inui: Wenn das die Formstärke sein soll, von der die Rede ist, dann Prostmahlzeit. Hatte in den ersten 20, 25 Minuten ein paar gute Szenen, da kamen zwei, drei kurze Pässe in die / auf die Spitze an. Zwei wohlbekannt klägliche Abschlüsse.

c) Haris Seferovic: Das war okay, bei ihm spürt man den Mix aus Willen, Dynamik und vor allem Können. Das Tor macht so ziemlich jeder, aber auch sonst ist er anspielbar und versucht mal etwas Bewegung in den lahmenden Korpus Eintracht Frankfurt zu bringen.

d) Martin Lanig: Der tödliche Pass bekam dank ihm eine eigene Bedeutung, spielte die Bälle gerade bei schnelleren Offensivaktionen drei, vier Mal stumpf in die Verteidigerfüße. Das wirkt zu behäbig aus der Zentrale – auch weil Nebenmann Makoto Hasebe eher getragen und nicht wirklich zügig nach vorne mit-marschiert.

e) Lukas Piaszon: Ganz seltsames Spiel. In der ersten Halbzeit zumindest noch mit dem Versuch, auf dem Flügel etwas zu bewegen, stellte er alle Versuche die kommenden 60, 70 Minuten ein.

Nein, ein Feuerwerk musste, durfte niemand von der SGE erwarten. Auch, da man schon während dem Spiel gegen Inter Mailand ahnen konnte, wie schwach dieser Gegner bei dem Lauwarm-Kick im Waldstadion war. So richtig überzeugt, problemlos über den Amateurklub hinweg gefegt, sind bislang nur wenige Profiteams. Nur Leverkusen machte schnell Schluss mit dem Gegner, sonst war da – zumindest bis Mitte der zweiten Halbzeiten – überall kein Hexenwerk zugange. Das Schielen auf andere Klubs bringt aber wenig, wenn man nun erkennt, dass die Beobachter von Frankfurter Rundschau und Co. eben doch recht hatten mit den Eindrücken aus den Wochen der Vorbereitung: Jede Offensivaktion ist mit Mühe verbunden, Abläufe passen nicht, viel quer, viel hoch, wenig Tempo.

Morgen mal beim SC Freiburg (in Trier) etwas genauer hinschauen. Vielleicht kann man seine positive Energie ja aus deren Auftritt ziehen. Den eigenen Augen (und dem Gefühl) ginge es jedenfalls deutlich besser, zu sehen, dass der erste Bundesliga-Gegner ähnlich über den Sportplatz rumpelt wie die SGE.

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