Monatsarchiv: September 2014

Die Kaderschmiede

Die A-Jugend-Spieler von heute sind nach Einschätzung der Eintracht-Verantwortlichen – aber auch anderer Klubfunktionäre – so gut, dass sie es von der Jugend umstands-, umweglos ins Profigeschäft, in die Bundesligen schaffen. Eine U23, zweite Mannschaft, Reserve brauche es nicht mehr. Deren Unterhalt sei zu teuer (800 000 Euro pro Jahr für die SGE). Resümee der Vereins-Chefs: Es schaffen zu wenige Spieler über diesen Weg, über die dritte / vierte Liga den Sprung in die erste(n) Mannschaft(en).

Das ist zusammengefasst die Haltung, deren Hintergründe man detailierter etwa hier oder, mit Kritik von Dortmund-Trainer Jürgen Klopp, hier nachlesen kann.

Nach so einer Entscheidung vergeht dann nicht mal ein Vierteljahr, und der geneigte Fußballfan stößt auf diese End-September-Meldung. Was fällt ihm auf, dem Leser, dem Fan? Dass da irgendwo sehr schnell die Logik-Kette gerissen zu sein scheint. Die Einschätzung der Stärke der eigenen Jugend, wonach die – und das angeblich seit Jahren – höheres Potential besitzt als eine U23, kommt angesichts solcher Entwicklungen ebenso früh wie gehörig ins Wanken.

Man kann das für Frankfurt in zwei Richtungen drehen: Quantitativ haben es in den vergangenen Jahren zwei Kicker ohne, zwei Kicker mit/über U23 in den Profibereich geschafft (wir rechnen mal nur diejenigen, die auch wirklich mehr als einmal in der Bundesliga / zweiten Liga gegen den Ball getreten haben).

Den Weg über die U23 zu den Profis nahmen zuletzt Marco Russ und Sebastian Jung erfolgreich. In Russ‘ Fall ist das acht Jahre her (ab Frühjahr 2006 wurde er regelmäßig eingesetzt) in Jungs Fall sind es fast fünf Jahre (2009/2010 stieß er zu den Profis).

Ohne U23 haben es Marc Stendera (2012), im oben verlinkten Artikel wird noch Luca Waldschmidt (2014) genannt, der von der A-Jugend, neudeutsch U19, zu den Profis „geschafft“. Die Anführungszeichen sind absichtlich gewählt, denn ZU den Profis haben sie es sehr wohl geschafft, vertraglich, aber sportlich durchgesetzt BEI den Profis haben sie sich nicht – bei Stendera wird das aber vermutlich in der Tat nur eine Frage der Zeit sein.

Ergo: Man könnte die These aufstellen, dass die einzigen Nachwuchsspieler, die es bei und über Eintracht Frankfurt zur Bundesligatauglichkeit, zu einer gewissen Qualitätsgüte geschafft haben, aus der U23, aus der erst-Jugend-dann-Reserve-Prägung kamen/kommen.

Nimmt man Marc-Oliver Kempf (nun in Freiburg Stammspieler) hinzu, schlägt das Pendel bei der Bewertung „wie werde ich bundesligatauglich“ eher in Richtung U23 denn in Richtung Jugend aus. Rechnet man Sonny Kittel (vor den ersten Profieinsätzen ohne U23-Erfahrung) rein, wiegt es sich wieder auf. Aykut Özer sollte man wegen der besonderen Torwartumstände außen vor lassen.

Es bleibt so oder so schleierhaft, wie, anhand welcher tatsächlichen personellen, sportlichen Entwicklungen – Beweise sozusagen – man die eigene Jugend(arbeit) als stark genug / als stärker einschätzen und die Anti-U23-Entscheidung treffen konnte.

Die Tatsache, dass Profi-Trainer Thomas Schaaf junge Spieler wie den seit Wochen verletzten Joel Gereghizer (18 Jahre, keine U23-Erfahrung) mit ins Sommer-Trainingslager nahm, ihn einsetzte und lobte ist kein Indiz für die hohe Güteklasse des Spielers oder gar der SGE-Jugend. Dieser Schritt ist a) dem Rumpfkader der Vorbereitung geschuldet und b) haben in den vergangenen zehn Jahren alle Trainer mal Talente in Vorbereitungen eingesetzt, sie gelobt. Vor allem aber haben sie sie gewogen und offenkundig für zu leicht befunden. Alexander Hien (Wormatia Worms), Erik Wille (MSV Duisburg), Julian Dudda (Werder Bremen II), Juvhel Tsoumou (FK Senica) – nur vier Namen aus den letzten Jahren. Um die Klammer zu oben zu schließen: Tsoumou spielte recht häufig für die U23, Hien eine halbe Saison, Dudda und Wille spielten dort nicht.

Kurzum: Bei Eintracht Frankfurt spielt es keine Rolle, ob jemand aus der U23 oder A-Jugend kommt – bis auf wenigste Ausnahmen scheitern alle. Die größte Chance auf Einsätze, auf einen Durchbruch, auf nachhaltige könnte man den Ex-U23-Spielern zuschreiben. Jedenfalls ist das Abstellen auf die höhere Qualität heutiger Jugendspieler eine fadenscheiniges Argument für die Abschaffung der U23. Es ging nicht so sehr um eine Kosten-Nutzen-Rechnung, sondern um eine Kostenrechnung. Und da waren 800 000 Euro für einen kompletten Kader, aus dem zumindest theoretisch ein an körperlich robusteres Viertliga-Senioren-Partien gewöhnter Spieler entwachsen kann, zu teuer. Wie viel man von diesen flux eingesparten 800 000 Euro im Handstreich in die Dienste Timo Hildebrands als dritten Torwart investiert hat, werden wir wohl nie erfahren.

Am Samstag um 18.30 Uhr geht es gegen den 1. FC Köln. Das wird garantiert ein Leckerbissen 😉 Aber was soll`s: Nur die Punkte zählen, nicht die B-Note. Es brauchtnNoch 27 Zähler bis zum Klassenerhalt – auf geht`s, U23, Jugend hin oder her.

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Das Gefühl

Meine Berufskollegin und Freundin Sara Peschke hat vor kurzem diesen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht. Dieser beschreibt eine Entwicklung, die zwar Nische ist und bleiben wird, der aber eine interessante Grundstimmung aufgreift.

Vielleicht liegt es am Alter. Aber ist es nicht wirklich so, dass der Profifußball immer überreizter zu werden scheint? Montags geht es los, sonntags endet es – und schon beginnt der Zyklus von vorn. Die immer selben Nasen bemühen die immer selben Floskeln. In diesem Jahr versucht sich Trainertyp A an der Neu-Erfindung des Sports, im nächsten Jahr Trainertyp B. Und am Ende rennen ganz simpel 20 (+2) Leute einem Ball hinterhe. 90 Minuten Fußball gibt es dann, mal optisch übel wie SGE vs. HSV am Sonntag, mal elektrisierend wie SGE vs. Wolfsburg vor eineinhalb Jahren. In der Tabelle steht am Ende einer der beiden Primat..Primuse vorn. Geld schießt Tore, Geld bietet kundenorientierten Fußballzirkus, Geld zieht Geld an.

Hinter den vergebenen Honigtopfrängen, die alle paar Jahre durch Investorenklubs ergänzt werden, balgen sich die Verbliebenden um möglichst schadlose Platzierungen, reihen sich irgendwie mehr oder minder ambitionslos ein. Sie führen letztlich einen Abwehrkampf, in dem es darum geht, doch noch möglichst lange in der Bundesliga zu bleiben. Es geht darwinistisch um das Überleben in einer Welt von ökonomisch gepämperten „Vereinen“, keine Spur mehr von Kampfansagen, geschweige denn Meisterschaftsüberlegungen außerhalb von Bayern München, Borussia Dortmund. Pseudo bescheiden geben sich dann noch Wolfsburg und Leverkusen, bald Leipzig, sowieso Hoppenheim. Da wirkt es eher putzig, um das Wort naiv zu vermeiden, dass dei Fans von Union Berlin einen in Schwarz gehüllten Protest gegen RedBull Leipzig führ(t)en. Ja, es ist super, dass die Berliner das offensiv betreiben. Und ja, es ist sinnlos, wie heutzutage jedweder Gedanke zum Stopp eines Trends sinnlos ist. Alles, was Mode ist, wird gut geheißen. Fortschritts- und Technikglaube. Hörig, würde es mancher nennen.

Verdruss ist wohl das richtige Wort. Aber wie soll man auch anders fühlen? Da schaut man auf die Tabelle in der zweiten Bundesliga und weiß, was (auch in der ersten Liga bald) Sache ist. Da kicken Aalen, Sandhausen, Ingolstadt rum! Das sind Spiele, da kommen weniger als 8000, oft weniger als 5000 Zuschauer in das Stadion. Und am Fernseher werden das sicher keine Millionen verfolgen, es würde wundern, wenn es – die Sky-Konferenz ausgenommen – auch nur eine niedrige fünfstellige Zuschauerzahl wäre. Das ist in der Bundesliga, bei den dafür prädestinierten Klubs, nicht anders, siehe Wolfsburg gegen Hoffenheim.

Nein, früher war nicht alles besser. Uerdingen, Wattenscheid, Homburg – das waren auch keine Massenmagneten. Es ist wie gesagt auch eher ein Gefühl, das sich auszubreiten scheint. Man gibt als Fan ja schließlich doch einiges, vor allem Emotion, Kraft, Zeit. Dinge, die noch über Geld stehen. Erwartet man dafür die von Sara Peschke angesprochene Liebe? Vielleicht nicht, nicht mehr. Man erwartet eigentlich nur, dass man nicht den Bezug zum Verein des Herzens verliert. Dieses Gefühl geht nämlich über Ergebnisse und Platzierungen, auch über Spielweisen hinaus. Es geht dabei nicht um die Sehnsucht nach Dauersingsang von Selbstbeweihräucheren in der Kurve, es geht schon gar nicht um Pyrotechnik. Es geht darum, dass Fußball am Ende Fußball bleibt – keine scripted Reality-Veranstaltung, flankiert durch amerikanisierte TV-Berichterstattung, den „Super-Samstag“ und Co.

Überlebt sich der Fan etwa mit (seiner) Zeit? Man will es nicht hoffen. Aber wie die Bachelorstudiengänge zur Normalität für Neu-Studenten werden, wird es in wenigen Jahren auch keine Debatte mehr über die Investoren-Klubs geben. Dann schauen sich zwar auch nicht wesentlich mehr Leute die Existenz dieser gepriesenen Fußballlaboratorien an. Aber das Gefühl wird ein anderes sein.

Forza SGE!

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Dreier dank Tor des Jahres

Eines mal vorneweg: Dass Eintracht Frankfurt gegen den (bis auf die zähne bewaffneten) Hamburger SV gewonnen hat, ist sehr gut, ist äußertest erfreulich, ist genugtuend. Es ist aber auch unverdient. Dagegen hab ich nichts, hatte ich noch nie. 44 und 90 Minute als Tor-Zeiten? Das nenne ich Perfektion. Und doch muss man – Hammertor hin oder her – nicht jauchzen. Was einen hingegen zurecht befriedigt zurücklassen kann: jetzt gab es mal jenes Glück, das man gegen andere Teams zuvor nicht hatte.

Das Spiel gegen Hamburg lief aber im Gros wie bislang alle Partien der Saison. Abspielfehler en masse, vor allem keine Spielidee (außer Langholz) und ein gewisses profitieren von des Gegners Abschlussschwäche. Dafür muss man sich, wie für Siege generell, nicht entschuldigen. Aber, und wer Thomas Schaaf gehört und die Stimmen nach dem Spiel richtig eingeordnet hat, weiß dass das Team genauso nüchtern denkt, man muss sich nix vormachen: Spielerisch ist das nix, es gibt nur ganz wenige denen Sicherheit anzumerken ist, etwa Hasebe. Auch Seferovic, obgleich er stets im zweiten Abschnitt abtaucht, sieht man das an. Defensiv, nach hinten ist das meist okay – wenn der LV nicht gleich drei mal das Abseits aufhübe.

Würde ich einzeln bewerten, sähe ich gegen den HSV die beiden besagten zusammen mit Wiedwald – ein Wackler muss man verzeihen – am besten. Chandler verbessert, Medojevic engagiert aber zu hektisch, Aigner noch weit Weg von Normalform, Meier schwach und Ignovski bemüht aber nach vorne zu dünn. Russ und Anderson okay, oczipka wackelig wie in 90% der Spiele. Schaaf als Wechselfuchs natürlich unerreicht 😉

Im ernst: mir gehts darum, ob diese doch sehr holzschnitzartige Spielweise wirklich das (gewollte) Maximum und auf Dauer von erfolg gekrönt sein kann. Ich sage: hätte ich gerne, nur glauben kann ich es nicht. Ändert nix an Stellenwert oder Erleichterung (über) den Sieg.

Jetzt, so viel ist klar, kommt das weichensteller-Spiel. Gegen Köln. Die stehen hinten stark, das läuft auf ein un-telegenes 0:0 hinaus! Gelänge da zuhause etwas … Die Dynamik des Erfolgs, es wäre ja zu schön!

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Leichtestes Spiel der Saison

Wenn heute niemand im entscheidenden Moment eine riesige Papierkugel auf den Platz wirft, fährt Eintracht Frankfurt als Verlierer aus Hamburg nach Hause. Dazu muss man nicht die Verletzungs-Misere, nicht den Ausfall von Abwehr-Rüpel Carlos zambrano als Gründe benennen. Die Tatsache, dass Eintracht Frankfurt gegen eine gurkige, erfolglose 0-Tore-Mannschaft, die Tabellenletzter ist, spielt, genügt.

Ehrlich Leute, das wissen wir SGE-Fans doch nun wahrlich am besten, oder? Also: entspannter Sonntag heute, beim vorhersehbarsten, leichtesten Spiel der Saison 😉

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Die Causa Hübner

Ich verhehle bekanntlich meine Angst um Eintracht Frankfurts (Erst)Klassenzugehörigkeit nicht. Die spielerischen Eindrücke der vergangenen Wochen und Monate waren und sind dürftig genug, die Punktausbeute gegen direkte Konkurrenten ist solala, die Stammspieler fallen in Reihe schwerverletzt und krank (Carlos Zambrano) aus und gegen den torlosen Hamburger SV gibt es eben wegen dieser Tor- und Erfolglosigkeit des Gegners am Sonntag eine Niederlage für die SGE. Denn wenn es eine Gewissheit gibt, neben der Tatsache dass dieser Verein niemals Deutscher Meister wird, dann folgende: Niemand taugt besser als Negativtrend-Brecher als die Kicker aus Frankfurt.

Unterdessen befasst sich die Szene mit einem möglichen Wechsel von Eintracht-Sportmanager Bruno Hübner zum VfB Stuttgart und Armin Veh („Ich habe keine Lust mehr regelmäßig nach Niederlagen die Hand des gegnerischen Trainers schütteln zu müssen“) – als Nachfolger für Fredi Bobic. Abgesehen davon dass es wirklich bitter ist, dass Bobic entlasten worden ist und somit eine realistische Chance besteht, dass Stuttgart erstarkt, wäre ein Wechsel Hübners … zu verschmerzen? Nicht zu kompensieren?

Auf welche Seite man sich schlägt, hängt sicher damit zusammen, wie man Hübners Transferbilanz bewertet. Seine Befürworter führen gerne die Mangelverwaltung, das Haushalten mit wenig Geld als Argument ins Feld. Dafür gelangen ihm einige sehr gute Transfer(entscheidungen), allen voran mit Stefan Aigner, Kevin Trapp und Carlos Zambrano. Das kann man so sehen. Jedoch gehört zum kompletten Bild dann auch die Tatsache, dass er, dass der Verein (wieder mal) vier Millionen Euro in Tschechien versenkte (V. Kadlec). Sieht man Hübner kritischer, könnte man sagen, dass er neben den genannten sehr guten Transfers viele one-hit-wonder nach Frankfurt lotste. Takashi Inui, Bastian Oczipka, die Zweitliga-Stürmer-Riege etwa. Auch an mehr oder minder teuren Fehleinkäufen (und der Rode-Halten-Fehlentscheidung) mangelt es in seiner Amtszeit nicht. Ebenso wenig an Mini-Ausstiegsklauseln (siehe Schwegler und Jung). Die Trainerwahl(en), die der Sportdirektor traf, entpuppen sich bislang als gut. Armin Veh hat das Soll übererfüllt, Thomas Schaaf scheint jedenfalls als Typ der Richtige zu sein.

Um Hübners Wirken, das man bislang vielleicht am besten als durchwachsen, als okay bezeichnen sollte, nachhaltig bewerten zu können ist die aktuell laufende Saison entscheidend. Diesmal hatte / hat er keinen Antreiber á la Armin Veh im Rücken, diesmal sind Personalfragen wohl noch mehr auf seine Entscheidungen zurückzuführen. Dieser Kader ist vielleicht der mit am meisten Bruno-Hübner-Prägung. Was das, was dieser wert ist, weiß man spätestens Mitte Mai 2015. Daran sollte man sich erinnern, egal ob es dann noch einen Sportdirektor Bruno Hübner in Frankfurt gibt, oder nicht.

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