Der Sprung

Wie sehr einen Eintracht Frankfurt, Bundesliga, Fußball, die Zeit zwischen August bis Mai eines Jahres aufzehrt, erkennt man wohl am besten daran, dass man nicht mal die Spiele der Konkurrenz entspannt verfolgen kann. Nein, opportunistisch wie es nur geht, sehnt man acht Wunschergebnisse pro Spieltag herbei, wünscht jeweils dem Feind des Feindes einen Sieg – oder eine Punkteteilung bei Spielen wie Bremen vs. Freiburg.

Und gefühlt erwischt man oft einen Mistspieltag, bevor Eintracht Frankfurt ran muss. So wie am Samstag. Nicht nur, dass sich Berlin und Stuttgart (wurden eigentlich wieder Hände geschüttelt *g*?) nicht remis trennten, nein, auch die „Spitzenteams“ Leverkusen und Dortmund (Dortmund!!!) taten alles für die Klassenkampfkonkurrenz der Eintracht. Womit sich wieder zeigt, dass es außer Bayern München eben kein Team gibt, dass verlässlich und konstant gerade gegen die Teams aus dem unteren Tabellendrittel punktet.

Auf der anderen Seite ist das Leben, auch das sportliche Dasein recht simpel: Sein eigenes Ding machen, die eigenen Partien gewinnnen – gerade gegen die direkte Konkurrenz. Und der FC Köln zählt dazu, wie auch Freiburg, Bremen, Paderborn – und wenigstens mittelfristig Berlin, Augsburg und ein „Großer“ (Stuttgart / Hamburg). Wie man an der Auflistung sieht, spricht man von einem halben Dutzend Teams (+ Frankfurt), dass im Mai wohl auf den Plätzen 18,17,16,15,14,13 und 12 stehen wird. Das ist die Liga in der Liga. Das sind streng genommen jene zwölf+ Spiele, in denen Abstiegskandidaten jene 36 Punkte erzielen könnten, die für das Ticket zum Bundesligaverbleib qualifizieren. Die Leistungsdichte, der Zufallsgenerator zwischen Rang 6 und 18 sorgt jedoch dafür, dass es so einfach nicht ist, so leicht nicht wird.

Ergo konnte man darauf wetten, dass die SGE im Spiel gegen Köln Boden einbüßt, nicht etwa den Sprung nach oben ansetzt. Und dann kommt diese Partie im Waldstadion zustande, die nur mit dem Wort seltsam zusammenzufassen ist. Da zeigt die Eintracht ein abermals von Fehlpässen und Ballverlusten nur so strotzendes Spiel, tritt aber so druckvoll und dominant auf wie noch nie in dieser Saison. Sie produziert Torabschluss um Torabschluss – und lässt sich im Gegenzug mit simplen Methoden defensiv aushebeln. Am Ende ist es dann das Qualitäts-Duo Alexander Meier und Haris Seferovic, dass für drei Punkte sorgt (und für den drittbesten Bundesligasturm). In einem Spiel, dass auch 4:4 ausgehen kann, oder in dem die Eintracht schon zur Halbzeit 3:0 führen, jedenfalls über 90 Minuten 4,5 Tore machen kann.

Was fällt auf? Thomas Schaafs Team kommt langsam spielerisch in ansehenlichere Gewässer. Gegen Köln hagelte es zwar wieder Fehler – bessere Teams machen aus den Ballverlusten mehr (Tore) – aber es galngen erstmals Kombinationen. Gerade Meier/Seferovic, abgesehen von den Toren/Vorlagen ,passen gut zusammen, verstehen sich spielerisch. Selbst Takashi Inui, der zwar wieder 90% seiner vielen guten Ansätze selbst erstickte, sorgte durch das Anziehen des Tempos immer mal wieder für Unruhe. Marco Russ gab den aktivsten und besten Sechser, glich somit das unstete Spiel von Slobodan Medojevic und Makoto Hasebe aus, die Innenverteidigung machte ein sehr starkes Spiel – und riss die Leistung der schwächeren Alexandr Ignovski und Bastian Oczipka (Torschütze des 1:0 für Köln) raus.

Wie schon gegen Hamburg, als man im Vorfeld aufgrund der langjährigen SGE-Erfahrung von einer Niederlage als Aufbaugegner ausgehen musste, konnte man auch vor dem Anstoss gegen Köln pessimistisch sein. Nun, mit 12 Punkten auf der Habenseite und einer Chance auf die berühmte Spirale des Erfolgs, kann man allen Unkenrufen zum Trotz nur sagen: Chapeau, Herr Schaaf, Kompliment, Mannschaft – das sieht zwar oft übel aus, aber es funktioniert. Noch 24 Punkte braucht Eintracht Frankfurt bis Mai. Das, liebe Fans, darf keiner von uns vergessen. Denn wenn man die Statements der Spieler und Funktionäre hört, weiß man, dass sie das auch nicht vergessen.

An dieser Stelle noch eine Bemerkung: Bruno Hübner, der sich dieser Tage auffallend zurücknimmt mit öffentlichen Äußerungen (zu viel zutun in Stuttgart?), hat gerade mit Haris Seferovic einen sehr guten Mann verpflichtet. Da muss man gar nicht mit Bendnter-Vergleichen kommen. Seferovic und dessen Spielweise, dessen Wille sprechen für sich. Die anderen Neuen, sie wollen, sie beißen zumindest. Vielen gelingt noch wenig, Medojevic etwa – aber sie mühen sich und schmeißen sich rein in die Spiele. Es ist nicht schön, was die Frankfurter Fußballer zeigen, aber dass muss es nicht. Es muss nur Punkte bringen – und das tut es auf formidable Art und Weise in diesen Wochen. Wieso auch immer.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Der Sprung

  1. Jermaine Jones Junior

    Hauptsache Timo Hildebrand verpflichtet, weil Felix Wiedwald nach den guten Leistungen in den letzten Wochen die Eintracht ziemlich sicher ablösefrei am Saisonende verlassen wird.

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