Geldgeber

Im Grunde juckt unser einen ja nur uffm Platz. Sprich: der Sport. Aber da man emotional so tief drinsteckt in Eintracht Frankfurt, müssen einen auch drögste Dinge interessieren – etwa eine Aufsichtsratssitzung. Das sind Veranstaltungen von einem Schlag, wie sie Land auf, Land ab gleich ablaufen: Es gibt Tagesordnungspunkte (Begrüßung, Totenehrung, Protokoll …), jeder leicht mal seinen Sermon ab, es wird über etwas abgetimmst und am Ende entwickelt eine Arbeitsgruppe einen Fahrplan, kümmert sich um Details (die oft wichtiger sind als die große ganze Verlautbarung).

Bei Eintracht Frankfurt steht in diesen Tagen offenbar Wichtiges auf dem Programm. Es soll darum gehen, wie sich der Klub in den nächsten Jahren wettbewerbsfähig halten will, halten kann. Es wird um das gehen, was auch wir hier schon mehrfach diskutierten: Wie weit darf, kann, muss der Einstieg eines Investors gehen? Hat überhaupt ein Geldgeber Interesse am immer-mal-wieder-Erstligisten, der von wenig lokalen/regionalen, sondern von globalen Unternehmen umzingelt ist? Weltmarken aus dem Finanzsektor, die kaum Notiz nehmen werden vom Verein, der manchmal wirkt wie die Kleingärtner unten am Industriehof.

Fakt ist, dass Vereine wie Eintracht Frankfurt abzuschmelzen drohen, wenn sie nicht bald – in den nächsten ein, zwei Jahren – spürbar mehr Geld (von Außen / über lukrative Transfers) zugesteckt bekommen. Ein Blick auf die Zweitligatabelle genügt, um die These zu untermauern: Mit RedBull Leipzig kommt ein Finanzgigant in die erste Liga – spätestens ab der Saison 2016/2017. Dazu gesellt sich Ingolstadt, das ebenfalls ein quasi unerschöpfliches Finanzpotential im Rücken hat, und die man ebenfalls sehr bald in Liga 1 „begrüßen“ wird müssen. Auch Heidenheim verfügt über Investorenkapital. Es gibt mehr und mehr, oft versteckter und auf kleinerer Flamme lodernde Beispiele für das Mäzentum im Profifußball. Das Zuschaueraufkommen in Stadien, die Zahl der Auswärtsfahrer – alles gar prozentual zum Einzugsgebiet eines Vereins – das Fan-Interesse im Fernsehen (siehe als faktische Grundlage die Einschaltquoten bei Sky), was zählen solche Argumente schon gegenüber … ja was eigentlich? Man sollte doch meinen, dass sowohl Verband als auch Liga ein Reichweiten-Interesse, ein Emotions-Interesse haben. Ureigen sollte ihnen das sein. Ergo müssten sie doch genau sehen, welche Vereine Zuschauer (an)ziehen, wer interessant ist und wer nicht. Wer verfolgt denn Spiele von Wolfsburg vs. Hoffenheim? Von Sandhausen gegen Aaalen? Es sind faktsich weniger als 10 000, oft nur minimal mehr als bei diesen Kicks Zuschauer ins Stadion gehen.

So oder so: Da niemand den Investorentrend aufhalten will und wird, muss auch Eintracht Frankfurt lieber etwas früher als zu spät rauf auf den Zug. Dass das dafür sorgen wird, dass ein Geldgeber – entgegen jeder offiziellen Haltung – eine Handhabe im / für / gegen den Verein haben wird, ist klar. Dass ein zum Werbe-Vehikel umfunktonierter Klub emotionales Profil verlieren wird, könnte auch gut passieren. Zur Not folgen wir dann eben dem Trend und schauen uns Reserve-Teams an. Oder mit Bratwurst den Verein vor der Haustüre. Am besten ist sowieso, man kickt selbst im Verein. Die Gnade der 1982er-Geburt lässt das bei mir hoffentlich noch ein paar Jahre zu.

Auf dass die hohen Herren vernünftige Entscheidungen treffen.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Geldgeber

  1. Anonymous

    Ich kann den Heidel eigentlich nicht sonderlich leiden; aber mit diesen Aussagen trifft er wirklöich ins Schwarze:
    http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/613326/artikel_elektrisiert-ingolstadt-gegen-hoffenheim-das-land.html

  2. Jermaine Jones Junior

    Zum Thema Nationalelf möchte ich gerne meinen Senf dazu geben, vllt interessiert es euch!
    1) Ich habe seit langem keinen so guten und mutigen Fachmann kommentieren hören wie Jens Lehmann. Ob der RTL-Zuschauer von soviel Intellekt leicht überfordert wirkt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
    2) Deutschland hat den Experten nach ein Sturmproblem. Aha. Wirklich nichts Neues. Wie oft war Joghurt Löw im Waldstadion? Hat er schon was von unserer Nr. 14 gehört? (Jetzt, lieber Herr Löw, komm nicht mit Perspektive oder so. Klose war auch nicht viel jünger)
    3) Wer ist dieser neue aalglatte Typ im Sakko? Ist das nicht der, dessen Schicksal durch eine Niederlage gegen uns eigentlich für immer besiegelt sein sollte? Ein ehemaliger Versager vom VfB aus Cannstatt, also? Ein weiterer Mann, der die BaWü-Connection erweitert? Und warum wirkt er auf mich, als ob er für französische Zigarettenmarken Werbung machen könnte? Hmmm… Fragen über Fragen…

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