Der Test

Da ist sie plötzlich, die Chance, sich in die Herzen zu spielen. Diese nach wie vor irgendwie gewöhnungsbedürftige, weil runderneuerte Truppe von Eintracht Frankfurt hat sich zwar über die Ergebnisse bereits Sympathie erspielt – doch richtig herzwarm, das wollte noch nicht so recht.

Jetzt aber, wo nun wahrlich alle Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden, die der Fußballgott schmeißen konnte, könnte sich das ändern. Gelingt es dieser Mannschaft jetzt, wo bis auf Alex Meier die beiden besten Leute – Kevin Trapp und Carlos Zambrano – monatelang ausfallen (Stefan Aigner ist wohl auch wieder malad), weiter erfolgreich zu spielen, sich gar spielerisch zu finden, käme das einem Husarenritt, dem Beweis eines Mords-Charakters und vor allem Qualitätsnachweis gleich.

Das schreibe ich vor einem Spiel gegen Paderborn. Jenes von vielen so belächelte Team, das als Absteiger Nummer 1 feststeht. Aber wie so oft im Leben ist das Augenscheinliche nur die Oberfläche einer gar nicht so tief verborgenen Wahrheit – man muss sie nur sehen wollen. Das, was in Paderborn geleistet wird, kann man nur als überragend bezeichnen. Und mehr als alles andere ist deren Erstklassigkeit kein Zufall. Schon zwei, drei Mal kündigte sich in den vergangenen Jahren an, dass da – trainerübergreifend – viel richtig gemacht wird. André Schubert, Roger Schmidt, nun André Breitenreiter (Jos Luhukay war bis 2006 auch als Trainer in Paderborn): von 2009 bis 2014 schrammte der SCP schon zwei Mal am Aufstieg vorbei, mit ganz anderen Spielern (nur Daniel Brückner, Jens Wemmer, Christian Strohdiek waren ab mind. 2009 dabei), ganz anderen Systemen, ganz anderen Typen. So etwas muss systemische, organisatorische Gründe haben. Trägt das Gerüst den Namen Michael Born, Sportmanager seit 2011 (und zuvor 1996 bis 2008)? Jedenfalls scheint dort jemand, etwas am Werk zu sein, der eine Idee hat und diese verfolgt, der weniger dem Trainer die Grundgestaltung überlässt, sondern für den ein Trainer Erfüllungsgehilfe bei der Umsetzung des vorher erdachten Ziels ist.

Etwas, das bei Eintracht Frankfurt in den letzten Jahren Stück für Stück verloren gegangen zu sein schien. Zu sehr waren es nach der Ära Friedhelm Funkel die Trainer, die den Ton angaben. Jetzt, mit Thomas Schaaf, scheint das wieder etwas anders, etwas funkelnder zu werden. Bruno Hübner könnte jetzt den sportlich und charakterlich richtigen Mann gefunden haben, der dafür sorgt, dass auch Hübners Rolle eine andere wird. Eine des Gestalters, des Ideen- und Impulsgebers, vor allem aber des Umkremplers. Die zwar überfällige aber doch richtige und wichtige Entscheidung, die Scoutingabteilung umzubauen und auf einen Fachmann zu setzen, der durchaus sinnige Transfers in seiner Amtszeit für den Klub (das aber geldschwangere Ingolstadt) getätigt hat, stimmt jedenfalls optimistisch.

Aber wie immer, wenn es um solche Themen geht, rücken sie spätestens in den Stunden vor Anpfiff eines echten, greifbaren Fußballspiels in den Hintergrund. Sonntag, 17.30 Uhr in Paderborn, Züge hin, Streik her: Wir hoffen auf etwas Zählbares, um der 20-Punkte-Hinrunden-Marke näherzukommen!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Der Test

  1. Herr Schnitzelmann

    …ja, ja, ein Trainer, oder Verein, der es sogar fertig bekommt, einen nicht erstligareifen Spieler wie Bakalorz in der ersten Liga einzusetzen. Wie stark muss Paderborn sein, wenn die sowas kompensieren können?
    Nach Bell und Kempf wieder einer, denn man bei uns nicht gut genug empfand.
    Dagegen, die, die weg wollten um nach höherem zu streben, sind fast alle gescheitert. Jüngstes Beispiel: Schweglers Versuch der besseren Perspektive in Hoppoheim habhaft zu werden. Die Perspektive ist nun sicherlich ne andere als in Frankfurt, wo er die Spiele auf dem Rasen mitgestalten konnte, anstatt sie auf der Bank lediglich mitzuverfolgen.

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