Der Umbau

Damit es nicht wieder heißt, man würde als Eintracht-Blogger nur mäkeln und meckern: Hier jetzt mal konkrete, konstruktive Vorschläge, wie man Eintracht Frankfurt das Fußballspielen wieder beibringt. Es muss an allen drei Stellschrauben gedreht werden: Personal, Formation und Taktik.

A) Formation

Das Sytem, mit Raute zu spielen, sollte man nicht generell als überholt darstellen. So sehr in Mode 4-2-3-1 auch ist – wobei selbst das als Grundformation bei Ballbesitz von Spitzenteams durch ein 3-2-4-1 verdrängt wird – gilt es stets das System spielen zu lassen, das für den eigenen Kader am besten geeignet ist. Da kann man streiten, ob 4-4-2 wirklich das Richtige für diese SGE ist. Einen Gegenentwurf gibt es zu allen Formationen. Jedoch: Egal für was man sich entscheidet, damit müssen Personalentscheidungen zusammenhängen. Spieler A taugt nicht automatisch für System B, nur weil er per se vielleicht ein guter Kicker ist.

Derzeit wirkt es so, als ob die Raute das ungeeignetste Mittel ist. Denn die Eintracht hat keine Halbpositionsspieler im Kader. Makoto Hasebe kann das als einziger, daher auch der Eindruck, dass er noch am klarsten, am strukturirtesten spielt. Martin Lanig kann man dort auch verorten – dann hört es aber auf. Johannes Flum entpuppte sich vergangene Saison als sehr starker Zentral-Defensiver, auf den Halbpositionen brachte er selten die richtig guten Leistungen. Slobodan Medojevic spielt wie ein klassischer (zwar robuster, aber fehlpassverliebter) Sechser, taugt nicht für die sogenannte Acht. Marco Russ, der nun in die Verteidigung gerückt ist, spielt als Sechser rustikal und gut – aber für die Raute wäre er nicht aufbauspielstark genug, könnte aber auch nur die Sechs spielen. Als einziger Zentral-Defensiver kommen somit drei, vier Spieler in Frage – für die Halbpositionen nur zwei. Bleibt die zentrale offensive Position, der klassische Spielmacher. Da setzt, wenn man das überhaupt eine klare Raute nennen kann, der Trainer auf Takashi Inui – hätte auch Marc Stendera als Option. Dementsprechend könnte ein 4-4-2 mit Raute eigentlich nur wie folgt aussehen bzw. funktionieren:

———- XXXX ———-
—–Hasebe——Lanig——
——– XXXXXX ——–

Ob nun Medojevic, Flum oder Russ als einziger Sechser spielt, erscheint erstmal nebensächlich – da Russ in der Innenverteidigung (ebenfalls) sicher steht, wären Medojevic und Flum die Möglichkeiten auf der Defensivposition in der Raute. Da man zum jetzigen Zeitpunkt der Saison, schon gar nicht mit so vielen Verletzten, zig weitere Baustellen aufmachen sollte, ist Medojevic wohl gesetzt – wobei ich persönlich (einen fitten) Flum bevorzuge.

Enscheidend für das Kombinationsspiel in der Offensive ist die Besetzung der Halbpositionen – und da man dafür nur Hasebe und Lanig als Möglichkeiten hat (wenn man Optimist ist, nennt man noch Stendera), wäre es eigentlich schon aus quantitativen Gründen unsinnig, weiter auf eine Raute zu setzen. Davon abgesehen, dass man in einem System ohne klare Außenmittelfeldspieler auf einen seiner – wenn gesund – besten und in jeder Beziehung aktivsten Spieler verzichten müsste: Stefan Aigner.

Ergo ist eine Abkehr von der Raute, als deren Fan Thomas Schaaf bekanntermaßen gilt, mehr als ratsam. Es muss kein 4-2-3-1 sein, sollte es aber sein.

B) Personal

Die Systemumstellung- oder Modifikation vorausgesetzt, würde ich wie folgt aufstellen: Seferovic als Mittelstürmer, Meier als zentraler Offensivspieler oder vice versa. Dazu (ein fitter) Aigner auf rechts und Inui auf links – als erste offensive Einwechseloption Marc Stendera. So macht die Offensive schlicht am meisten Sinn.

Für eine Doppelsechs (solange Russ in der Innenverteidigung spielt) fiele meine Wahl auf den in allen Formationen gesetzten Makoto Hasebe mit dem Nebenmann Johannes Flum – wobei das fast die offensivst denkbare Mittelfeldausrichtung wäre. Wahrscheinlicher ist das Duo Hasebe und Medojevic, wobei der Serbe den defensiveren Part übernehmen würde. Hasebe und Lanig wird, siehe Vorbereitung, in Schaafs Überlegungen auch eine Rolle spielen, wobei auch das ähnlich offensiv wäre wie die Kombination Hasebe/Flum. Würde man Alexander Madlung in die Innenverteidigung stellen und Marco Russ dementsprechend für das Mittelfeld zur Verfügung stehen, wäre Hasebe/Russ die praktikabelste Variante und würde das Mittelfeld nicht im ewigen Baustellen-Dasein verbleiben lassen.

Denn: In der Innenverteidigung ist nach Zambranos Verletzung so oder so eine Neuanpassung nötig, auch Russ muss sich daran und an Bamba Anderson neu gewöhnen (was er gegen Paderborn sehr gut machte). So oder so: In der IV sind die Möglichkeiten beschränkt, ebenso auf der Linksverteidigerposition. Letzteres ist extrem bitter, da Bastian Oczipka das Sicherheitsrisiko bleibt, das er immer war – und seit nunmehr fast zwei Jahren offensiv nichts mehr bewerkstelligt. Auf der rechten Seite sieht das etwas anders aus. Alexandr Ignovski, so sehr er sich müht und reinschmeisst in die Partien, ist für das Aufbauspiel keine Hilfe. Man merkt, dass RV nicht die Position seiner Wahl ist; er wäre in der Tat als dynamischer Rode-Ersatz im defensiven Mittelfeld wesentlich wertvoller. Das Problem: Timothy Chandler kommt so gar nicht in Tritt. Der Mann, dessen statistische Leistungen soooo weit nicht weg waren von Sebastian Jung (was vermisst man ihn!), läuft sichtbar der Musik hinterher, ist nicht in Form. Wenn er spielt, wirkt das holzschnittartig, gehemmt, irgendwie … fern. Dabei tut eine Verbesserung der Außenverteidiger extrem Not – denn ihr Auftritt, ihr Auf- und Nachrücken, ihre Teilnahme am Kombinationsspiel, ihr Bewegungsradius auf dem Platz und das Besetzen der Räume hat auch systemische Auswirkungen.

C) Taktik

Schaafs Maßgabe scheint zu sein, dass bei Ballbesitz nur einer von beiden Außenverteidigern spürbar nachrückt. Das sorgt dafür, dass im ohnehin zahlenmäßig unterlegenen SGE-Mittelfeld (eigene Vierer-Raute zu Fünfer-Mittelfeld des Gegners) eine Anspielstation fehlt. Im Prinzip verteidigen ab dem Mittelkreis stets acht, manchmal gar neun Gegner nur sieben anstatt acht anlaufende Frankfurter Feldspieler.

Ergo: Die Außenverteidiger müssen mehr zum Offensivspiel beitragen, nach vorne schieben, Anspielstationen bieten, mit-kombinieren. Ein zentraler Mittelfeldspieler muss sich weiter hinten den Ball holen (dürfen), auch Alex Meier sollte sich für das Umschaltspiel wieder tiefer fallen lassen (dürfen) um Überzahl im Mittelfeld zu schaffen, die Bälle auch mal zu halten, Langholz und Diagonalschläge sporadisch einsetzen.

Denn: Die Unterzahl ist notorisch, das ist sodann um ein Vielfaches problematischer, wenn dem Passspiel keine Geschwindigkeit innewohnt. Mit Einheitstempo eine Überzahl zu bezwingen ist fast unmöglich, da müssen zwingend schwere individuelle Fehler – etwa bei der Ballannahme – des Gegners her. Und von eben diesen profitierte die Eintracht im bisherigen positiven Saisonverlauf sehr. Das geht auf Dauer nicht gut.

D) Kurzfassung

Das Plädoyer ist klar: Umstellung / Rückkehr zum 4-2-3-1, ein bis zwei Personalwechsel wie oben skizziert, taktische Marschroute stärker auf Ballbesitz ausrichten.

Im Grunde genommen muss man alles ändern. Aber gerade personell muss man das nur minimal – und gerade das 4-2-3-1 kennen und können so gut wie alle Spieler aus dem Kader.

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