Nackte Tatsachen

Herrschaften, so sieht es dann aus, wenn Zufallsfußball auf Struktufußball trifft. Wenn eine schlechte auf eine gute Mannschaft trifft. Wenn Planlosigkeit gegen Ideenreichtum antritt. Wenn 3 zu 30 Torschüsse abgegeben werden – weil es die einen können, die anderen nicht mal in Tor- in Chancennähe kommen.

Eintracht Frankfurt ist von Borussia Mönchengladbach nach allen Regeln der Kunst abgekocht worden. Unaufgeregt, souverän, abgeklärt, entspannt – einzig in puncto Chancenverwertung mangelhaft. Wäre der letzte Punkt anders gewesen, hätte es zur Halbzeit 0:3, 0:4 stehen müssen. Klappe zu, Affe tot. So, wie bereits gegen den VfB Stuttgart. Die größte, die einzige Stärke der SGE ist die Chancenschludrigkeit der Gegner.

Was bleibt, ist ein vernichtendes Urteil zum Zustand des Teams. Die Viererkette ist ein Witz, Aleksandr Ignovski völlig überfordert, Bastian Oczpika scheitert beim Versuch, möglichst wenig Fehler zu machen. Marco Russ muss indes im Mittelfeld den Spielmacher mimen, Makoto Hasebe verzweifelt an seinen Mitspielern und Slobodan Medojevic – ja, den gibt es auch. Welche Rolle Letzterer einnimmt, ist auch in der x-ten Woche nicht mal zu erahnen. Und vorne? Bemühen, aber keine Abschlüsse, auch, weil dort keine Bälle bis auf das verzweifelte Langholz hinbugsiert werden. Druck aufbauen? Unmöglich. Kontern? Unmöglich. Verteidigen? Unmöglich.

Das Rezept, die Hoffnung von Eintracht Frankfurt? Beten, dass ein Standard auf den Schädel von Alexander Madlung fällt, die Agilität von Stefan Aigner, der ewige Alex Meier und ein erstarkter Bamba Anderson. Damit hat es sich dann auch. Wobei, stimmt nicht: Felix Wiedwald hält trappesk, mindestens. Doof nur, dass damit mehr über den Zustand des Teams gesagt ist als in allen Zeilen zuvor. Fakt ist: Spielerisch geht überhaupt nichts in der Mannschaft, es wird sogar immer schlechter. Gegen Mönchengladbach, das wenigstens ein besserer Gegner ist als alles, was die SGE zuvor zu spielen hatte, wirkte das Spiel – trotz Stendera und Aigner für die Luftpumpen Inui und Piason – genau wie alle anderen. Es lief auch fast genauso ab, irgendwann würgte man dann auch noch ein Tor rein. Und alle so: yeah!

Gut, man soll ja nach vorne blicken. Können wir machen. Da vorne wird es halt noch trüber, noch trister. Abstiegskampf, und man ist so nackt wie selten. Die spielerischen Ähnlichkeiten, weil Einfallslosigkeiten, zur unsäglichen Trainerimitats-Saison sind unübersehbar. Eintracht Frankfurt steckt bereits im Oktober bis zu den Augenbrauen in Problemen. Für jeden ist das zu sehen. Nur die Verantwortlichen, die werden wieder fabulieren über benötigte Zeit, Ruhe, überzogene Ansprüche und all den kirchenmäusischen Weltschmerz, den sie mit ihrem 35-Millionen-Euro-Etat zu ertragen haben.

Der Kaiser hat wirklich keine Kleider. Ob die nächste Folge der Slapstick-Soap am Wochenende folgt?

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Nackte Tatsachen

  1. Olli

    Da haben wir ja ein sehr schönes Achtelfinale weggeworfen …. Da wirds in nächster Zeit wohl sehr viel Häme vom Nachbarn geben.

Diskussion

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