Vollexperten abgegrätscht

“Wenn so Vollexperten wie ‘Grabi’, der in den 20er-Jahren gespielt hat, den Mund aufreißen, dann interessiert uns das nicht”. Das sagt Marco Russ zu Jürgen Grabowskis Bild-Kolumne, in welcher der SGE-Veteran eine Reihe von Platitüden aufschreibt, die man halt so aufschreibt: Etwas muss passieren. Fühunrgsspieler fehlen, Zweikämpfe müssen gewonnen werden. Der ganze schwammige Kram eben, der sich leicht in einer 20-Zeilen-Randspalte konsumieren lässt, bevor man die Zeitung hinter die Frotnscheibe klemmt. Was Marco Russ sagt, ist korrekt. Jürgen Grabowski, allen Verdiensten zum Trotz, ist ein Fußballrelikt von vor 40 Jahren. Eine Zeit, in der Fußball professionell so dynamisch gespielt wurde, wie heute ambitionierte Teams in der A-Liga kicken. Kurzum: Grabowski redet quasi von einem anderen Sport, wenn er aus seinem Erfahrungshorizont das bewertet, was heute passiert. Deshalb erschöpfen sich die Ratschläge ja auch in besagten Platitüden. So oder so: Dass man mit Tätigkeit der „Generation Ruhmreich“ in Frankfurt nicht vorwärts kommt, sieht man ja seit Jahren am Scouting, deren Chef Bernd Hölzenbein ist. Dass man Fehlgriff um Fehlgriff landet dürfte durchaus damit zusammenhängen, dass ein älterer Mann aus einer anderen Fußballzeit nicht mehr so recht nachkommt beim Fußball 2000+

Womit man wieder über sinnlose Meta-Ebenen diskutiert.

Nachdem einem nun endgültig die Hosen ausgezogen worden sind, ist richtig Druck auf dem Kessel. Das anstehende Spiel gegen Hannover 96 – seinerseits ebenfalls im Pokal ausgeschieden – ist für Eintracht Frankfurt bereits früh in der Saison zum Spiel der Spiele geworden. Alles andere als ein Sieg gegen die Niedersachsen führt zu einer absehbaren Entwicklung, die Anfang Dezember irgendwo zwischen Rang 15 und 18 enden wird. Diese Prognose ist keine Esoterik, beim Blick auf das Novemberprogramm ist es die nüchterne, pragmatische Vorhersage. Dann, im Dezember geht es gegen Werder Bremen und Hertha BSC Berlin, gegen Hoffenheim und Leverkusen. Kramt man den Rechenschieber raus, schielt auf die nötigen 36 Punkte für den Klassenerhalt, müssten im Dezember zwingend sechs, sieben Punkte her. Aus einer Position der Schwäche, der Demoralisierung (Niederlagenserie + Verletzungspech) heraus.

Man kann es sich leicht machen und Verletzte sowie Schiedsrichterentscheidungen diskutieren, also über all das sprechen, was vom Grundproblem ablenkt. Denn auch wenn kein Carlos Zambrano und Constant Djakpa verteidigen, kein Kevin Trapp im Tor stehet, darf Aleksandr Ignovski Zweikämpfe gewinnen, darf Bastian Oczipka ohne Knoten im Bein durch ein Spiel kommen, Slobodan Medojevic einen sauberen Pass über fünf Meter spielen. Diese Eintracht-Mannschaft besteht nicht aus Jugendspielern, die Leistungsschwankungen unterliegen, sondern aus einer Menge gestandener Profi-Kicker. Sie trainieren seit mehr als vier Monaten gemeinsam, im Wettbewerb stehen sie seit drei Monaten. Dass dieses Ensemble so gar nicht zusammenzufinden scheint, dass da im Zusammenspiel eigentlich nichts funktioniert, muss einem genau aufgrund dieser Rahmengegebenheiten Angst machen.

Es geht hier nicht um die Lust am Misserfolg, um ein genüssliches Sich-Auskotzen. Vielmehr lassen sich sportliche Parallelen erkennen zu jener düsteren Zeit unter Michael Skibbe, die in der zweiten Bundesliga endeten. Es ist nie zu früh, zu warnen, schon gar nicht zu früh, gegenzusteuern. Das gilt für die Mannschaft, das gilt für den Trainer, das gilt auch für die Funktionäre. Denn eines ist ganz klar: Glauben, dass es besser wird, ändert nichts an der sportlichen Realität. Den Fehler hat man schonmal gemacht. Wenn Thomas Schaaf seine Vorstellung von Fußball, von System, von Spielidee nicht in den nächsten zwei, drei Wochen umgesetzt bekommt, wenn er diese Dinge vielleicht sogar wider besseren Wissens und gegen die Stärken des Kaders durchdrückt, muss ein Trainerwechsel herbei. Stand jetzt wirkt es jedenfalls so, dass da vieles nicht zusammenpasst – der Fußball, der gespielt wird, wirkt so gesichtslos wie das Team selbst. Und wer Thomas Schaaf am Spielfeldrand beobachtet, wie gezwungen er schaut, wie wild und oft er Anweisungen geben muss, korrigiert, bekommt eine Ahnung davon wie weit weg das Team nach all den Wochen weg ist von dem Zustand, den sich auch Thomas Schaaf erhofft.

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