Dieselbe Leier wie jedes Jahr

In den von Misserfolgen geprägten Geschichtsbüchern der Eintracht gibt es einen Eintrag, gut sechs, sieben Jahre dürfte es her sein, da finden sich Gemeinsamkeiten zwischen dem Spiel in Hannover und einer Partie unter Friedhelm Funkel (Gegner aus dem Gedächtnis nicht mehr bekannt).

Damals, das Team ging personell wie in pucto Leistung am Stock, stellte Funkel eine Mannschaft auf den Platz die den Namen „letztes Aufgebot“ so verdiente, wie keine davor, keine danach. Er wechselte die Mannschaft fast komplett durch. Mutig war das. Es war der Mut der Verzweifelung. Und da kommt Thomas Schaaf am 1. November 2014 ins Spiel. Die Aufstellung gegen Hannover kam dem Eingeständnis der Ratlosigkeit gleich. Da standen plötzlich Spieler auf dem Feld, die seit Monaten nicht mehr gekickt haben (gut auch, die Abschaffung der U23, tolle Idee, Herrn Funktionäre!) – und das war individuell wie im Kollektiv sichtbar. Sicher, Bastian Oczipka und Aleksdandr Ignovski auf den defensiven Außenbahnen waren und sind eine Zumutung. Ebenso die Herrn Inui und Piason. Von daher ist deren Herausnahme ebenso sinnvoll wie hoffentlich von Dauer. Aber dass der Umbruch dann derat radikal vollzogen wird, in einem Spiel, dass man im Hinblick auf die Folgewochen gewinnen musste (ätsch!), war ebenso überraschend wie tollkühn.

Nein, man muss die jungen Spieler jetzt nicht an den Pranger stellen. Aber man darf auch nicht so tun als ob ihre Leistung die Hoffnung auf Besserung genährt hätte. Marc Stendera? Nicht mal die Standards kamen, bis auf Biss kam da gelinge gesagt gar nichts. Sonny Kittel? Eine starke Szene in der 65. Minute, der besten Eintracht-Phase, sonst mit viel Mühe – auf einer Seite, die durch den stets wackeligen David Kinsombi über 90 Minute Brennpunkt war. Kurioser-, bezeichnenderweise wurde das Frankfurter Spiel ab dem Moment weniger schlimm (nein, von besser will ich nicht reden) als Kinsombi gegen Oczipka getauscht wurde, vor allem aber als Aleksdanr Ignovski mal auf seiner angestammten Posiiton auf der Sechs ran durfte (wieso Hasebe ansatt Medojevic ja, der kickte mit! -, raus musste, ist mir aber unerklärlich).

Dass Alexander Meier nie Stürmer war, nie Stürmer sein wird und völlig in der Luft hing / hängt – wusste jeder, der die Eintracht nicht erst seit gestern verfolgt. Überhaupt: Offensive? Es dauerte bis zur 63. Minute (!) bis der erste Torschuss auf Hannovers Tor abgegeben wurde, ein zwar guter, aber verzweifelter Halbvolley von Stefan Aigner – dem noch Besten an diesem weiteren trüben Tag.

Thomas Schaaf hat jetzt an 10 Spieltagen mindestens fünf Mal das System, und auch aber nicht nur wegen den Verletzungen das Personal gewechselt. Für jeden Fan, jeden Laien ist sichtbar, dass das gewählte Personal egal ist, alle sind in etwa gleich schlecht. Sei es Form, sei es Spielverständnis, sei es was auch immer. Mit Zambrano sah es nicht besser aus, war nur durch das zeitweilige Dusel erfolgreicher. Ohne Inui ist das Aufbauspiel zwar etwas weniger fehlerbehaftet, aber gleichsam weniger dynamisch, es geht eigentlich mit Tempo und im 1gegen1 gar nichts mehr.

Es ist offensichtlich: Ja, der Substanzverlust ist viel zu groß, Eintracht Frankfurt ist seit Wochen das schlechteste Team der Bundesliga. Aber viel erschreckender als das ist die angesprochene Tatsache, dass a) alle Spieler auf gleichem Niveau schwach sind und b) der Trainer schon jetzt alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Er hat das System mehrfach geändert, fast alle Spieler haben mittlerweile schonmal etwas (Maues) zeigen dürfen. Ergebnis bekannt. Defensiv funktioniert nichts, offensiv noch wenier. Felix Wiedwald hält wunderbar, wenngleich er wackeliger wirkt als Trapp (was normal und verzeihbar ist). Mehr gibt es zum konkreten Auftreten nicht zu sagen. Alles ist kacke, Punkt.

Wir könnten auch wieder auf Meta-Ebenen diskutieren, über Perspektiven, enttäuschte Hoffnungen, kaputttreten von zarten Euphoriepflänzchen. Aber was bringt es? Der Hasenzüchterverein samt seiner Funktionärsriege ist Realität, der Karren steckt in einem Dreck, den diese Leute dort hin gekippt haben. Die Blinden sollen die Einäugigen führen. Eine tolle Aussicht für das, was kommt. Und nein, gegen die Bayern gibt es nur ein optisches Gemetzel. Die machen ihre drei, vier Tore und juckeln es dann im Schongang runter. Daran werden wir uns gewöhnen müssen, und spätestens Ende des Monats helfen wir a) Dortmund mit 3 Punkten auf die Beine und stehen b) auf einem direkten Abstiegsplatz.

Ist noch jemandem danach, die Leute erneut in die 2. Liga zu trösten, auf Zeit und Geduld zu setzen? Noch ein bisschen krampfhaftes Suchen nach dem Guten? Nächste Woche wird ja schließlich immer alles besser. 34 Mal pro Saison.

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