Münchener Misanthropen

Sturm im Wasserglas – so könnte man die plötzlich aufploppende Meldung vom Donnerstagmittag nennen, wonach das Heimspiel der Eintracht gegen Bayern München abgesagt werden könnte.

Das mag man ja jetzt denken, aber wenn die 51 500 am Samstag sich erwartungsarm zum Stadion aufmachen und nach dem zu befürchtenden 0:3, 0:4 zwischen Minute 75 und 90 den Weg nach Hause antreten, wird vieles von den unschönen Verkehrsdingen Realität werden, die angekündigt sind.

Kurioser ist angesichts des Bahnstreiks ja der Hinweis des Vereins, nicht mit dem Auto zum Stadion zu kommen. Yep, natürlich! Ist auch gar nicht provinziell lokal gedacht, so ein Tipp. Ich sehe es schon vor mir: Die zigtausenden Leute, die aus Nordhessen, aus der Pfalz, aus Baden-Würtemberg anreisen – sie alle wandern am Donnerstagabend bereits los gen Frankfurter Innenstadt und mieten sich dort ein Fahrrad. In Heerscharen radeln die SGE-Anhänger durch den Stadtwald zum Stadion.
Natürlich werden am Samstag Hunderte Busse das Stadion ansteuern, ein paar tausend Autos allemal. Die Irrsten werden sich wohl tatsächlich bereits um 11 Uhr morgens auf den verregneten Asphalt stellen und darauf warten, dass das Debakel angepffifen wird.

Ja, ich habe auch schon einige Bayernspiele im Stadion gesehen. Verstanden habe ich den Hype nie. Sicher, das schönste Erlebnis war das 1:0, jener Fallrückzieher von Christoph Preuß. Dann noch dieses absurde 2:1, in dem ein Martin Fenin und ein gewisser Juhvel Tsoumou das Spiel drehten. Das war das erste Spiel eines David Alaba – der am Wochenende verletzt ausfällt und bestimmt Sebastian Rode Platz machen wird. Und jetzt kommt´s: Der Rode wird gegen uns ein Spiel hinlegen, das er für uns leistungs- und könnensmäßig Jahre nicht hingelegt hat. Zurück zu den Bayern als Publikumsmagnet: Trotz 4,5 Besuche solcher Spiele habe ich nie verstanden, wieso man gegen den FCB gerne ins Stadion will, wieso nicht wenige, Hunderte Euro für eine Karte bezahlen. Es ist die höchste Wahrscheinlichkeit, auf den Sack zu bekommen – und das so richtig, gerade in einer SGE-Phase, wo noch weniger geht als gar nichts. Wahrscheinlich treibt, trieb uns die Hoffnung, dieses eine absurde Spiel mal live zu sehen, alle gegen die Bayern ins Stadion.

Diesmal ist das bei mir jedenfalls anders. Ich rechne diesmal nicht nur mit einer Niederlage, ich Bösewicht rechne ja mit einem Spielverlauf, der sich etwa so aussehen wird:

Die Eintrachtspieler werden sich reinwerfen in die Partie, aber es wird nicht für etwas Zählbares reichen. Sie wird rackern und beißen, aber der Gegner wird das leichtfüßig umgehen. Souverän, abgeklärt, ruhig und chirugisch wird Bayern – je nach Laune – zwischen drei und fünf Toren schießen. Eines davon erzielt Sebastian Rode (mit einem strammen, platzierten Schuss aus rund 16 Metern), oder er bereitet zumindest eines per perfekt getimtem Steilpass vor. Die Eintracht kommt in der Anfangsphase der Partie zwei, drei Mal in Richtung FCB-Tor, schießt einmal aus einer guten Position (Alexander Meier), ein, zwei Mal einfach für die Statistik auf Manuel Neuers Kasten. Im Anschluss an das Spiel wird man sich anerkennend über den Willen des Teams äußern, wird feststellen, dass es ja gegen so eine Übermannschaft gar nicht reichen kann, will aber einen Aufwärtstrend erkannt haben. Die Eintracht-Funktionäre bekunden neben den verbesserten Ansätzen im Team, das Festhalten am Trainer, das bedingungslose Vertrauen zueinander und die Einigkeit im Klub.

Es ist November.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Münchener Misanthropen

  1. Jeder , auch die ach so grossen Bayern Hasser, will die Bayern und die ganzen Stars dann doch mal live sehen. So einfach ist das. In den alten Zeiten war ich regelmaessig im Stadion und auch sehr oft gegen die Bayern. Da kommen die ganzen Leute die sonst als sogenannte Erfolgsfans nur dann kommen wenn es was zu feiern gibt , naja das ist ja mittlerweile auch schon lange her.

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