Was nun geschieht

Neben der Debatte um Taktik und Marschroute gegen den FC Bayern wird also eine München-Übermächtigkeits-Diskussion geführt. Gibt es dieser Tage, in denen Eintracht Frankfurt vor der sechsten und siebten Liganiederlage in Folge steht, etwas Sinnfreieres? Offenbar reicht es nicht, dass Journalisten zwischen Flensburg und Bad Tölz seit drei Jahren nichts anderes als die struktruell wie sportliche Unangreifbarkeit der Bayern rauf- und runteranalysieren – da die Berichterstatter ja alle keine Ahnung haben, stellt die Entrückheit der Bayern jetzt jeder Fan nochmal selbst fest und fabuliert über Gründe und Auswege. Meta-Ebenen-Diskussion, Klappe die nächste!

Solange Eintracht Frankfurt es nicht mal annhärend auf die Kette bekommt, dauerhaft am FSV Mainz 05, am SC Freiburg, scheiße, dem FC Augsburg vorbeizuziehen, solange bin ich nicht bereit, auch nur einen Halbsatz zur Rolle des FC Bayern München zu verlieren. Mehr als ein Halbsatz kommt von mir dann in dem Moment, wenn man dauerhaft mit Mannschaften wie Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 mithält, wenn man eines dieser Teams ist, die immer mal wieder, nicht als Ausrutscher zwischen Rang 5 und 10 landen können.

Zurück zum konrekt Sportlichen, das in Abstiegsnotzeiten wesentlich wichtiger sein sollte als Führungs- und zumal Perspektivfragen (getreu dem Motto: Hemd ist näher als Hose): Die Marschroute gegen den FCB sah ein frühes Pressing vor. Das kann man als Beobachter naiv finden und beklagen, dass es angesichts dessen klar war, dass das Team in der zweiten Halbzeit einbricht, das dann die Tore fallen. So kam es schließlich auch. Aber: Was wäre denn die Alternative gewesen, jetzt, da gerne auf das 0:0 der Holzhack-Hamburger gegen Bayern verwiesen wird? Auf Defensive, Abwehrschlacht, so die Aussagen der Kritiker, hätte man sich einlassen sollen. Das schreiben mitunter dieselben Leute in Foren und Blogs, die noch vor Wochenfrist Alexander Madlung und Co. an die Kehle wollten, weil ja bereits die Ballzauberer aus Paderborn und Stuttgart jener Defensive acht Tore eingeschenkt haben. Nein Leute, so leicht geht es nicht. Man darf die Dinge nicht vom Ende bzw. vom Ausgang her denken, die Beurteilung eines Ergebnises darf nicht von der Anzeigetafel abhängig gemacht werden. So, wie viele Fans das 1:0 gegen Freiburg oder das 2:1 gegen Hamburg als Indiz für die Stärke, für die Cleverness von Eintracht fehlinterpretiert haben, so falsch ist es nun, die 0:4-Niederlage und das Zustandekommen gegen das stärkste Team weit und breit als Katastrophenkick zu brandmarken.

Im Kontext der zwölf Pflichtspiele, die Eintracht Frankfurt bislang lieferte, ist zumindest die erste Stunde gegen Bayern München eine der besten Saisonleistungen gewesen. Klar, hätte Thomas Müller das groteske Stellungsspiel der Eintracht nach 18 Sekunden zum 0:1 genutzt – es wäre wohl das chancenlose Schlachtfest geworden, das erwartet werden konnte. So muss man aber festhalten, dass die Eintrachtspieler das versuchten, was möglich war. Da war wenigstens Agilität zu sehen, auch das drei Mal vom Schiedsrichter zu Unrecht abgepfiffene Durchsetzen, das auf dem Flügel Durchbrechen von Haris Seferovic gegen Rafinha, war so ein positiver Ansatz.

Die Frage ist vielmehr, was gegen Mönchengladbach geschieht. Die haben das Spiel gegen Dortmund (natürlich) zwar nur durch ein kurioses Eigentor verloren – wurden aber vom bis dato Tabellenletzten regelrecht hergespielt, hielten den einen Punkt schon nach 45 Minuten nur mit viel Massel fest. Ein Indiz, das für die SGE da etwas zu holen ist? Nein. Genauso wenig wie gegen den siegreichen BVB eine Woche später. Aber beide Partien muss Frankfurt a) offener gestalten als die Partie gegen Bayern, vor allem aber b) sich leistungsmäßig weiter steigern, zeigen, dass sie bis zum Bremenspiel Anfang Dezember voll da ist, dass da sportlich etwas geht, dass ein funktionierender Plan da ist, der umgesetzt wird. Denn dann, gegen Bremen, braucht es Punkte. Spätestens da. Also vergeuden wir die Energie nicht für die Rückschau aufs Bayernspiel, sondern lassen die Eintrachtspieler jetzt mal dieses Fünkchen Glauben und Hoffnung, dass sie glauben erkannt zu haben.

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