Die Pausen-Debatte

Länderspielpausen, es gibt nichts nervigeres. In irgendwelchen Billig-Qualifikations-Gruppen kicken dann die Alleskönner gegen die, die Fußball versuchen. Im Grunde muten Spiele der Deutschen Nationalmannschaft, wenn es nicht bei Turnieren irgendwann mal gegen die anderen zwei, drei großen Fußballnationen geht, an wie eine Kopie von Bayern-München-Partien. Am Ende, machen wir uns doch nichts vor, belegt die DFB-Elf stets Rang 1 der Quali-Gruppe, weil spätestens zur Hälfte der Spielzeit alles ist wie immer. Die mittelmäßigen Verbände bleiben mittelmäßig, die kleinen bleiben klein, so dass das Gerangel um Rang 2 viel spannender ist als das Anschauen der Langnese-Familienblock-Spiele von Deutschland.

Nun gut, wieder mehr Sätze und Energie zum leidlichen Thema verschwendet als geplant. Bei der Eintracht überlegt man sich indes Investore-, Pardon, Gönnermodelle. 50 Menschen, die es gut meinen mit der SGE, sollen demnach 300 000 bis 500 000 Euro überweisen. Da erzittert sie aber, die Liga! Nicht nur, dass wir von einem einmaligen Maximum von 25 Millionen Euro reden – wo um alles in der Welt sollen diese 50 Reichen, die in der Freizeit Monopoly spielen, herkommen? Jene, die unbedingt in den Immer-mal-wieder-Erstligisten investieren möchten? Es ist ja, unabhängig von der Zusammensetzung des Vorstands oder Aufsichtsrats, nicht so, dass da ein Riese in Frankfurt schlummert. Den gibt es nämlich nur in den Träumen, in der Illusion von Fans und Funktionären. Man erinnere sich: Schon Ende der 80er, die ganzen 90er hindurch, schwadronierte man am Main von dem Potential, das angeblich vorhanden ist. Bankenstadt! Metropolregion! Weltstadt Mainhattan! Und dann schaut man genauer hin und merkt, dass auch dieser Kaiser keine Kleider hat, das in den Türmen ganz andere Player zugegen sind, die ganz andere Marken im Fokus haben als die Trikotträger im Stadt- und Riederwald. Seit Jahrzehnten.

Auf der anderen Seite ist es gut und überfällig, dass man sich in Frankfurt konkrete Dinge (aus schierer Not oder Überzeugung?) überlegt, wie man sich der immer größer werdenden Zahl der Investorenklubs erwehren kann. Denn klar ist: Die reine Existenz von Red Bull Leipzig, Ingolstadt, Heidenheim, Hoffenheim, Wolfsburg, auch Leverkusen, zuletzt Herha BSC Berlin – externe Großfinanziers – drängen in das Geschäft, verdrängen die klassischen Fußballunternehmer. Ob es der Eintracht ohne Anteilsverkäufe gelingt, so viele Spaßzocker zu überzeugen, wie für Millionenzuflüsse nötig sind, muss aber bezweifelt werden. Natürlich, man will sich von Gönnern, Investoren, Geldgebern strukturell nicht ins Konstrukt regieren lassen. Aber genau die Frage wird sich selbstverständlich jeder mögliche Einsteiger stellen: Was springt für mich dabei raus, wie profitiere ich? Wir reden hier schließlich nicht von Wohltätern, die ihr Geld durch Uneigennützigkeit erwirtschaftet haben, sondern von Leuten mit einem gerüttet Maß an eingeimpftem Gewinnstreben. Für soziale Verantwortung, zu der man Profifußball nun wahrlich nicht zählen kann, sind die Beträge dann doch ein bisschen zu hoch. Ein wenig mutet es schon nach der Floskel „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ an, was sich die Eintracht unter ihrem Gönnermodell vorstellt. Aber vielleicht unterstellt man als Außenstehener auch zu viel kritischen Geist im Unternehmertum. Vielleicht gibt es sie ja, die 50 millionenschweren Eintracht-Fans, die ebenso unter dem Gewürge leiden wie der Steh- und Sitzplatzpöbel in der Nordwestkurve.

Ob man noch etwas fühlt, emotional, wenn irgendwann nur noch auf der Verpackung Eintracht Frankfurt steht und innen drin irgendein Konzern, ein Multi steckt – ich weiß es nicht. Ich kann für mich sagen, dass ich das nicht glaube. Das ständig wechselnde Personal macht es mir jetzt schon schwer, so bei der Stange zu bleiben wie ich das seit mehr als 25 Jahren bewusst tue. Modern ist halt nicht gleich gut, egal, ob die (Investoren-)Entwicklung unabwendbar zu sein scheint oder nicht.

Apropos Emotion. Das man sich bei der Eintracht hingegen traut, Marco Russ nochmal vor die Notizblöcke zu zitieren um sich bei Jürgen Grabowski zu entschuldigen, ist albern. Emotionalität, zumal in diesen miesen Monaten, ist kein Verbrechen. Im Gegenteil, sie ist allemal besser als die immer wiederkehrenden Floskeln von 95% der Profisportler und Funktionäre, die gerne Ruhe anmahnen. Was Marco Russ über Grabowski – dessen Bild-Kolumne – sagte, ist absolut legitim. Vereinsidol hin oder her, der Mann trat vor Jahrzehnten gegen den Ball, zu einer Zeit, da Fußball eher wie ein schnelleres Curling wirkte. Man muss nicht so tun als ob der Fußball seitdem ein grundlegend anderer Sport geworden wäre, aber viele Dinge sind in der Tat völlig anders als zu Grabowskis Zeiten – und das nicht nur in der Regelkunde. Diese vom Verein offenbar erbetene Entschuldigung, wirkt lächerlich, sie muss so wirken. Wem ist damit jetzt bitte genützt? Jeder weiß doch genau, was die wahrhaftige Äußerung ist – weil uns Menschen, unser Denken stets die Emotion entlarvt. Wenn die Deckung unten ist, zeigen wir unser wahres Gesicht, nicht dann, wenn wir mehr oder weniger reflektiert an uns halten (können).

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die Pausen-Debatte

  1. Florian

    Muss die Fankurve halt noch mal Lotto spielen

Diskussion

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